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Theorie | 05.03.2019 (editiert am 15.03.2019)

Nutzen und Grenzen der Saldenmechanik

Die volkswirtschaftliche Saldenmechanik ist zweifellos ein wichtiges Analyseinstrument. Sie muss aber durch eine adäquate Theorie ergänzt werden.

Das Problem der „sparenden Unternehmen“ – darunter sind Einnahmen- oder Finanzierungsüberschüsse der Unternehmen zu verstehen – ist auf MAKROSKOP von verschiedenen Seiten immer wieder beleuchtet worden (zuletzt etwa hier, hier oder hier). Die Beiträge basieren großenteils auf Überlegungen zur volkswirtschaftlichen Saldenmechanik, was an sich sinnvoll und richtig ist. Jedoch ist es auch wichtig, die Grenzen der saldenmechanischen Argumentation zu benennen.

Die Saldenmechanik ist kein Theorieersatz. Es handelt sich bei ihr nicht etwa um ein Modell einer Volkswirtschaft, in dem irgendwelche Annahmen über das Verhalten von Wirtschaftssubjekten getroffen werden – die man als richtig oder falsch ansehen kann –, sondern nur um eine rein logische Darstellung gesamtwirtschaftlicher Größen in einer monetären Marktwirtschaft. Diese Darstellung basiert auf der Tatsache, dass die Ausgaben eines Wirtschaftssubjekts immer die Einnahmen eines oder mehrerer anderer Wirtschaftssubjekte sind. (Eine Modellannahme wäre dagegen die Aussage, dass der private Konsum steigt, wenn die Einkommen zunehmen. Das kann so sein, muss es aber nicht.)

Mit anderen Worten: Wer gesamtwirtschaftlich argumentiert und dabei in Widerspruch zu Zusammenhängen gerät, die sich aus der Saldenmechanik logisch zwingend ergeben, dem ist ein Denkfehler in seinen Überlegungen unterlaufen. Die Ausrede, es gebe eben unterschiedliche Modellvorstellungen über den Ablauf einer Marktwirtschaft oder die eigenen Überlegungen träfen nur unter bestimmten Bedingungen zu oder es komme auf Fristen, Zeiträume, Dynamik, Risiken, Wahrscheinlichkeitsverteilungen zukünftiger Ereignisse an, hilft nicht mehr. Wer gegen die Logik der Saldenmechanik verstößt, kann nicht gesamtwirtschaftlich widerspruchsfrei argumentieren. Und aus einer widersprüchlichen Argumentation lässt sich kein logisch schlüssiger Rat ableiten, also auch keine rationale Wirtschaftspolitik.

Fordert ein Politiker, dass der staatliche und der nichtstaatliche Sektor (letzterer umfasst den inländischen Privatsektor und den Sektor Ausland) gleichzeitig ihre Nettoverschuldung reduzieren sollen, dann braucht man keine Theorie, um zu zeigen, dass dies unmöglich ist. Behauptet der Politiker aber, dass Sparmaßnahmen das Wirtschaftswachstum ankurbeln, benötigt man eine Theorie, um die Gültigkeit einer solchen These zu prüfen. Dabei stellt die Saldenmechanik auch hier eine nützliche Hilfe dar, um Schlussfolgerungen über die makroökonomischen Folgen insgesamt – nach Reaktion der sektoralen Finanzierungssalden auf eine eingeführte Austeritätspolitik – zu ziehen.

Saldenmechanische Zusammenhänge

Um zu zeigen, wo die Grenze zwischen rein saldenmechanischen Aussagen und Theorie liegt, sei zunächst auf die Beziehungen zwischen den Finanzierungssalden hingewiesen: Die Finanzierungssalden der drei großen volkswirtschaftlichen Sektoren Privatsektor, Staat und Ausland addieren sich definitionsgemäß zu Null. In algebraischer Form stellt sich das wie folgt dar (zur Herleitung siehe zum Beispiel hier):

