istock.com/Rawlinson_Photography
Genial daneben | 05.04.2019

Ein Beirat, der vorbei rät

Ein Beirat, der vorbei rät, ist ja nichts Neues in der deutschen Beratungsszene. Dass man aber inmitten einer großen Verwirrung die Lösung findet, ohne es wirklich zu merken, das ist schon außergewöhnlich.

Der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsminister ist ein ehrwürdiges Gremium mit ehrwürdigen (und einigen auch schon etwas älteren) Mitgliedern. Bisher ist der Beirat nicht aufgefallen durch revolutionäre Äußerungen in Sachen wirtschaftlicher Analyse und wirtschaftspolitischer Beratung. Nun aber hat er sich des Themas angenommen, das nicht nur hoch aktuell, sondern auch politisch sehr brisant ist: Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse.

Natürlich kommt am Ende heraus, was der Minister erwartet, den man berät. Aber die Art und Weise, wie der Beirat zu seinem Urteil kommt, ist interessant. Sie zeigt, wie sich die herrschende Ökonomik in Deutschland in Widersprüche verwickelt, weil sie systematisch verkennt und missinterpretiert, was eigentlich seit fast hundert Jahren bekannt sein sollte.

Ein Transferproblem!

Nach vielem Hin und Her und einigen äußerst fragwürdigen Analyseschritten (das Gutachten kann man hier in Gänze nachlesen) macht der Beirat ganz zum Schluss des Gutachtens plötzlich einen geistigen Sprung und hat – aus dem Stand sozusagen – die Lösung zumindest des europäischen Problems gefunden. Er schreibt:

Mit der südeuropäischen Schuldenkrise ist das Transferproblem wiedergekehrt.

[...]

Nichts schreibt sich von allein!

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

MAKROSKOP ist das Magazin einer Neuen Monetären Ökonomik und damit in Deutschland einzigartig. MAKROSKOP steht für das große Ganze. Wir haben einen Blick auf Geld, Wirtschaft und Politik, den Sie so woanders nicht finden.

Dabei leben wir von unseren Autoren – Quer- und Weitdenkern –, ihren Recherchen, ihrem Wissen und ihrem Enthusiasmus. Gemeinsam scheren wir aus den schmaler werdenden Leitplanken des Sag- und Denkbaren aus. Wir verlassen die journalistische Filterblase, in der sich viele eingerichtet haben. Wir öffnen Fenster und bringen frische Luft in die engen und verstaubten Debattenräume. Das verschafft uns nicht nur Freunde.

Wenn Sie uns gerade deswegen unterstützen möchten, dann folgen Sie einfach dem Button.

Anmelden