Gelbwesten | 19.02.2019 (editiert am 27.02.2019)

Das Territorium der Anderen

Emmanuel Macron sägte an den Fundamenten der Fünften Republik. Nun droht er selbst unter ihren Trümmern begraben zu werden. Dafür sorgt ein Volksaufstand, den es in seiner neuen Welt eigentlich nicht hätte geben dürfen.

Vier Monate sind es nun, in denen „das Volk“ – von dem erzählt wird, dass es ein Konstrukt sei – den Aufstand probt. Etwas, das gar nicht existieren soll, stellt seine Existenz und seinen Willen im peripheren Frankreich, im Rauch der Revolte auf den Straßen und Gassen der Städte eindrucksvoll unter Beweis.

Es ist ein Moment des Populismus. Der elitäre Dekonstruktivismus, der die Einzelnen, die abstrakten Individuen, die unpolitischen „Menschen“ und die bunte Vielfalt eines Sonnenscheinliberalismus beschwört, wird hinweggefegt von der Wucht des kollektiven Subjekts. Die glitzernde Fassade der strukturell gewalttätigen Republik zerbricht. Die Gilets Jaunes, die Gelbwesten, sind eine populistische Bewegung – im reinsten Sinne des Wortes.

Was Ende Oktober 2018 als Protest gegen eine höhere Kraftstoffsteuer auf Initiative der ehemaligen Bankangestellten Priscillia Ludosky, des Fernfahrers Éric Drouet, der Therapeutin Jacline Mouraud und der Krankenpflegerin Ingrid Levavasseur begann, lässt sich nicht durch die Summe seiner Teile erklären. Es ist ein Moment der Singularität.

Das sorgt für einiges Unbehagen bei den Dekonstrukteuren. [...]

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