Genial daneben | 25.03.2019 (editiert am 30.03.2019)

Plötzlich sollen Schulden gut sein!

Henryk Broder – unnachahmlich! In der WELT – ohne Konkurrenz! Dachte ich. Und nun das! Der Leitende Wirtschaftsredakteur Holger Zschäpitz schreibt ein Stück über „das Glück der ewigen Verschuldung“ – und es bleibt beim Lesen kein Auge trocken.

Die USA waren lange das gelobte Land für Wirtschaftsliberale. Am amerikanischen Wesen sollte auch der kranke deutsche Mann genesen.

„Get the government off our backs“ – fordert Ronald Reagan. Wie richtig und wichtig es war und ist, dieser Aufforderung Folge zu leisten, belegt nichts besser, als unser NEUES WIRTSCHAFTSWUNDER. Der kranke Mann Europas wurde zum ökonomischen Superstar. Ein gebrechliches Männlein, das große Mühe hatte, seinen kleinen Schubkarren eine winzig kleine Erhebung hinaufzuschieben, zur kraftstrotzenden Konjunkturlokomotive Europas.

Die spinnen die Amerikaner

Nun aber kommen Töne über den großen Teich, die Wirtschaftsliberale besorgt fragen lassen: Was ist bloß los im Land „of the free and the home of the brave“?

Sie wählten zur Überraschung aller einen Rüpel und Sexisten zu ihrem 45. Präsidenten. Als wirklicher Liberaler mag man ja noch geneigt sein, ein „Grab her by the Pussy“ durchgehen zu lassen. Denn Meinungsfreiheit und die Freiheit seinen sexuellen Vorlieben zu frönen, stehen ganz oben auf der Liste derjenigen, denen die individuelle Freiheit über alles geht. Ein amerikanischer Präsident aber, der den Freihandel beschränken will, führt bei Wirtschaftsliberalen zu Schnappatmung. Irgendwo hat auch die liberale Toleranz ihre Grenzen!

Mit der Toleranz ist es definitiv vorbei, wenn man uns den Gewinn der Exportweltmeisterschaft madig reden will. Sollen die Amerikaner doch erst einmal anständige Autos bauen, bevor sie uns unfairer Handelspraktiken beschuldigen. Und vor allem, wo bleibt hier der Respekt vor der Freiheit? Sind doch unsere Außenhandelsüberschüsse nur das Ergebnis ungezählter freier individueller Willensentscheidungen. Oder haben wir etwa den Amerikanern die Pistole auf die Brust gesetzt und sie gezwungen, statt eines Cadillacs einen Mercedes zu kaufen?

Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Die Hoffnung, die die Wirtschaftsliberalen bislang vor der Verzweiflung bewahrte, war, dass dieser Verächter der Freiheit spätestens bei der nächsten Präsidentschaftswahl abgewählt würde. Ihr amerikanischer Traum war, dass die Amerikaner  zu ihrem 46. Präsidenten eine liberale Lichtgestalt, wie es etwa die Mutter der Wallstreet, küren.

Erschreckt vernahm man daher die Kunde aus den Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dass selbst ausgewiesene Gegner Trumps wirres und politisch gefährliches Zeug von sich geben.Bei alten weißen Männern konnte man noch auf eine biologische Lösung des Problems oder doch wenigstens eine Anti-Rassismuskampagne hoffen. Aber nun kommt der Angriff auf die Freiheit, die die Liberalen meinen, von einer recht jungen Frau puerto-ricanischer Abstammung.

Nämlich von dem neuen Superstar der Demokraten: der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez (AOC). Diese Frau hat den Liberalen das Blut in den Adern gefrieren lassen. Denn sie hat etwas eigentlich UNAUSSPRECHLICHES ausgesprochen: Ein HÖHERES STAATSDEFIZIT wäre KEINE KATASTROPHE!

Man stelle sich das vor! Die Amerikaner haben inzwischen einen Schuldenberg von über 100% des BIP aufgetürmt und verletzen damit alle vernünftigen Schuldenobergrenzen der Europäischen Union. Ist denn die Frau von allen guten Geistern verlassen?

