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Konjunktur | 16.08.2019

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühsommer 2019 – 2

Die Rezessionsgefahr für Europa, die sich seit Ende 2017 abzeichnet, bleibt extrem hoch. Anzeichen dafür, dass die europäische Politik die Zeichen der Zeit erkannt hat, gibt es nicht. Das ist Politikversagen in ganz großem Maßstab.

Die Industrieproduktion im Euroraum ist im Juni gesunken (Abbildung 1). Entscheidend dafür war der starke Einbruch in Deutschland. Aber auch in Frankreich sank die Produktion und machte einige Hoffnungen zunichte, weil erwartet wurde, Frankreich könne sich von der deutschen und europäischen Schwäche freimachen. Man muss bei der derzeitigen Entwicklung sehen, dass Frankreich den industriellen Aufschwung, den es in Europa seit Anfang 2016 gegeben hatte, nur in abgeschwächter Form mitgemacht hat. Auch in Italien war der Beginn des Sommers schwach, doch Deutschland ist klar der Vorreiter in Sachen industrieller Rezession.

Abbildung 1

Das zweite Bild, das die Industrieproduktion in der EWU ohne Deutschland zeigt (Abbildung 2), macht klar, wie stark sich Deutschland mittlerweile nach unten abgesetzt hat. Für die EWU ohne Deutschland kann man immer noch von Stagnation in der Industrie reden, Während es in Deutschland massiv nach unten geht. Aber auch England befindet sich offenbar auf dem Weg in die Rezession.

Abbildung 2

In Südeuropa sind die Auswirkungen der rezessiven Entwicklung deutlich zu sehen. Insbesondere in Portugal, wo die europäische Automobilindustrie eine große Rolle für die Industrie spielt, ist ein starker Einbruch zu verzeichnen (Abbildung 3). Spanien und Griechenland halten sich noch.

Abbildung 3

Nachdem in Österreich für einige Zeit nichts von der europäischen Schwäche zu spüren war, gab es in den letzten beiden Monaten einen massiven Einbruch (Abbildung 4). Auch der könnte der Automobilindustrie zuzuschreiben sein, weil Österreich sehr viele Vorprodukte liefert.

Abbildung 4

Auch in Nordeuropa kann man, bei großen Schwankungen in Dänemark, nur noch von Stagnation sprechen (Abbildung 5). In Norwegen ist die Industrie regelrecht abgestürzt.

Abbildung 5

Auch im Baltikum bleibt es bei Stagnation auf hohem Niveau (Abbildung 6). Seit über einem Jahr hat sich in diesen Ländern nur wenig belebt und es ist nicht zu erwarten, dass sie sich aus eigener Kraft von der europäischen Entwicklung lösen können.

Abbildung 6

Eine durchgreifende Änderung hat es im Juni in  den Ländern Mittel- und Osteuropas gegeben, die sich bisher gut behauptet hatten (Abbildung 7). Hier ist die Produktion im Juni durchweg gesunken. Auch hier muss man angesichts der Gleichförmigkeit des Rückgangs davon ausgehen, dass die Schwäche der deutschen und europäischen Automobilindustrie nun, mit einiger Verzögerung, auch hier ihre Spuren hinterlässt.

Abbildung 7

Besonders negativ betroffen sind auch die drei Länder, die schon bisher einen sehr schwachen Eindruck hinterlassen haben, nämlich Bulgarien und Kroatien (Abbildung 8). Hier geht es trotz des niedrigen Niveaus deutlich bergab. Auch Rumänien ist akut betroffen, aber das Land hat wenigstens in den vergangenen zehn Jahren ein deutlich höheres Niveau erreicht.

Abbildung 8

Insgesamt gesehen droht Europa, ausgehend von der Industrie und gezogen von Deutschland, in eine tiefe Rezession zu geraten, wenn die Politik auf der europäischen Ebene nicht bald aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Doch angesichts des Wechsels an der Spitze der Kommission dürfte bis mindestens zum Ende dieses Jahres europäische Sendepause sein.

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