(S – I) + (T – G) + (M – X) = 0,

wobei S die private Ersparnis, I die privaten Investitionen, T die gesamten Nettosteuern (Steuern minus Transfer- und Zinszahlungen), G die staatlichen Konsum- und Investitionsausgaben, M die Importe und X die Exporte bezeichnen. (S – I) stellt den Finanzierungssaldo des inländischen Privatsektors (Haushalte und Unternehmen), (T – G) denjenigen des Staates und (M – X) den des Auslands dar. Der Finanzierungssaldo des Auslands (M – X) entspricht dabei dem Saldo der Leistungsbilanz, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Etwas präziser: Da hier aus Vereinfachungsgründen die Primär- und Sekundäreinkommen (Erwerbs- und Vermögenseinkommen und laufende Übertragungen) – beide sind quantitativ weniger bedeutende Teilbilanzen der Leistungsbilanz – unberücksichtigt bleiben, gilt: Finanzierungssaldo des Auslands = Außenbeitrag zum BIP = Saldo der Leistungsbilanz (die beiden letzteren mit umgekehrtem Vorzeichen).[1]

Neben dieser Vereinfachung ist zu beachten, dass der Begriff „Sparen“, der in der Volkswirtschaftslehre in unterschiedlicher Bedeutung benutzt wird[2], hier und im Folgenden stets in der Definition der (Netto-) Geldvermögensbildung, das heißt der Erzielung eines Einnahmenüberschusses, verwendet wird.

Saldenmechanik und Kausalaussagen

Um die Darstellung anschaulicher zu gestalten, soll zunächst der Fall einer geschlossenen Volkswirtschaft betrachtet werden, also eines Landes ohne Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland (M – X ist deshalb gleich Null). In einer solchen Volkswirtschaft kann der Staatshaushalt nur ausgeglichen sein (T = G), wenn die Ersparnisbildung des Privatsektors genau seiner Investitionstätigkeit entspricht (S = I).

Sollte der Staat versuchen, Budgetüberschüsse zu erwirtschaften, und gleichzeitig der Privatsektor insgesamt große Sparanstrengungen unternehmen, ohne in derselben Größenordnung zu investieren, geht die Rechnung nicht auf. Denn dann versuchen alle inländischen Wirtschaftsakteure zusammengenommen weniger auszugeben, als sie einnehmen. Da aber die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind, kann das aus logischen Gründen nicht funktionieren: Irgendwer erzielt in diesem kollektiven Kraftakt des Weniger-Ausgebens, also des Sparens, dann weniger Einnahmen, so dass doch wieder die Summe der (gesunkenen) Ausgaben genau der Summe der (dann ebenfalls gesunkenen) Einnahmen entspricht.

Was bedeutet das aber konkret? Einige Anbieter dürften als Folge der Sparbemühungen auf einem Teil ihrer Produktion sitzen bleiben. Rein technisch betrachtet taucht das in der obigen Gleichung als zusätzliche Investition auf, nämlich als (unfreiwillige) Aufstockung des Lagers. Damit geht die Rechnung dann doch wieder auf. Um es noch einmal zu betonen: Diese Aussage fußt auf keinen Verhaltensannahmen und Wirtschaftstheorien, sondern allein auf der Logik, dass in der Summe über alle Wirtschaftsakteure hinweg Ausgaben und Einnahmen immer exakt gleich hoch sein müssen.

Doch ist das das Ende vom Lied? In der Folgeperiode – und jetzt kommen wir zu einer Kausalaussage, der eine (simple und realistische) Modellvorstellung des Ablaufs einer Marktwirtschaft zugrunde liegt; ab hier verlässt man also die pure Saldenmechanik – wird die (unfreiwillige) Lageraufstockung aufgrund von Absatzproblemen (also aufgrund der Sparbemühungen) zu einer Dämpfung der Produktion führen. Denn die Hersteller sehen, dass sie „zu viel“ produziert haben im Vergleich zur Nachfrage auf den Gütermärkten. Auch die Sachinvestoren werden zurückhaltender, da mit den vorhandenen Kapazitäten offenbar mehr produziert werden kann, als nachgefragt wird. Das Ergebnis: Bei allseitigen Sparanstrengungen geht das BIP zurück.[3]