Sicher, die Demokratin ist jung. Sie will eigentlich auch nur das Gute, das sowieso jeder will: Nämlich nichts weniger als das Weltklima retten. Das will selbstverständlich auch der Wirtschaftsliberale. Freilich nur dann, wenn es auch der Markt will. Deshalb ist schon schlimm genug, dass die junge Dame einen „New Green Deal“ vorschlägt. Obwohl im Land des freien Unternehmertums geboren, will sie also tatsächlich den Staat mit dieser Weltrettungsmission betrauen.

Das wäre schon schlimm genug. Aber es bliebe doch immer noch ein Funken Hoffnung. Ein Funken, der in Deutschland den Status des Ewigen Lichts hat und FINANZIERUNGSVORBEHALT genannt wird. Aber nun das: „Plötzlich sollen Schulden gut sein“, fasst HolgerZschäpitz schon in der Überschrift seines Artikels die Schreckensbotschaft von AOC und ihren Anhängern kurz und knapp zusammen.

Offensichtlich ist man auf einen Fall extremer geistiger Verwirrung gestoßen.Was aber ist die Ursache dieser gefährliche Krankheit?

Verheißungen missionarischer Eiferer

Schuld daran ist zunächst einmal – so erfahren wir in einer für die online-Ausgabe der Welt modifizierten und etwas längeren Version des obigen Artikels – eine neue Geldtheorie:

„Gelddrucken der Notenbanken und Schuldenmachen der Staaten sind in dieser schönen neuen Welt keine Gefahr mehr, sondern vielmehr Verheißung. Die neue Formel, die beides verbindet, lautet MMT. Das steht für Modern Monetary Theory.“

Holger Zschäpitz ist Leitender Wirtschaftsredakteur und hat neben Journalismus auch Volkswirtschaftslehre studiert. Er weiß daher, dass es aufgrund der Knappheit unabdingbar ist, rationale Entscheidungen über Handlungsalternativen zu treffen. Nun ist auch Zeit ein knappes Gut, denn leider müssen wir alle sterben.

Seine inhaltlichen Ausführungen zur MMT belegen, dass ihm, vor die Wahl gestellt, (1) die MMT Literatur zu lesen oder (2) es eben bleiben zu lassen, (2) einen weitaus größeren Nutzen versprach als (1). Warum aber sollte jemand, der zwar keine Ahnung über die MMT hat, nicht trotzdem seine Meinung zu dieser Theorie kundtun dürfen? Warum sollten einem Leitenden Wirtschaftsredakteur nicht Recht sein, was einem amerikanischen Notenbankpräsidenten billig ist?

Zudem hatte er sich zusammen mit Professor Dr. Kai A. Konrad bereits in einem Buch mit dem Bielefelder Historikers Werner Abelshauser kritisch auseinandergesetzt, der ganz im Einklang mit der MMT behauptet hatte:

„Was ein richtiger Staat ist, geht nicht Pleite.“

Stimmt das, hatte er mit seinem Professorenkollegen schon im Titel seines Buches gefragt: Gibt es „SCHULDEN OHNE SÜHNE“?  Gibt es, anders gefragt, nur einen vernünftigen Grund, den „Verheißungen“ der MMT vom „Glück der ewigen Schulden“ Glauben zu schenken?

Wer das glaubt und zudem noch Hauseigentümer ist, der wird sein blaues Wunder erleben:

„Hauseigentümer könnten in dieser Krise der Staatsfinanzen zu einem beliebten Ziel des Finanzministers werden. Im Ernstfall (als ‚Staatsnotstand‘ bezeichnet) würden Zusatzsteuern bzw. Zwangshypotheken erhoben, lassen sich die Besitzer von Immobilien doch leicht im Grundbuch ausfindig machen.“

Es gibt also – kurz gesagt – keinen Grund das MMT-Zeug zu lesen. Er hat die MMT mit seiner ökonomischen Forschung längst widerlegt und kann sie daher mit Fug und Recht als teuflische Verführer der amerikanischen Jugend kasteien.

Darüber hinaus laufen auch „viele anerkannte Ökonomen und Wirtschaftslenker […] Sturm gegen die Theorie. […] Selbst linke Ökonomen wie Paul Krugman oder Larry Summers keilen gegen fatale Folgen von MMT.“

Ergo: Wenn all diese ökonomischen Koryphäen zu dem Schluss gekommen sind, dass es sich bei der MMT um „Unsinn und Quacksalberei“ handelt, dann MUSS das so sein.

