Bild: istock.com/G0d4ather
Konjunktur | 15.02.2019 (editiert am 20.02.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühwinter 2018 – 2

Die europäische Rezession ist nicht mehr zu leugnen. Die Industrie geht klar bergab. Doch die Finanzpolitik starrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Worauf wartet man?

Europa geht in eine Rezession. Die Industrieproduktion in der EWU ist auch im Dezember deutlich gesunken, obwohl die deutsche Produktion in dem Monat noch leicht zugelegt hat (Abbildung 1). In Italien gab es einen wirklich starken Rückgang, der, wenn er anhält, das Niveau der Produktion in wenigen Monaten wieder auf das langjährige Rezessionsniveau zurückführen wird.

Abbildung 1

Betrachtet man den Euroraum ohne Deutschland, ist ebenfalls ein Rückgang zu konstatieren (Abbildung 2). Das gilt auch für Großbritannien, wo die Politik durch den Brexit derzeit vollständig gelähmt scheint. Es ist nicht zu begreifen, dass Brüssel angesichts einer solchen Entwicklung und der möglichen Gefahren, die damit verbunden sind, nicht europaweit Alarm schlägt.

Abbildung 2

In Südeuropa sind die Spuren der rezessiven Entwicklung in Spanien und Portugal klar auszumachen (Abbildung 3). Nur die griechische Industrie verzeichnet noch leichte Zuwächse auf niedrigem Niveau.

Abbildung 3

Auch in den kleineren west- und mitteleuropäischen Ländern gibt es klare Rezessionsindizien. In Österreich stagniert die Produktion im verarbeitenden Gewerbe und auch in Belgien gibt es ein heftiges auf und ab ohne klare Tendenz. In den Niederlanden, die als letzte die Rezession scheinbar hinter sich gelassen hatten, ging es dagegen im Dezember massiv abwärts (Abbildung 4).

Abbildung 4

In Nordeuropa verzeichnet Dänemark im Dezember einen ganz außergewöhnlichen Zuwachs, der aber sicher auf Sonderfaktoren zurückzuführen sein wird (Abbildung 5). Aber auch in Finnland und Schweden verlief der Dezember nicht schlecht, was unter Umständen auch mit einer außergewöhnlich guten Witterung zu tun haben kann, die von der Saisonbereinigung nicht erfasst wird.

Abbildung 5

In den baltischen Ländern blieb es bei der Fast-Stagnation auf hohem Niveau (Abbildung 6). Setzt sich die europäische Abschwächung fort, wird auch in diesen Ländern das derzeitige Niveau wohl nicht zu halten sein.

Abbildung 6

In den mittel- und osteuropäischen Ländern, die sich in den letzten Jahren relativ gut entwickelt hatten, sind die Folgen der Abschwächung klar zu erkennen. Bei der Abhängigkeit dieser Länder von westlichen Industriefirmen, die hier ihre Produktionsstätten haben, ist das kein Wunder. Nur in Ungarn und Tschechien kann man noch von einer leichten Verbesserung sprechen (Abbildung 7).

Abbildung 7

Sehr schlecht sieht es aktuell in Kroatien und Bulgarien aus, wobei vor allem Kroatien ein wirklich hoffnungsloser Fall ist: Die Produktion in dem Land liegt derzeit wieder unter dem Niveau von 2009. In Rumänien, wo man immerhin auf eine lange Aufschwungsphase zurückblickt, ist aktuell auch nur Stagnation zu verzeichnen (Abbildung 8).

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und welche Wirtschaftspolitik angemessen wäre.

Weitere Teile dieser Serie

Anmelden