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Konjunktur | 15.05.2019 (editiert am 21.05.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühjahr 2019 – 2

Die europäische Industriekonjunktur steht zu Anfang dieses Jahres still, auch wenn immer noch Wachstum beim BIP berechnet wird. Die schwache Industriekonjunktur wird jedoch unweigerlich auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen.

Das Europäische Amt für Statistik (Eurostat) hat schon vor einigen Tagen in einer „Schnellschätzung“ bekannt gegeben, dass im ersten Quartal dieses Jahres das BIP im Euroraum um 0,4 Prozent gestiegen ist. „Berechnet“ wird das auf der Basis der Daten einiger Länder, unter denen aber nicht Deutschland ist, wo die BIP-Schätzergebnisse für das erste Quartal erst heute vorgelegt werden. Solche schnellen Berechnungen sind, wie wir einige Male (unter anderem hier und hier) gezeigt haben, mehr als problematisch.

Wir bleiben folglich aus guten Gründen zur Beschreibung der konjunkturellen Entwicklung bei den Indikatoren, die, wie die Industrieproduktion, eine wesentlich bessere statische Basis haben.

In der EWU ist die Industrieproduktion im März leicht gesunken, womit sich die schwache konjunkturelle Entwicklung erneut bestätigt. Zwar hat es, wie Abbildung 1 zeigt, im ersten Quartal eine leichte Erholung gegenüber den Vormonaten gegeben, aber das ändert nichts an der Abschwungsbewegung, die schon seit Ende 2017 im Gang ist. Italien und Frankreich haben im März wieder an Boden verloren, den sie in den Vormonaten schon gewonnen haben schienen.

Abbildung 1

Erstaunlicherweise hat die Aufregung um den Brexit der britischen Industrie nichts anhaben können. Wie Abbildung 2 zeigt, lief es dort in den vergangenen beiden Monaten sogar besser als im Euroraum ohne Deutschland.

Abbildung 2

Klar abwärts geht es in Südeuropa, wo insbesondere Portugal und Spanien in den europäischen Sog geraten sind (Abbildung 3). Spanien hat gleichwohl wieder ein Wachstum des BIP von 0,7 gegenüber dem Vorquartal gemeldet. Mittlerweile scheint Griechenland seine zeitweise etwas bessere Position nicht halten zu können.

Abbildung 3

In Österreich geht es weiter bergauf. Trotz der europäischen Schwäche kann sich das Land erstaunlich gut halten, auch im März stieg die Industrieproduktion (Abbildung 4). Belgien und die Niederlande kommen nicht über eine Stagnation hinaus.

Abbildung 4

In Nordeuropa ist die rezessive Entwicklung deutlicher zu spüren (Abbildung 5). Bis auf Dänemark herrscht Stagnation vor und in Norwegen geht es deutlich abwärts.

Abbildung 5

Ähnliches gilt für das Baltikum. Auch hier verläuft die Industrieproduktion unter erheblichen Schwankungen seitwärts (Abbildung 6). Ein Land wie Lettland, das dringend Impulse bräuchte, kommt schon seit 2017 nicht von der Stelle.

Abbildung 6

Besser läuft es immer noch in Polen, Ungarn, Slowenien und der Slowakei (Abbildung 7). Alle vier Länder schaffen es, sich vom europäischen Trend abzukoppeln und weiter zu wachsen. Der Grund können in so kleinen Ländern natürlich auch Sonderfaktoren sein, wie etwa die Existenz von Industriebereichen, die weniger stark vom globalen Nachfragerückgang betroffen sind. Diese Länder profitieren teilweise auch immer noch von Verlagerung von Produktion von Ost nach West.

Abbildung 7

Das sollte eigentlich auch für Kroatien, Bulgarien und Rumänien gelten, wo aber vergleichbare Entwicklungen nicht zu beobachten sind (Abbildung 8). In Bulgarien und Kroatien lief es zuletzt etwas besser, ob daraus eine Besserung abzuleiten ist, wird noch abzuwarten sein.

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum Europa offensichtlich unfähig ist, auf die Abschwächung zu reagieren.

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