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Digitalisierung | 12.12.2018 (editiert am 07.02.2019)

Gefälschte Geschichte

Eine Zukunft ohne Automobil könnte auf Vorbilder in der Vergangenheit zurückblicken. Umso tragischer, dass sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Propagandaformeln des Automobilismus und einer gefälschten Geschichte des Verkehrs blamiert.

Um die heutigen Verkehrs- und Umweltprobleme zu lösen, sind wirkliche Alternativen zum motorisierten Individualverkehr nötig (MIV). Hilfreich wäre, das Phänomen Verkehr in eine angemessene historische Perspektive zu stellen und insbesondere die Position des heute so dominanten Automobils zu relativieren.

Schon hier scheitert eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Titel Das Auto im digitalen Kapitalismus: Dieselskandal, Elektroantrieb, autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität kläglich. Mehr als eine Reproduktion der Propagandaformeln des Automobilismus bringt sie nicht zuwege: »Die Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Individualität und Freiheit des Einzelnen konnte der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts im Automobil kondensieren« [Daum 2018, 11] – als ob dies jemals die Hauptfunktion des Automobils und das 20. Jahrhundert durchgängig das Jahrhundert des Automobils gewesen wäre.

Nein, das 20. Jahrhundert erlebte in seinem ersten Drittel den bisherigen Höhepunkt des schienengebundenen, zunehmend elektrifizierten, öffentlichen Verkehrs. Und zwar durchgängig in den industrialisierten Ländern des Nordens und auch in vielen Städten des Südens. Das Automobil wurde in den USA in den 1930er-, in Westeuropa in den 1960er-Jahren zum dominierenden Verkehrsmittel. [...]

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