Probleme der MMT-Kritiker

An dieser Stelle ergeben sich zwei Probleme:

(1) Das erste Problem – von dem er freilich nichts weiß – ist, dass die vernichtenden Urteile über die MMT teilweise auf reinem Hören-Sagen beruhen. Ich hatte schon in meinem Kommentar zu einem Artikel Norbert Häring darauf hingewiesen, dass sich Fratzscher bei seinem vernichtenden Urteil („Unsinn“) auf seinen Kollegen Rogoff verlassen hatte und der wiederum verließ sich auf eine Aussage des Notenbankpräsidenten Powell, der wiederum zugestanden hatte, „dass er noch nichts gelesen habe, was diese Theorie genauer erklärt“.

Einer unser Leser fragte, ob aber nicht doch Paul Krugman eine fundierte Kritik der MMT geliefert habe. Krugman hat, das ist zu konzedieren, mit einer Erklärung aufgewartet, warum er eine Auseinandersetzung mit der auf Basis ihrer Arbeiten einfach unmöglich ist:

„Unfortunately, that’s a very hard argument to have – modern MMTers are messianic in their claims to have proved even conventional Keynesianism wrong, tend to be unclear about what exactly their differences with conventional views are, and also have a strong habit of dismissing out of hand any attempt to make sense of what they’re saying.”

Es ist also sehr schwer, für Normalsterbliche völlig unmöglich, den Sinn der Aussagen der MMT-Vertreter zu decodieren. Paul Krugman aber ist Ökonomie-Nobelpreisträger. Er konnte deshalb erkennen, dass die Substanz der Konvolute der MMT sich auf den Inhalt der Arbeiten Abba Lerners reduzieren lassen. Er kritisiert daher in seiner New York Times Kolumne Lerner und behauptete gleichzeitig die MMT kritisiert zu haben.

Stepanie Kelton hat zurecht darauf hingewiesen, dass während es zweifelsohne richtig ist, Abba Lerner als einen Vorläufer der MMT zu erachten, es keineswegs zulässig ist, die MMT darauf zu reduzieren. In diesem Zusammenhang könnte man darauf hinweisen, dass auch Lerner die konventionelle Sicht über die drei unterschiedlichen Arten der Staatsfinanzierung teilt, die die MMT explizit ablehnt (siehe dazu die Ausführungen in meinen Häring-Kommentar). Selbst wenn also Krugmans Kritik an Lerner korrekt wäre, würde seine Kritik keineswegs automatisch die MMT treffen.

In ihrem Artikel weist Kelton mit Argumenten – die klarer kaum formuliert werden können – nach, dass Krugmans Kritik noch nicht einmal gegenüber Lerner aufrecht zu erhalten ist. Seine Kritik beruht nämlich auf der Annahme der Richtigkeit der sogenannten „loanable funds Theorie“. Diese wurde von Lerner aber schon als falsch abgelehnt und von der MMT als nachweislich falsch erwiesen. Sicher, wäre diese Theorie korrekt, könnte man weiter guten Gewissens mit Krugman ISLM-Grafiken malen. Und dann könnte man Lerner und die MMT wie er dafür kritisieren, den Trade-off zwischen Fiskal-und Geldpolitik nicht ausreichend Beachtung geschenkt zu haben. Womit wir beim zweiten Problem angelangt wäre.

(2) Nach der Theorie, die Krugman vertritt, ist zu erwarten, dass stark ansteigende Staatsschuldenquoten sowohl zu einem Zinsanstieg als auch zu einem Anstieg der Inflationsrate führen.  Krugman mag zwar links sein, aber in dieser Hinsicht ist er sich mit seinen rechten Kollegen einig. Wer diese Theorie teilt, wird auf eine Anomalie oder, wie Zschäpitz schreibt, einen „PARADOXEN ZUSTAND“ stoßen. Der Zustand hat einen Namen: JAPAN.

Paradox ist laut Zschäpitz, dass „die japanische Schuldenquote auf 230 Prozent emporgeschnellt ist“ aber dennoch, „das Schatzamt in Tokio für zehnjährige Anleihen nicht nur keine Zinsen bezahlen“ muss, sondern „.sogar Geld von den Investoren erhält, wenn es sich für zehn Jahre verschuldet“.