Keine schematische Anwendung

Hüten sollte man sich jedoch davor, die volkswirtschaftliche Saldenmechanik schematisch anzuwenden, etwa nach dem Motto: Wir gehen davon aus, dass sich der Finanzierungssaldo des Sektors A erhöht, nehmen gleichzeitig an, dass der Finanzierungssaldo des Sektors B – trotz aller Interdependenzen und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Sektoren – unverändert bleibt und schauen uns dann an, wie sich dies auf den Saldo des Sektors C auswirkt. Vor einer solchen Vorgehensweise haben verschiedene Autoren – mich eingeschlossen – des Öfteren gewarnt. Die Saldenmechanik darf nicht einfach ohne jede Begründung in einer bestimmten Weise kausal interpretiert werden.

Umso verwunderlicher ist es, dass mir Franz Helmreich genau eine solche Vorgehensweise vorwirft: ich sähe den Saldo des Staatssektors als ausschließlich „passives Resultat“, das sich automatisch aus den Salden der anderen Sektoren ergebe. Unter dieser Prämisse käme ich dann zu dem Ergebnis, dass jeder Versuch einer Verringerung des staatlichen Budgetdefizits zum Scheitern verurteilt sei, weil er „bei unverändert gegebenen Salden der anderen Sektoren notgedrungen wieder zu einem gleichhohen Budgetdefizit führen müsste.“ Helmreich leitet seine Kritik aus einem Absatz in meinem Beitrag ab, den er zitiert:

„In vielen Ländern (nämlich in denen, die keine Leistungsbilanzüberschüsse verzeichnen) läuft das neue Phänomen der Finanzierungsüberschüsse der Unternehmen zwingend darauf hinaus, dass bei einem positiven und steigenden Finanzierungssaldo des gesamten Privatsektors […] der Staat ein zunehmendes Finanzierungsdefizit verzeichnet. Deshalb ist es schlicht widersinnig, von diesen Ländern – wie dies in der EU geschehen ist und noch geschieht – das Anstreben ausgeglichener Staatshaushalte respektive die Einhaltung irgendwelcher nationaler Schuldenbremsen zu fordern.“

Dargestellt wird hier die Situation von Ländern mit einem Leistungsbilanzdefizit, die gleichzeitig einen positiven Finanzierungssaldo des Privatsektors aufweisen. Dies trifft vor allem in der Anfangszeit der Eurokrise auf die EU-Südländer Italien, Spanien, Griechenland und Portugal sowie Frankreich zu, die anders als Deutschland keine Leistungsbilanzüberschüsse, sondern – bei simultanen Finanzierungsüberschüssen des Privatsektors – teilweise beträchtliche Leistungsbilanzdefizite verzeichneten.[4]

Nur wer die Saldenmechanik nicht kennt oder nicht versteht (wovon man leider bei vielen Politikern ausgehen muss), kann nun annehmen, dass in einem Land ein positiver Finanzierungssaldo des Auslands (= ein Leistungsbilanzdefizit) und zugleich des inländischen Privatsektors mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt einhergehen kann. Eine solche Annahme verstößt gegen die saldenmechanische Logik.

Kann man ein ausgeglichenes Budget erzwingen?

Natürlich lässt sich jetzt argumentieren, dass der Staat – unter der genannten Konstellation – trotzdem den Versuch unternehmen könnte, mit Hilfe einer rigiden Sparpolitik ein ausgeglichenes Staatsbudget sozusagen „mit Gewalt“ durchzusetzen.

Was also geschieht, wenn die Regierung eines Landes mit hohen Leistungsbilanzdefiziten die Zusammenhänge zwischen den Finanzierungsüberschüssen und -defiziten der volkswirtschaftlichen Sektoren einfach ignoriert und versucht, ihr bisheriges Staatsdefizit in einen ausgeglichenen Staatshaushalt oder gar in einen Budgetüberschuss zu verwandeln – obwohl sie weiß oder zumindest vermutet, dass der Privatsektor insgesamt zur gleichen Zeit Einnahmenüberschüsse anstrebt?

