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Theorie | 08.03.2019 (editiert am 15.03.2019)

Zur Kritik der Frametheorie

Sprache ist mehr als nur Mittel zum Zweck. Sie wird in konkreten sozialen Kontexten erlebt, ist Gestaltungs- und Beeinflussungsmittel. Wer leugnet, dass Sprache Bilder auslöst, spricht Medien indirekt von der Verantwortung ihrer Berichterstattung frei.

Am Anfang war das Wort. So zumindest steht es im Johannes-Evangelium. Die Frametheorie sagt, das Gegenteil ist der Fall: Vor dem Wort muss es bereits etwas anderes gegeben haben. Denn die Bedeutung eines Wortes lässt sich nur erfassen, wenn man über das entsprechende Weltwissen verfügt. Entscheidend ist dabei die Annahme, dass dieses Weltwissen in sogenannten Frames – also Wissensrahmen – organisiert ist, die sich auf der Grundlage von Erfahrungen gebildet haben.

Inzwischen gilt die Frametheorie als fundiert, nicht zuletzt weil sie auf neurobiologischen Erkenntnissen beruht, für die es in den letzten Jahrzehnten ausreichend empirische Nachweise gibt – vor allem durch die Möglichkeit, Hirnscans durchzuführen und so einen Blick in neurologische Reaktionsmuster zu bekommen.

Das menschliche Gehirn verarbeitet die Realitäten – die als solche nicht zu leugnen sind – als idealisierte Abstraktionen und nicht eins zu eins. Das wurde bereits in den 1930er Jahren von Gedächtnistheoretikern festgestellt. Heute, ob der verbesserten technischen Untersuchungsmöglichkeiten in den Kognitionswissenschaften, wird dies nicht mehr ernsthaft bestritten. [...]

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