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Theorie | 08.05.2019 (editiert am 14.05.2019)

Sind Ersparnisse ohne Schulden denkbar?

Eine unnötige Hypothek belastet Günther Grunerts Betrachtung der Saldenmechanik – sein Begriff der Ersparnis. Die Entwicklung des Weltreichtums wäre fatalerweise ein Nullsummenspiel.

Günther Grunert hat viel zur Kenntnisnahme und zum Verständnis der Gedanken des großen Ökonomen Michał Kalecki beigetragen (etwa hier). In seinem jüngsten Beitrag zu dieser Thematik klärt Grunert über Nutzen und Grenzen der Saldenmechanik auf. Seinen in vielen Punkten richtige und hilfreiche Darstellung belastet er aber mit einer unnötigen Hypothek. Es ist der Umgang mit dem Fachbegriff „Sparen“ oder „Ersparnis“ in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Mit diesem Problem hatten auch schon die beiden Schweizer Urs und Wilhelm im Artikel der Redaktion zu „Sparen und Überschüssen“ zu kämpfen.[i]

Grunert verweist zwar auf vier unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs „Sparen“. Im Folgenden identifiziert er das Sparen aber nicht mit der in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) üblichen Standardbedeutung – der „Reinvermögensänderung“ – sondern mit Einnahmeüberschüssen, also einer positiven Veränderung des Nettogeldvermögens (NGV). Wenn wir verallgemeinern, würde ein so definiertes Sparen als „S“ in der Gleichung der VGR sowohl die positive wie negative Veränderung des Nettogeldvermögens einschließen, also auch das „Entsparen“.

Wolfgang Stützel hatte diese Gleichsetzung von „Ersparnis“ mit „Einnahmeüberschuss“ bereits 1953 als Missverständnis und Quelle unnötiger Verwirrungen und Problemverschlingungen identifiziert[ii]. [...]

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