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Konjunktur | 08.02.2019

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühwinter 2018 – 1

Der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe ist im Dezember und Januar deutlich gefallen, der Aufschwung der letzten Jahre aufgezehrt. Folgt die Nachfrage in der Industrie und die Produktion diesem Indikator, hätte man industrielle Stagnation von 2013 bis heute.

Der Auftragseingang beim verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist auch im Dezember gesunken (Abbildung 1). Zwar war der Rückgang im November nach einer statistischen Revision nicht mehr so groß wie ursprünglich gemeldet, aber es bleibt bei dem Rezessionsszenario, das seit Beginn des Jahres 2018 klar erkennbar war.

Abbildung 1

Der Auftragseingang aus dem Inland hielt sich im Herbst immerhin noch auf einem Niveau leicht oberhalb des Stagnationsniveaus, das von 2013 bis 2017 vorgeherrscht hatte (Abbildung 2). Doch aus dem Ausland kamen eindeutig rezessive Impulse.

Abbildung 2

Dabei war es vor allem das Geschäft mit dem Ausland, das rückläufig war (Abbildung 3). Abwechselnd sank entweder die Nachfrage aus Europa und aus dem Rest der Welt. Zuletzt war es wieder die Nicht-Eurozone, die für die Verringerung der Nachfrage aus dem Ausland verantwortlich war.

Abbildung 3

Der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe ist im Dezember und im Januar weit deutlicher gefallen, als es bisher von der Nachfrageseite her angelegt ist. Beim ifo-Index ist der gesamte Aufschwung der letzten Jahre sozusagen schon aufgezehrt; das Niveau der Aktivität ist nach diesem Maßstab wieder so niedrig wie in den Jahren nach 2013 (Abbildung 4). Es bleibt abzuwarten, ob die Nachfrage in der Industrie und die Produktion diesem Indikator folgen. Wenn ja, wäre das ein Armutszeugnis ersten Ranges für die deutsche Wirtschaftspolitik. Man hätte dann industrielle Stagnation von 2013 bis heute zu konstatieren.

Abbildung 4

Bei den verschiedenen Zweigen der Industrie sind die Entwicklungen sehr unterschiedlich (Abbildung 5). Während es erstaunlicherweise bei den Automobilen, die zuerst abgestürzt waren, am Jahresende schon wieder deutlich aufwärts geht, verzeichnen alle anderen Bereiche mehr oder weniger deutliche Einbußen. Es spricht vieles dafür, dass die durch die europäischen Zulassungsregeln verzögerten Automobilkäufe vom Herbst jetzt nachgeholt werden, was bedeutet, dass sowohl der scharfe Einbruch als auch die jetzige Erholung nicht das wirkliche Nachfrageverhalten widerspiegeln.

Abbildung 5

Die Industrieproduktion ist im Dezember ebenfalls gesunken (Abbildung 6). Die deutsche Industrie hat damit schon einen erheblichen Teil des Produktionsanstieges eingebüßt, den sie seit Beginn des Jahres 2017 erreicht hatte. Noch dramatischer ist die Entwicklung bei der Bauwirtschaft. Hier gab es im Dezember einen wirklich starken Einbruch. Das liegt vor allem am Ausbaugewerbe, das massiv an Boden verliert. Ohne den statistisch verursachten Anstieg zu Anfang 2017 wäre das Baugewerbe schon wieder auf dem Stagnationsniveau von 2013 folgende. Von einem Bauboom in Deutschland zu sprechen, ist ein Witz.

Abbildung 6

Lesen sie im zweiten Teil, wie sich die Industrieproduktion in Europa entwickelt hat.

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