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Konjunktur | 17.07.2019 (editiert am 25.07.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühsommer 2019 – 2

Die Industrieproduktion ist noch relativ stabil, aber die Frühindikatoren signalisieren, dass das nicht von Dauer sein wird. Der Tiefschlaf der europäischen Institutionen weitet sich zum Skandal aus.

Die Industrieproduktion ist im Mai in der EWU leicht gestiegen (Abbildung 1). Entscheidend dafür waren ein deutlicher Anstieg der Produktion in Frankreich sowie ein leichter Anstieg in Italien.

Abbildung 1

Für die EWU insgesamt ohne Deutschland bedeutet das nunmehr eine lange Phase der industriellen Stagnation, wie die Abbildung 2 zeigt. Seit Beginn des vergangenen Jahres befindet sich die Produktion bestenfalls in einer Seitwärtsbewegung. Das ist nach langen Jahren der Stagnation und einer nur leichten Aufwärtsbewegung im Jahr 2017 eine fatale Schwäche. Die EWU ohne Deutschland ist damit kaum über das Niveau des Jahres 2011 hinausgekommen. Das Gleiche gilt für Großbritannien.

Abbildung 2

In Südeuropa hat sich in diesem Frühjahr ebenfalls die Produktion abgeschwächt, wenn auch unter erheblichen Schwankungen (Abbildung 3). In Spanien ging es zuletzt leicht aufwärts, in Portugal geht es tendenziell bergab; Griechenland stagniert.

Abbildung 3

In Belgien und Österreich, wo seit Beginn des Jahres ebenfalls große Schwankungen zu verzeichnen sind, gab es im Mai total gegenläufige Entwicklungen (Abbildung 4). Die Niederlande bleiben im Rezessionsmodus in der Industrie.

Abbildung 4

In Nordeuropa verzeichnete Dänemark seit Beginn dieses Jahres wieder eine deutliche Aufwärtsentwicklung, während die Produktion in Schweden und in Finnland stagniert. Norwegen erlebt auf niedrigem Niveau eine Sonderkonjunktur mit einem erheblichen Einbruch (Abbildung 5).

Abbildung 5

Im Baltikum setzt sich die Stagnation fort (Abbildung 6). Die drei Länder sind offensichtlich von der gesamteuropäischen Schwäche erheblich betroffen.

Abbildung 6

Viel weniger gilt das für die etwas größeren mittel- und osteuropäischen Länder, die wir in Abbildung 7 zusammengefasst haben. Dort geht es durch die Bank noch aufwärts, wobei auch Slowenien, das seit Beginn des Jahres 2018 geschwächelt hatte, seit Beginn dieses Jahres noch einmal einen Schub nach oben bekommen hat.

Abbildung 7

Sehr schwach ist die Entwicklung weiterhin in Rumänien, Bulgarien und Kroatien (Abbildung 8). Kroatien ist immer noch nicht über das Niveau von 2009 hinaus gekommen, was für ein Land auf diesem Stand der Entwicklung eine schlichte Katastrophe bedeutet. Auch Bulgarien ist in längerer Perspektive sehr schwach, während Rumänien, trotz Stagnation seit einigen Monaten, immerhin auf einen kontinuierlichen Anstieg vorher zurückblicken kann.

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und was das für die Wirtschaftspolitik bedeutet.

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