Kommentar | 24.05.2019

H.-C. Strache und seine Österreicher

Wer sich mit rechten Neonationalen ins Bett legt, wacht mit einem Ibiza-Kater auf. Das wäre die Lektion, die europaweit verstanden werden sollte. Doch gilt das auch für Österreich?

Anm. der Redaktion: Die „Spiegel“-Redaktion gab bei ihrem langjährigen Redakteur und ehemaligen Österreich-Korrespondenten Hans-Peter Martin den nachfolgenden Text in Auftrag. Zwei maßgebliche Redakteure hielten ihn jeweils für „sehr gut“. Dann erschien er doch nicht. Warum? Bilden Sie sich selbst ein Urteil.

Der gelernte Zahntechniker Heinz-Christian Strache ist in all seiner machistischen Skrupellosigkeit, seiner Geltungssucht und in seinem Größenwahn auch eine zutiefst tragische Figur. Ohne Vater aufgewachsen, suchte er stets Familienanschluss. Mit ihm rächt sich ein weiteres Mal, dass in Österreich die Rolle der Verantwortungsträger und ihrer unzähligen Mitläufer von 1933 bis 1945 so lange ungenügend aufgearbeitet worden ist.

Strache konnte so soziale Anerkennung, die vielleicht wichtigste Währung, ungeniert im rechtsradikalen Milieu einsammeln. Sieben Jahre lang war er mit der Tochter des Gründers der österreichischen Nationaldemokratischen Partei, Norbert Burger, liiert. „HC“, wie ihn seine Anhänger nennen, schwärmte auch lange nach dem Beziehungsende von seinem „Vaterersatz“. Bei schlagenden Burschenschaftern fühlte sich der junge, sportbesessene Mann ohne Abitur heimisch. All das hinderte keineswegs seine politische Karriere in der Alpenrepublik, [...]

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