Mit dieser Frage habe ich mich bereits mehrfach auseinandergesetzt (z.B. hier), möchte es aber noch einmal wiederholen: Um sein Ziel eines ausgeglichenen Haushalts zu erreichen, beginnt der Staat in diesem Fall, seine Ausgaben zu kürzen, während parallel der Privatsektor als Ganzes zu sparen, also weniger auszugeben als einzunehmen versucht.[5] Was ist das Ergebnis dieser Sparbemühungen?

Die Folge ist, dass die Wirtschaft zu schrumpfen beginnt: Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und mit ihr der Output, die Beschäftigung und das Volkseinkommen fallen. Das sinkende Einkommen verringert die Basis der Sparmöglichkeiten des Privatsektors und es verschlechtert über die automatischen Stabilisatoren auch wieder den staatlichen Finanzierungssaldo. Ob die ursprüngliche Ausgabenkürzung des Staates damit zu einer Verringerung des Staatsdefizits beziehungsweise zu einem ausgeglichenen Staatsbudget führt, ist also alles andere als sicher. Gleichzeitig verbessert sich die Leistungsbilanz, da die Importe des Landes zurückgehen. Dies liegt daran, dass die Importausgaben in der Regel steigen, wenn das inländische Einkommen wächst, und fallen, wenn das Einkommen abnimmt.

Hier verlassen wir bereits wieder die pure Saldenmechanik zugunsten einer Betrachtung, die kausale Elemente und damit eine Modellvorstellung beziehungsweise Verhaltensannahmen enthält: Die Importe werden als eine positive Funktion des Volkseinkommens angesehen: Wenn das Volkseinkommen sinkt (steigt), kaufen wir gleichzeitig weniger (mehr) im Inland produzierte Güter und weniger (mehr) importierte Güter. Was die geschilderten Anpassungsprozesse betrifft, so ändern sie natürlich nichts an der Gültigkeit der oben angeführten Gleichung – die stellt sich schließlich automatisch zu jedem Zeitpunkt ein. Was sich ändert, sind die Bruttogrößen, die hinter den Salden der drei Sektoren stehen, und bis zu einem gewissen Grad die Salden selbst.

Unsinnige Forderungen

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich halte die an ein Land mit hohen Leistungsbilanzdefiziten gerichtete Forderung, bei einem gleichzeitig bestehenden Finanzierungsüberschuss des Privatsektors einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu erzielen, in der Tat für abwegig. Dies aber nicht, weil ich – wie Helmreich meint – die Auffassung vertrete, dass der Saldo des Staatssektors „passiv“ aus den von mir als gegeben unterstellten Salden der anderen Sektoren resultiert. Und weil eben aufgrund dieser Gegebenheit der anderen Sektorensalden jeder Versuch, das Staatsdefizit zu verringern, zwingend in einem gleich hohen staatlichen Budgetdefizit wie zuvor enden muss.

Das wäre in der Tat genau die Art einer schematischen Interpretation der Saldenmechanik, wie ich sie gerade ablehne. Meine Kritik zielt auf etwas anderes:

Zum einen ist ein ausgeglichener Staatshaushalt unter der oben genannten Konstellation der Finanzierungssalden der beiden anderen Sektoren schlicht nicht möglich, da sich die Salden aller Sektoren immer zu Null addieren müssen. Es ist eben nicht (wie vielfach angenommen) für jedes Land – egal, ob es große Leistungsbilanzüberschüsse oder große Leistungsbilanzdefizite aufweist – in gleicher Weise machbar, ein ausgeglichenes Staatsbudget zu verzeichnen, sofern nur der „Sparwille“ stark genug ist. Werden zum anderen die saldenmechanischen Zusammenhänge ignoriert und versucht der Staat, im Fall hoher Finanzierungsüberschüsse sowohl des Privatsektors als auch des Auslands einen ausgeglichenen Haushalt durchzusetzen, ist es höchst zweifelhaft, ob er dieses Ziel auch nur annähernd erreichen wird.[6] Sicher ist jedoch, dass er mit einem solchen Vorgehen die gesamte Volkswirtschaft vor die Wand fährt, also eine schwere Rezession auslöst. Die Austeritätspolitik im Euroraum bietet hier vielfältiges Anschauungsmaterial. Und das kann kaum das Ziel einer rationalen Wirtschaftspolitik sein.

