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Theorie | 15.03.2019 (editiert am 19.03.2019)

Mit Wut im Wort

Wer konstruktivistische Sprachtheorien in Frage stellt, der gilt schnell als naiver Realist und argloser Zeitgenosse. Aber muss man erst Konstruktivist sein, um Ideologiekritik üben zu können? Ein Gegenentwurf.

Ein Gespenst geht um in den für sicher geglaubten Bastionen westlicher Zivilisation. Der Populismus spukt durch die altehrwürdigen Gemäuer parlamentarischer Demokratien. Allerorten sprießen die gefühlten Wahrheiten und alternativen Fakten wie Pilze aus dem Boden. Wutbürger machen die Straßen unsicher, Politiker kultivieren ihre Hassreden und Medienunternehmen sind selbst die niedersten Instinkte im Menschen recht, solange sich die Quoten überschlagen wie die immer wieder neu entfachten Tremoli der öffentlichen Empörung.

Und wo verstecken sich angesichts dessen die letzten Gläubiger der menschlichen Vernunft? Diese angestaubten alten Herren und Damen, die sich kritische Rationalisten nannten und die einst so gutgläubig an der Vernunftfähigkeit des Menschen festgehalten hatten.

Ja, auch mir ist nun das Malheur passiert, an dem vorbeizusehen, woran man nicht mehr vorbeisehen kann: Dem unhintergehbaren Faktum menschlicher Emotionen. Denn offenbar liest sich mein Artikel Das Einmaleins des Schönsprechens wie ein argumentativer Freifahrtschein für naive Realisten. Und den würden sowohl Medienunternehmen wie Politiker und neoliberale Marktfundamentalisten nur allzu gerne abstempeln. Genauer gesagt jene Akteure, [...]

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