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Konjunktur | 17.01.2019 (editiert am 22.01.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2018 – 2

Die europäische Wirtschaft ist ohne Zweifel in der großen Gefahr, auf niedrigem Niveau erneut abzustürzen. Anders als in der Fliegerei ist das besonders gefährlich.

Die Industrieproduktion im Euroraum ist im November deutlich gefallen (Abbildung 1). Wie in Deutschland, so hat es auch in Italien und Frankreich einen merklichen Einbruch gegeben. In Italien und Frankreich ist damit vermutlich der Mini-Aufschwung der letzten beiden Jahre zu Ende gegangen, ohne dass beide Länder das Niveau von 2011 überschritten hätten. In Italien ist die Produktion sogar deutlich niedriger als damals gewesen.

Abbildung 1

Auch für den gesamten Euroraum ohne Deutschland gilt das(Abbildung 2). Das Niveau von 2011 wurde nur ganz leicht übertroffen und ist jetzt im Sinken begriffen. Das zeigt ein grandioses Versagen der europäischen Politik für den Euroraum. In Großbritannien, das ja nie Mitglied im Euroraum war, ist es allerdings auch nicht besser. Offensichtlich hat auch die britische Regierung nach der Krise von 2008 nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat.

Abbildung 2

In Südeuropa gilt weitgehend das Gleiche (Abbildung 3). Auch hier ist der Abschwung eingeleitet, jedenfalls gilt das für Spanien und Portugal, ohne dass das Niveau von 2011 merklich überboten worden wäre. Nur in Griechenland ging es im November aufwärts, aber dort ist das Niveau sogar noch viel niedriger als 2009.

Abbildung 3

In den kleinen nördlichen Ländern, die wir hier betrachten, ist der Abschwung weniger deutlich zu erkennen (Abbildung 4). In Österreich ist es zuletzt sogar noch einmal aufwärts gegangen. Die Niederlande haben sich jedoch während des gesamten kurzen Aufschwungs nicht erholen können und drohen jetzt erneut einzubrechen. Die belgische Industrie bleibt schwach.

Abbildung 4

In Nordeuropa dominieren Stagnationstendenzen, aber hier sind immerhin, abgesehen von Norwegen, die Niveaus von 2011 teilweise deutlich überschritten worden (Abbildung 5). Insbesondere Finnland hat sich in den letzten beiden Jahren aus der langen Rezession in der Industrie hochgearbeitet.

Abbildung 5

Im Baltikum gibt es erhebliche Schwankungen in der Produktion, die nicht immer ein klares Muster erkennen lassen (Abbildung 6). In Litauen und Estland ging es zuletzt nach oben, aber das kann sich angesichts der Volatilität der Kurven schnell wieder umkehren.

Abbildung 6

In den übrigen Mittel- und osteuropäischen Staaten ist eine Tendenz zur Stagnation unverkennbar (Abbildung 7). Insbesondere Slowenien, das den Aufschwung angeführt hatte, schwächelt nun. Noch ist aber in diesen Ländern keine klare Abwärtstendenz erkennbar.

Abbildung 7

In Rumänien, das gerade den Vorsitz im Europäischen Rat übernommen hat, geht es sogar weiter leicht aufwärts (Abbildung 8). Bulgarien und Kroatien dagegen spüren konjunkturellen Gegenwind. Insbesondere Kroatien stagniert nun schon seit 2009. Das ist für ein Land bei niedrigem Wohlstandsniveau unglaublich.

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum die wirtschaftspolitischen Antworten, die nun diskutiert werden, unangemessen sind.

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