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Konjunktur | 16.04.2019 (editiert am 18.04.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätwinter 2019 – 2

Die europäische Industrieproduktion lief im Februar besser als erwartet, ohne neue Impulse wird sich die Schwächephase der europäischen Konjunktur allerdings fortsetzen.

Die Industrieproduktion in Europa ist im Februar besser gelaufen, als man es anhand der konjunkturellen Frühindikatoren erwarten konnte. Für den Euroraum insgesamt ist die Produktion zwar leicht gesunken, damit aber immerhin auf dem relativ hohen Niveau vom Januar geblieben (Abbildung 1). Frankreich und Italien erlebten erneut einen leichten Anstieg, was dort zumindest die akuten Ängste vor einer Rezession dämpfen würde. Seit dem Beginn der europäischen Abwärtsbewegung hat Deutschland unter den großen Ländern am meisten verloren.

Abbildung 1

Die EWU insgesamt ohne Deutschland hat im Januar und Februar zusammen, getrieben von Frankreich und Italien, in etwas das Niveau von vor dem Jahresende gehalten. Das gilt auch für Großbritannien, wo es zuletzt sogar leicht nach oben ging (Abbildung 2).

Abbildung 2

In Südeuropa erlebte zuletzt Griechenland einen Rückschlag, nachdem es dort doch für einige Monate nach einem durchgreifenden Aufschwung ausgesehen hatte (Abbildung 3). Spanien und Portugal können das Niveau vom zweiten Halbjahr des Vorjahres nicht halten, hier geht es, vor allem in Portugal, doch recht klar abwärts.

Abbildung 3

In den kleineren nördlichen Ländern ist die Entwicklung gemischt (Abbildung 4). Während sich Belgien und die Niederlande nicht von der Stelle bewegen, geht es industriell in Österreich doch wieder leicht nach oben.

Abbildung 4

In Skandinavien ist überwiegend Stagnation zu verzeichnen (Abbildung 5). Schweden und Finnland bewegen sich kaum, Dänemark schwankt enorm und in Norwegen sinkt die Industrieproduktion klar. Von diesen Ländern hat nur Dänemark in diesem Aufschwung sein Niveau von 2011 klar überbieten können.

Abbildung 5

Auch im Baltikum gibt es nicht mehr als Stagnation auf dem im vergangenen Jahr erreichten Niveau (Abbildung 6). Insbesondere Lettland verharrt jetzt schon zwei Jahre auf dem Niveau, das es Anfang 2017 erreicht hatte.

Abbildung 6

In einigen anderen mittel- und osteuropäischen Ländern ist, außer in Tschechien, die Aufwärtsbewegung doch wieder intakt, nachdem es zwischenzeitlich auch dort nach Stagnation ausgesehen hatte. Insbesondere Slowenien, wo der stärkste Aufschwung zu verzeichnen gewesen war, scheint wieder in Tritt zu kommen. Auch in Polen, der Slowakei und Ungarn ist die Industrieproduktion ein Treiber des Wachstums (Abbildung 7).

Abbildung 7

Dagegen sieht es in Rumänien, Bulgarien und Kroatien weiterhin nicht nach einer konjunkturellen Belebung aus (Abbildung 8). Kroatien verzeichnet große Schwankungen, aber keinen stabilen Aufwärtstrend und Bulgarien hatte zwar zuletzt einige positive Zahlen, aber es ist unwahrscheinlich, dass sich daraus gerade jetzt, in einer allgemein schwachen Phase, eine wirkliche Belebung entwickelt. In diesen Ländern, wir haben oft darauf hingewiesen, ist die industrielle Basis aber oft sehr klein und das Land ist angewiesen auf westliche Firmen, die dort produzieren. Daraus ergeben sich oft Schwankungen, die gesamtwirtschaftlich kaum zu interpretieren sind.

Abbildung 8

Lesen sie im nächsten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum die europäische Wirtschaftspolitik vollkommen versagt.

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