Die volkswirtschaftliche Saldenmechanik stellt – so lässt sich zusammenfassen – ein nützliches, ja unverzichtbares Instrument in der ökonomischen Analyse dar, dem aber auch klare Grenzen gesetzt sind. Sie zeigt den Ausgleich zwischen den Finanzierungssalden der volkswirtschaftlichen Sektoren auf, gibt aber keine Auskunft darüber, wie dieser Ausgleich zustande gekommen ist. Vor allem nicht, wie er sich im Zeitablauf zukünftig einstellen wird, wenn von einer Verhaltensänderung eines Sektors ausgegangen beziehungsweise diese gefordert wird. Saldenmechanik darf also niemals „schematisch“, also ohne weitere Begründung kausal interpretiert werden, sondern bedarf immer der Ergänzung durch eine adäquate Wirtschaftstheorie.


[1] Die Primär- und Sekundäreinkommen machen also die Differenz zwischen dem Leistungsbilanzsaldo aus der Zahlungsbilanz und dem Außenbeitrag aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aus. Diese spielt für den hier zu erklärenden Unterschied zwischen Saldenmechanik und Theorie keine Rolle.
[2] vgl. etwa Bofinger 2017, S. 292f oder Grass/Stützel 1983, S. 351.
[3] Alternativ wären theoretisch auch Preissenkungen seitens der Unternehmen möglich, die auf diese Weise ihren Absatz anzukurbeln versuchen. Preissenkungen reduzieren den Stückgewinn der Unternehmen. Je nachdem ob die Absatzmenge aufgrund der Preissenkung entsprechend zunimmt oder eben nicht, sinkt dann auch der Gesamtgewinn und mit ihm S. Auch eine Mischung aus beiden Strategien – Produktions- und Preissenkungen – ist denkbar. Es würde in diesem Beitrag zu weit führen, die weiteren Folgen für die Entwicklung des BIP zu schildern, da man nun anfangen müsste, zwischen nominalen und realen Größen zu unterscheiden, und weitere Verhaltensannahmen zu treffen wären. Das nominale BIP sinkt jedenfalls. Festzuhalten bleibt an dieser Stelle, dass in den Folgeperioden Anpassungsprozesse ablaufen, die von den Reaktionen der Akteure auf die anfänglichen Sparbemühungen ausgelöst werden und die in jeder Periode automatisch zu einem Ausgleich der Salden führen.
[4] So hatte sich in all den genannten Südländern und Frankreich im Jahr 2011 der Finanzierungssaldo des Unternehmenssektors und mit ihm derjenige des Privatsektors insgesamt gegenüber dem Jahr 2007 zum Teil deutlich erhöht (eine Erklärung bietet die Theorie der sog. „Bilanzrezession“, vgl. z.B. hier). Einem durchweg positiven Finanzierungssaldo des Privatsektors und zudem des Auslands (d.h. einem Leistungsbilanzdefizit) stand ein entsprechender negativer Saldo des Staates (d.h. ein Haushaltsdefizit) gegenüber. Um es an zwei Beispielen zu verdeutlichen: Spanien verbuchte 2011 ein Finanzierungsplus des Privatsektors von 72,3 Mrd. Euro und des Auslands von 30,9 Mrd. Euro; die Gegenposition übernahm der Staat mit einem negativen Saldo in Höhe von 103,2 Mrd. Euro (72,3 + 30,9 – 103,2 = 0). In Frankreich bildete im gleichen Jahr der Privatsektor Überschüsse in Höhe von 81,6 Mrd. Euro und das Ausland im Umfang von 24,5 Mrd. Euro, während der Staat ein Defizit von 106,1 Mrd. Euro verzeichnete (81,6 + 24,5 – 106,1 = 0). (Daten nach European Commission; 8.11.2018)
[5] Natürlich ist der private Sektor kein einheitlich handelnder Akteur, vielmehr vollzieht sich der Sparversuch über die Gesamtheit aller dezentralisierten Ausgabeentscheidungen der privaten Haushalte und Unternehmen.
[6] wenngleich sich der Finanzierungssaldo des Staates durchaus verändern kann.

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