Schulden also ohne Sühne? Oder noch schlimmer – Schulden sogar mit Lust und Wonne? Ist das Hardboiled Wonderland Huraki Murakmis nicht Fiktion, sondern Wirklichkeit?

Ich jedenfalls konnte bei seiner Schilderung des Paradoxen Zustands nachempfinden, was der Protagonist des Romans in einem Aufzug in Wonderland gefühlt haben muss. Alles was Zschäpitz vortrug, mutete so surrealistisch an, dass auch ich „jedes Richtungsgefühl verlor“. War es „abwärts gegangen, oder hatte er sich überhaupt nicht bewegt? Möglicherweise war er auch zwölf Stockwerke auf- und drei abwärts gefahren oder hatte einmal die Erde umrundet. Ich wusste es nicht.“

Creepy stuff also. Nun dachte ich zwar bislang, dass „paradox“ nur Aussagen sein können. Scheinbar aber gibt es auch Realitäten, die „einen [scheinbar] unauflöslichen Widerspruch in sich enthalten“.

Da ist man richtig gespannt zu erfahren, ob in Japan möglicherweise Naturgesetze außer Kraft gesetzt wurden oder wie sich der Widerspruch als bloßer Schein entlarven lässt. Gesetze, so beruhigt uns Zschäpitz schon mal, wurden nicht außer Kraft gesetzt. Vor allem gelten weiterhin „eherne ökonomische Gesetze“: Die – da ist er sich ziemlich sicher – werden das Paradox in Japan auf kurz oder lang aufheben:

„Japan ist der Testfall. […] Hier könnte es irgendwann zum Knall kommen, wenn das Vertrauen in die Allmacht der Währungshüter plötzlich kippt.“

Was aber, wenn nicht? Was, wenn die Japaner entgegen allen Denkvorschriften seiner Ökonomik, immer weiter an die Allmacht der Währungshüter glauben? Bleiben wir dann für immer in Hardboiled Wonderland gefangen? Und muss sich vielleicht dort der Hausbesitzer keine Sorgen mehr vor staatlichen Enteignungen machen? Und wäre das dann wirklich so schlimm?

Von der Ökonomik zur Psychologie und zurück

Zschäpitz versteht, dass unsere Gegenwart mit den Mitteln der Ökonomik allein nicht mehr zu erklären ist. Ein einfühlsamer Psychologe ist gefragt. Dass er sich auch zu dieser Profession berufen fühlt, macht er gleich zu Anfang seines Artikels klar:

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“

Das Bewusstsein manifestiert sich in Aussagen wie der von AOC, „dass ein höheres Staatsdefizit keine Katastrophe wäre“. Das Sein, das dieses Bewußtsein verursacht hat, sind „Erfahrungen mit dem Gelddrucken der Notenbanken in der vergangenen Dekade“. Wie die steigenden Staatschuldenquoten zeigen, ist Geld gedruckt worden wie verrückt, aber weder wurde von leidvollen Erfahrungen mit einer galoppierenden Inflation noch steigenden Zinsen berichtet.

So betrachtet scheint mit dem Bewusstsein von AOC alles zum Besten bestellt. Sie zieht aus ihren Erfahrungen einfach die richtigen Schlüsse.

Zschäpitz gesteht zu, dass es durchaus Tatsachen gibt, die eine solche These zu bestätigen scheinen. So würde noch nicht einmal Trumps „Haushaltsdirektor Mike Mulvaney etwas gegen das Schuldenmachen“ sagen“. Darüber hinaus würden nicht nur sich als Ökonomen ausgebende linke Spinner dem „Glück der ewigen Verschuldung“ das Wort reden:

„Führender Vertreter der neuen Schulden-sind-nicht-schlimm-Bewegung ist ausgerechnet der ehemalige Chefvolkswirt des IWF, Olivier Blanchard.“

Kein Anlass für Zschäpitz ins Grübeln zu geraten. Falsches Bewusstsein, wohin man auch schaut:

