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Konjunktur | 09.01.2019

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2018 – 1

Die Frühindikatoren für die deutsche Konjunktur zeigen auch im November nach unten. Einige Anzeichen sprechen inzwischen klar für einen deutlichen Einbruch. Wer jetzt nicht sofort handelt, verhält sich unverantwortlich.

Der Auftragseingang beim verarbeitenden Gewerbe insgesamt ist im November leicht gesunken (Abbildung 1). Während die Nachfrage aus dem Inland leicht zunahm, sanken die Aufträge aus dem Ausland deutlich.

Abbildung 1

Trotz des leichten Anstiegs im Berichtsmonat ist die binnenwirtschaftliche Nachfrage bei der deutschen Industrie über die letzten Monate sehr schwach. Sie bewegt sich wieder auf dem Niveau von 2011 (Abbildung 2). Das ist ein Armutszeugnis ohnegleichen und zeigt, dass das allgemein verbreitete Gerede von der Binnennachfrage, die die Konjunktur trägt, an den Haaren herbeigezogen ist.

Abbildung 2

Nachdem im Oktober die Nachfrage aus der Eurozone noch kräftig zugelegt hatte, ist sie November regelrecht eingebrochen (Abbildung 3). Wir hatten im vergangenen Monat erwartet, dass es hier einen Rückschlag gibt, aber der ist nun doch sehr kräftig ausgefallen. Der Abschwung ist damit hier seit Ende 2017 klar erkennbar. Bei der Nachfrage aus dem Rest der Welt gilt das ebenfalls, wenn es auch im November noch einmal eine Zacke nach oben gegeben hat.

Abbildung 3

Der ifo-Index, der im Sommer noch allerseits bejubelt wurde (vgl. den Beitrag (hier), ist bis in den Dezember hinein nur noch auf Talfahrt. Die bejubelte Zacke vom August ist inzwischen so glattgebügelt, dass man sie fast nicht mehr erkennen kann. Damit ist der Jubel des ZDF über ein „Sommerhoch“ der deutschen Wirtschaft tatsächlich nachträglich zu einer fake-Meldung geworden. Wann und wo entschuldigt sich der Sender dafür?

Abbildung 4

In den verschiedenen Branchen der deutschen Industrie ist der Abschwung unterschiedlich stark ausgeprägt (Abbildung 5). Während sich die Automobilindustrie zu fangen scheint, geht es bei Chemie und Pharma rasant nach unten. Auch der Maschinenbau kann sich im Moment noch halten, aber der wichtigste Vorleistungsbereich, Metallerzeugung und –Bearbeitung geht vor allem im November zusammen mit Chemie und Pharma rasant nach unten (fast genau auf der gleichen Linie).

Abbildung 5

Bei der Industrieproduktion haben sich die vielen Monate schwacher Nachfrage jetzt sehr deutlich niedergeschlagen (Abbildung 6). Im November war die Produktion im verarbeitenden Gewerbe deutlich geringer als im Vormonat. Auch das gesamte produzierende Gewerbe inklusive Bauwirtschaft ist klar auf Abschwungskurs.

Abbildung 6

Das ist mehr als erstaunlich, sah es doch im vergangenen Monat noch so aus, als würde die Bauwirtschaft sich deutlich über das Niveau heraus abheben, das sie (wegen einer statistischen Korrektur) Anfang 2017 erreicht hatte. Doch davon kann nach den neuesten Zahlen vom November nicht mehr die Rede sein. Wir haben einmal die Zahlen des letzten Monats mit denen vom November in eine Abbildung gebracht und, siehe da, die beiden Kurven haben wenig miteinander zu tun (Abbildung 7).

Abbildung 7

Ohne weitere Kommentare – jedenfalls in der Pressemitteilung – korrigiert das Amt die Zahlen deutlich nach unten und danach ergibt sich ein vollständig anderes Bild als vorher. Nun stagniert der Bau wieder seit Beginn der Jahres 2016 (wie wir es in dem oben verlinkten Artikel vermutet hatten), aber auch wir mussten uns zwischenzeitlich korrigieren, weil es so aussah, als ginge es nun klar nach oben. Über diese Art von Pressearbeit einer offiziellen Stelle kann man nur den Kopf schütteln.

Lesen sie im zweiten Teil, wie sich die Industrieproduktion in ganz Europa im November entwickelt hat.

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