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Konjunktur | 09.05.2019 (editiert am 14.05.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühjahr 2019 – 1

Die deutsche Konjunktur bewegt sich weiter in rasantem Tempo abwärts. Wer jetzt nicht begreift, was die Stunde geschlagen hat, wird ein böses Erwachen erleben.

Der Auftragseingang beim verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im März zwar insgesamt leicht gestiegen, nach dem massiven Einbruch im Februar ist das aber kein Zeichen von Entspannung, zumal es Anzeichen dafür gibt, dass es sich hier um einen Sondereffekt handelt (Abbildung 1).

Abbildung 1

Maßgeblich für den leichten Anstieg war der Auftragseingang aus dem Ausland (Abbildung 2). Die Nachfrage der Unternehmen und Haushalte aus dem Inland ist dagegen noch einmal deutlich eingebrochen. Nunmehr ist der gesamte Aufschwung seit Beginn des Jahres 2017 zunichte gemacht. Besonders drastisch eingebrochen ist die Nachfrage bei den Investitionsgüterherstellern aus dem Inland (hier nicht gezeigt), wo das Niveau inzwischen deutlich unter dem schwachen Niveau der Jahre 2015 und 2016 liegt. Zweieinhalb Jahre einer leichten Belebung sind in diesem für die Volkswirtschaft wichtigsten Bereich in nur sechs Monaten verschwunden. Die Investitionsnachfrage der deutschen Unternehmen ist der wichtigste Indikator für die gesamtwirtschaftliche Investitionstätigkeit.

Abbildung 2

Bei der Auslandsnachfrage war es der Euro-Raum, aus dem es einen großen Schub an zusätzlichen Aufträgen gegeben hat (Abbildung 3). Da es auch hier vorher eine klare Abwärtsbewegung gegeben hat, muss man vermuten, dass es sich um einen Sondereffekt handelt, der bald wieder korrigiert wird. In der Tat räumt sogar der Bundeswirtschaftsminister ein, dass der insgesamt leichte Anstieg im März nur auf Großaufträge (vermutlich aus dem Euroraum) zurück zu führen ist (hier). Bereinigt um Großaufträge sind die Aufträge insgesamt um 1,9 Prozent gesunken – und das nach dem schweren Einbruch im Februar. Bei der Nachfrage aus dem Rest der Welt gab es im März nur eine kleine Verbesserung, auch hier trotz des gewaltigen Einbruchs im Februar.

Abbildung 3

Mit dieser Entwicklung hat die Nachfrage in der Industrie in Richtung Abschwung den ifo-Index nahezu eingeholt (Abbildung 4). Nähme man den Sonderfaktor „Großaufträge“ heraus, wäre der Zusammenhang noch deutlicher zu erkennen.

Abbildung 4

Bei den einzelnen Bereichen ist jetzt der Maschinenbau stark betroffen, der sich bisher noch einigermaßen gehalten hatte (Abbildung 5). Aber auch der Fahrzeugbau muss erneut einen deutlichen Rückschlag hinnehmen. Es zeigt sich jetzt, das all das Gerede von Sonderfaktoren im zweiten Halbjahr 2018 (Niedrigwasser im Rhein, verzögerte Zulassung von Automobilen), die von den Instituten und den Sachverständigen immer wieder zur Erklärung der Konjunkturschwäche herangezogen worden sind, jeder Grundlage entbehrt. Nur Makroskop hat von Beginn der Abschwächung an, also seit Beginn des vergangenen Jahres, ein realistisches Bild der Lage gezeichnet.

Abbildung 5

Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im März noch einmal leicht gestiegen. Das Niveau der Produktion in der Bauwirtschaft blieb hoch und das verarbeitende Gewerbe produzierte trotz der sinkenden Nachfrage etwas mehr (Abbildung 6). Doch das Niveau der Produktion wird sich in den kommenden Monaten nach unten anpassen, wenn die Unternehmen die Auftragsbestände abgearbeitet haben. Dann wird die industrielle Rezession auch am Arbeitsmarkt stärker spürbar werden. Schon im April ist jedoch die Unterbeschäftigung angestiegen und die Zahl der offenen Stellen stagnierte.

Abbildung 6

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