„Viele Börsenakteure oder junge Ökonomen haben ein ehernes monetäres Gesetz verdrängt. Nämlich die eigentlich in Stein gemeißelte Tatsache, dass wer die Welt mit Geld flutet, früher oder später Inflation erntet.“

O.K., der Knall wird kommen, wie im Himmel so auch auf Erden. Aber gibt es nicht eine Alternative zum Knall? Und wenn ja, warum sieht man sie dann nicht? Zschäpitz hat auch auf solch schwierige Fragen bereits früher eine Antwort gefunden:

„In Deutschland hat [das] Misstrauen gegenüber Reichen fast Tradition, aber auch andernorts trägt es Früchte […]. Dabei fällt bei dem Blick auf die Reichen ein ganz wichtiger Punkt unter den Tisch: Wir alle profitieren permanent von der Innovationskraft, die vielen Vermögenden eigen ist und die sie erst zu Vermögenden gemacht hat.“(hier)

Nun hat sicherlich, wer vermögend ist, gespart. SPAREN ist also eine gute Sache. An dieser Stelle könnte Zschäpitz zur Bestätigung seiner These wiederum auf einen linken Ökonomen verweisen. Der Nobelpreisträger Krugman hat nämlich bestätigt, was wir allerdings in Deutschland schon lange wissen:

„The reason America runs persistent trade deficits isn’t that we’ve given away too much in trade deals, it’s that we have low savings compared with other countries.“

Für diese Einsicht braucht es keinerlei Kenntnisse über eherne ökonomische Gesetze, sondern nur ein Verständnis der Saldenmechanik, versichert uns Krugman.

Gerade aber wenn man über saldenmechanische Zusammenhänge nachdenkt, stößt man wiederum sofort auf „Paradoxe Zustände“. Denn in einer Geldwirtschaft setzen alle Einnahmen entsprechend hohe Ausgaben voraus. Spart aber jemand, dann hat er mehr eingenommen, als er ausgegeben hat. Daraus aber folgt logisch zwingend, dass mindestens einer mehr ausgegeben hat, als er eingenommen hat.

Wer mehr ausgegeben hat, als er eingenommen hat, aber muss sich VERSCHULDEN. D.h. aber nichts Anderes, als dass Vermögende darauf angewiesen sind, dass sich andere verschuldet haben. Die Frage ist nur noch, wer sich denn nun verschulden soll, damit es Reiche überhaupt geben kann.

Nun wird auch Zschäpitz nicht verlangen, dass sich die Armen verschulden, damit es Reiche geben kann. Sollte vielleicht nicht sogar jeder zumindest versuchen, reicher zu werden, also zu sparen?

Nehmen wir an, jeder im Privatsektor habe wie Zschäpitz erkannt, dass es das „Glück der ewigen Verschuldung“ in der wirklichen Welt nicht gibt. Alle wollen daher genau das Gegenteil tun, eben Sparen. Woher aber kommt dann der Schuldner?

Nun dürfte Zschäpitz Krugmans Forderung an seine Landsleute, mehr zu sparen, ohne Vorbehalte zustimmen. Sagen wir alle Ausländer hören auf deren Rat und hören daher alle auch auf, sich zu verschulden. Wo sollen dann die Reichen ihren Schuldner herbekommen?

Darauf kann es nur eine Antwort geben, die nicht gegen die Logik verstößt: Der Staat muss sich verschulden, wenn der Privatsektor reich werden will. Wer dann aber im Angesicht der horrenden Staatsschulden wie Konrad und Zschäpitz rät, aus den „Schulden herauszuwachsen“, der verlangt Reiche ärmer zu machen. Er will sie enteignen! Damit wären wir beim nächsten Paradoxen Zustand angelangt. Dieses mal einem Geisteszustand. Man schreibt ein ganzes Buch, das vor der Angst vor staatlicher Enteignung motiviert wurde und propagiert dann Maßnahmen, die notwendig zur Enteignung führen müssen.

Welcome in Hardboiled Wonderland!  Und Zeit, melancholisch zu resignieren:

„Vielleicht kannst du hier nicht sterben, aber du wirst auch nicht leben […]. Es gibt kein ‚Warum’ in einer Welt, die in sich perfekt ist. […] Du wirst für alle Ewigkeit hier gefangen bleiben.“

 

 

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