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Genial daneben | 07.02.2019 (editiert am 08.02.2019)

Chinaphobie – nun auf saarländisch

Bravo, nun wird von einem Juristen und Saarländer zu Ende gebracht, woran die USA und Donald Trump gescheitert sind: China, die heimliche Planwirtschaft, wird mit deutscher Planwirtschaft und harter Hand in marktwirtschaftliche Schranken gewiesen.

Wie heißt die erfolgreichste Marktwirtschaft der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg? Nein, nicht Deutschland. Sie heißt eindeutig China. Wenn es ein Wirtschaftswunder gegeben hat, das alles andere in den Schatten stellt, dann war es das chinesische.

Aber da sind doch immer noch die Kommunisten an der Macht, tönt es in Deutschland, wie konnten die ein Wirtschaftswunder zustande bringen, das größer war als das des einzigartigen deutschen Marktwirtschaftlers namens Ludwig Erhard? Das kann doch keine wirkliche Marktwirtschaft sein?

Aber wenn die von Kommunisten geführte chinesische Wirtschaft gar keine wirkliche Marktwirtschaft war, wieso gab es dann ein Wirtschaftswunder? Kommunisten können doch bekanntlich nicht vernünftig wirtschaften, von Wundern gar nicht zu reden?

Sicher waren es nur die ausländischen und deutschen Unternehmen, die in den letzten dreißig Jahren in großen Massen in China investiert haben, die das Land so erfolgreich gemacht haben? Schließlich sind zeitweise 60 bis 70 Prozent der „chinesischen“ Exporte in Wirklichkeit Exporte westlicher Firmen gewesen, die in China für den Weltmarkt produziert haben.

Gibt es westliche Firmen in China?

Wenn das so war, dann fragt man sich allerdings, warum die deutsche Wirtschaft und der deutsche Bundeswirtschaftsminister immer beklagen, die bösen chinesischen Kommunisten behinderten ausländische Unternehmen, wenn die in China eine chinesische Firma kaufen wollten.

Wenn die westlichen Firmen schon so dominant auf dem chinesischen Markt vertreten waren und sind, ist es dann nicht verständlich, dass die chinesische Regierung (ob kommunistisch oder nicht) nicht auch noch die originär chinesischen Unternehmen in den Händen von Westlern sehen wollen? Man muss sich einmal vorstellen, was sich der deutsche Wirtschaftsminister alles ausdenken würde, wäre ein Großteil der in Deutschland produzierenden Industrie unmittelbar in chinesischem Eigentum.

Nein, schreien die deutschen Merkantilisten, die Chinesen dürfen in Deutschland nicht investieren. Wir wollen den Chinesen einfach keine Technologie überlassen, die wir selbst anwenden könnten. Man kann dem Chinesen nicht über den Weg trauen, weil ja dort die Kommunisten regieren und der Staat überall seine Hände im Spiel hat. KUKA darf nie wieder passieren, ist die Parole und der deutsche Staat hat alle seine Hände im Spiel.

Der vom Bundeswirtschaftsminister angeführte Versuch, jeden Übernahmeversuch eines chinesischen Unternehmens in Deutschland zur Staatsaktion zu erklären und womöglich zu verhindern, ist ein massiver Verstoß gegen alle ansonsten vor allem von Deutschland immer wieder beschworenen Prinzipien des Freihandels. Dass man damit begründet, in China spiele der Staat eine große Rolle China und erlaube ausländischen Firmen nicht jeden Kauf eines chinesischen Unternehmens, ist ein Witz angesichts der Tatsache, dass China in den 30 Jahren seiner Öffnung mehr ausländischen Unternehmen erlaubt hat, in seinen Grenzen zu produzieren als irgendein anderes Land der Erde.

Man sieht es an diesem Beispiel wieder einmal in aller Klarheit. Freihandel ist nur gut, so lange er für uns gut ist. Alles Übrige ist Geschwätz für die Sonntagsreden der Politiker. Dass sie den internationalen Handel in keiner Weise verstehen, könnte man ja noch hinnehmen, dass sie aber am Morgen der eigenen Bevölkerung, den Nachbarn und den Entwicklungsländern vollmundig den Freihandel predigen und ihn am Nachmittag ohne zu zögern in die Tonne treten, das ist stark. Die einzige Sprache, die diese Leute verstehen, ist offensichtlich die Sprache der Macht. Und deswegen muss man hoffen, dass die Marktwirtschaft China ihnen eine Lektion erteilt und unmissverständlich klar macht, dass deutsche Produktion in China und deutscher Export nach China in höchstem Maße gefährdet sind, wenn der deutsche Merkantilismus auf die Spitze getrieben wird.

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