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Finanzsystem | 21.02.2019 (editiert am 26.02.2019)

Wider die sparenden Unternehmen!

Nach den Plädoyers der Staatsanwälte Heiner Flassbeck und Dirk Ehnts erhält der „Angeklagte“ Werner Vontobel noch einmal Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Zur Erinnerung: Es geht um die Frage, ob die Märkte oder die Zentralbanken an den aktuell tiefen Zinsen schuld seien. Eröffnet wurde die Diskussion durch einen Text von mir. Darin habe ich mich mit Schweizer Bankökonomen und einem ehemaligen Chefökonomen der Schweizer Nationalbank (SNB) auseinandersetzt. Sie alle hatten in Zeitungsartikeln der SNB vorgeworfen, sie habe mit ihren Negativzinsen die Sparer „enteignet“. Meine Gegenthese: Die tiefen Kapitalmarktrenditen sind letztlich die Folge der chronischen Nettofinanzierungsüberschüsse der Unternehmen.

Inzwischen habe ich gelernt, dass die Argumentation mit den Salden der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) seine Tücken hat. Salden sind theoriefreie Endergebnisse. Sie sagen nichts darüber aus, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist. Flassbeck setzt mit seiner Argumentation früher an:

„Was sie nicht verstehen, ist die Tatsache, dass durch die schwache Lohnentwicklung der klassische Mechanismus unterbrochen ist, nämlich über Zinssenkungen mehr Investitionen auszulösen.“

Es fängt also mit schwachen Löhnen an, wodurch die Gewinne steigen, aber die Nachfrage sinkt. Die Unternehmen haben so zwar mehr Geld zur Verfügung, das sie aber trotz Zinssenkungen nicht mehr investieren: Sie finden auch bei tiefen Zinsen keine rentablen Investitionsprojekte mehr. [...]

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