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Der Schnellschuss | 14.08.2019

Das Bundesamt und die BIP-Zahlen

Die „Berechnung“ eines BIP-Rückgangs von nur 0,1 Prozent im zweiten Quartal 2019, wie sie das Statistische Bundesamt für heute vorgelegt hat, ist von der Primärstatistik nicht gedeckt. Die Begründung des Amtes kann man nur als absurd bezeichnen.

MAKROSKOP versucht prinzipiell, die Dinge gründlich anzugehen und fundiert zu analysieren, bevor wir zu einer Schlussfolgerung kommen. Doch manchmal muss man ein Zeichen setzen, bevor sich bestimmte Ereignisse und Zahlen so festgesetzt haben, dass man sie nicht mehr aus der Welt schaffen kann. Wir werden zu der Geschichte in der nächsten Woche noch einmal gründlich Stellung nehmen.

Quasi-Stagnation im zweiten Quartal?

Das Statistische Bundesamt hat heute für die Entwicklung des BIP eine Zahl von minus 0,1 als amtliche Statistik veröffentlicht, die wiederum (wie schon die Zahl für das vierte Quartal 2018, vgl. unsere Kritik hier) durch nichts zu rechtfertigen ist. Angesichts des starken Rückgangs bei den bekannten Zahlen aus der Primärstatistik, in erster Linie bei der Produktion des Verarbeitenden Gewerbes, kann von einer Beinahe-Stagnation des BIP nicht die Rede sein.

Auch die Begründung, die vom Statistischen Bundesamt gegeben wird, ist, man kann es nicht anders ausdrücken, absurd. Das Amt schreibt:

„Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (real, saison- und kalenderbereinigt) nach vorläufigen Berechnungen aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben waren höher als im 1. Quartal, und auch der Staat steigerte seine Konsumausgaben. Daneben wurde mehr investiert als im 1. Quartal, wobei die Bauinvestitionen rückläufig waren. Die außenwirtschaftliche Entwicklung bremste das Wirtschaftswachstum…“

Angesichts einer deutlich fallenden Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern und bei klar sinkender Produktion in der Investitionsgüterindustrie von einer Zunahme der Investitionen zu sprechen, ist durch nichts gerechtfertigt. Der Auftragseingang für Investitionsgüter aus dem Inland, das ist eindeutig der wichtigste Indikator für die inländische Investitionsneigung, liegt im zweiten Quartal um fast fünf Prozent unter dem Wert des ersten Quartals. Die Produktion von Investitionsgütern liegt um fast zwei Prozent unter der des ersten Quartals.

Der private Konsum ist, nach dem, was man aus der Primärstatistik weiß, ebenfalls schwach. Der Einzelhandelsumsatz ist vom ersten auf das zweite Quartal praktisch nicht gestiegen und der Auftragseingang bei der Kraftfahrzeugindustrie (Kraftfahrzeuge zählen nicht zum Einzelhandel), ist ebenfalls stark rückläufig gewesen.

Nachträgliche Korrekturen

Wie groß die Unsicherheit bezüglich dieser Zahlen ist, zeigen die nachträglichen Korrekturen, die vom Bundesamt selbst in diesem Bericht veröffentlicht worden sind. Das Bundesamt räumt ein, dass nachträglich die Quartalszahlen um bis zu 0,6 Prozentpunkte korrigiert worden sind. Die vorläufige (und schon extrem fragwürdige) Stagnation des letzten Quartals von 2018 ist jetzt in einen Anstieg von 0,2 verwandelt worden. „Dafür“ ist der kräftige Anstieg aus dem ersten Quartal des Jahres 2018 von ursprünglich 0,4 Prozent jetzt nur noch ein Hauch von 0,1 Prozent. Dass das Amt diese Zahlen mit dem Kommentar versieht, das konjunkturelle Gesamtbild habe sich nicht geändert, ist wohl ironisch gemeint.

Insgesamt gesehen, kann man jetzt schon sagen, dass die BIP-Zahlen in keiner Weise etwas mit der konjunkturellen Entwicklung zu tun haben und deswegen ein für allemal aus dem Kreis der ernstzunehmenden Indikatoren ausscheiden müssen. Dafür, dass die Politik sich von diesen Indikatoren in die Irre führen lässt, übernimmt das Statistische Bundesamt die Verantwortung – wenngleich sich das sicher nie einklagen lässt.

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