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Genial daneben | 29.05.2019

Lasst alle Löhne fallen!

Hansueli Schöchli von der NZZ erklärt, dass der Schweizer Lohnschutz nicht anderes sei als ein Kartell, das den freien Wettbewerb mit ausländischen Anbietern zum Schaden gerade der Bedürftigsten verhindert.

Schöchli ist sich seiner Sache ganz sicher. Schon im Einstieg zu seinem Kommentar spart er nicht mit beissender Ironie:

„Schweizer Firmen treffen Preisabsprachen, und der Staat subventioniert Kontrollen, welche die Einhaltung dieser Absprachen sicherstellen sollen. Wer als Kartellbrecher erwischt wird, erhält nicht etwa einen Orden, sondern eine Aufforderung, vernünftig zu werden, oder sogar eine Busse. Ein solches Szenario ist in der Schweiz seit 15 Jahren faktisch Realität. Allerdings nicht an den Produktmärkten, sondern am Arbeitsmarkt.“

Weiter wendet sich Schöchli den Siegern und den Geschädigten dieses als „Lohnschutz“ getarnten „Lohnkartells“ zu. „Relativ gut situierte inländische Arbeitnehmer sollen vor relativ armen ausländischen Erwerbspersonen geschützt werden, indem man Letzteren einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil wegnimmt – die Bereitschaft, für weniger Lohn oder länger zu arbeiten.“ Offenbar geht Schöchli davon aus, dass wir die beste aller Welten nur erreichen, wenn alle ihre Wettbewerbsvorteile voll ausspielen können.

Hinter dieser Argumentation steckt ein seltsames Verständnis von globalem Wettbewerb und ein noch seltsameres Menschenbild. Es ist nämlich ein wesentlicher Unterschied, [...]

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