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Konjunktur | 14.06.2019

Die deutsche und europäische Konjunktur im zweiten Quartal 2019 – 2

Die europäische Konjunktur bleibt schwach, wenn auch der Abwärtstrend in Deutschland derzeit stärker als anderswo ist. Die Industrieproduktion bewegt sich weiterhin seitwärts mit einem hohen Absturzrisiko.

Die Industrieproduktion ist im April in ganz Europa schwach gewesen (Abbildung 1). Den größten Anteil daran hatte allerdings der Einbruch bei der deutschen Produktion. In Frankreich ging es leicht aufwärts und in Italien nur wenig abwärts. Insgesamt bleibt es bei einer sehr labilen Entwicklung.

Abbildung 1

In Großbritannien sank die Industrieproduktion (nach einem kräftigen Anstieg im März) im April stark, was einigen im vergangenen Monat verbreiteten Hoffnungen, das Land könne sich trotz Brexit wirtschaftlich erholen, einen deutlichen Dämpfer gegeben haben dürfte (Abbildung 2). Die Eurozone ohne Deutschland bleibt auf einer Stagnationslinie.

Abbildung 2

In Südeuropa gab es zuletzt große Schwankungen und uneinheitliche Entwicklungen. Nach schweren Rückschlägen in allen drei Ländern im März, kam es im April in Spanien und Portugal zu einer leichten Erholung (Abbildung 3). Griechenland dürfte von dem erneuten Rückgang angesichts bevorstehender Wahlen politisch schwer getroffen sein.

Abbildung 3

In den kleineren westlichen Ländern gab es im April überall Rückschläge (Abbildung 4). Auch Österreich, wo es bisher sehr gut lief, war negativ betroffen. Belgien hält sich noch, aber die Niederlande erleben erneut und auf niedrigem Niveau eine Industrierezession.

Abbildung 4

In Nordeuropa konnte Finnland seinen Aufwärtstrend fortsetzen, während Dänemark und Schweden stagnieren (Abbildung 5). Norwegen erlebt einen tiefen Einbruch.

Abbildung 5

Auch im Baltikum ist die europäische Rezession klar erkennbar (Abbildung 6). In keinem der drei Länder gibt es eine intakte Aufwärtsentwicklung. Zuletzt ging es überall bergab.

Abbildung 6

In den meisten mitteleuropäischen Staaten ist der Aufschwung dagegen noch nicht von der schwachen gesamteuropäischen Entwicklung berührt (Abbildung 7). Außer in Tschechien sieht es in den übrigen Ländern so aus, als könnten sie sich weiter auf einem Wachstumspfad halten. Warum dort möglich ist, was woanders nicht gelingt, ist schwer zu sagen.

Charakteristisch ist für die Industrie in den meisten der hier betrachteten Ländern eine große Abhängigkeit von ausländischen Investoren wie etwa im Automobilbereich. Wann und ob eine Nachfrageschwäche bei Automobilen sich hier bemerkbar macht, kann man aber kaum vorhersagen, weil es immer davon abhängt, welche Modelle in welchem Land gefertigt werden und welche von der Nachfrageschwäche besonders betroffen sind.

Abbildung 7

Anders ist die Situation wiederum in Rumänien, Bulgarien und Kroatien, obwohl auch dort einige westliche Firmen Standorte haben. In allen drei Ländern stagniert die Industrieproduktion schon seit Beginn des Jahres 2018 und hat sich auch in diesem Frühjahr nicht erholt (Abbildung 8).

Abbildung 8

Lesen sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum ohne eine starke wirtschaftspolitische Reaktion auch eine schwere Rezession nicht auszuschließen ist.

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