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Konjunktur | 15.11.2019 (editiert am 17.11.2019)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühherbst 2019 – 2

Die europäische Konjunktur bleibt schwach. Deutschland ist eindeutig in einer Rezession, aber die amtliche Statistik errechnet erneut ein „Vorbeischrammen“. Das ist fatal, weil die Wirtschaftspolitik es zum Anlass nehmen wird, auch weiterhin nichts zu tun.

Erneut ein deutsches Wunder

Das Statistische Bundesamt hat heute wiederum „das Wunder vollbracht“, eine Rezession zu vermeiden. Das ist eigentlich nicht verwunderlich, scheint es doch schon seit Monaten das ehrgeizige Ziel der Statistiker zu sein, Deutschland vor einer „offiziellen Rezession“ mit zwei aufeinanderfolgenden Quartalen rückläufigen Einkommens zu bewahren. Das ist gelungen, Gratulation!

Auch im September ist in Deutschland die Industrieproduktion gesunken. Im gesamten dritten Quartal sank die Produktion im Produzierenden Gewerbe (Bau und Industrie) gegenüber dem zweiten Quartal um über ein Prozent. Da für die anderen Bereiche wie etwa die Dienstleistungen, wie wir schon einige Male erklärt haben (zuletzt hier), keine aktuellen Daten vorliegen, ist die „Berechnung“ des Amtes ohne jede empirische Basis und damit hinfällig.

Die Abbildung 1 zeigt, wie dramatisch sich die einzig sichere empirische Basis auf der einen Seite, die Produktion im Produzierenden Gewerbe in Deutschland, und das BIP auf der anderen Seite auseinanderentwickeln. Das ist nicht mehr zu rechtfertigen und es ist mehr als bedauerlich, dass die Zahlen des Bundesamtes von den deutschen Medien kritiklos hingenommen werden. Auch wenn „das Erstaunen“ – wie hier bei der FAZ – zunimmt, kommt man jedoch nicht zu einer klaren Analyse.

Abbildung 1

Europäische Industrieproduktion

Im September ist die Industrieproduktion in der EWU leicht gestiegen (Abbildung 2). Das Gesamtbild in Frankreich, Italien und Deutschland bleibt jedoch düster.

Abbildung 2

Betrachtet man den Euroraum ohne Deutschland, ist die Stagnation noch klarer zu erkennen (Abbildung 3). Zu erkennen ist aber auch, dass das Niveau der Produktion kaum über das Niveau des Jahres 2011 hinausgekommen ist. Großbritannien geht auf diesem niedrigen Niveau auch noch unmittelbar in eine Rezession.

Abbildung 3

Auch in Südeuropa werden die Folgen der konjunkturellen Schwäche immer klarer erkennbar (Abbildung 4). Vor allem Portugal hat jeden Schwung verloren.

Abbildung 4

In den nördlichen kleineren Ländern ist der Umschwung in Österreich bemerkenswert (Abbildung 5). Nachdem es einige Zeit so ausgesehen hatte, als könne sich das Land von der deutschen Entwicklung abkoppeln, geht es nun rapide bergab. Belgien hält sich dagegen noch ganz gut.

Abbildung 5

In Nordeuropa sind die Stagnationstendenzen immer unverkennbarer (Abbildung 6). Auch Finnland, das bisher noch ganz gut aussah, wenngleich auf niedrigem Niveau, spürt nun die europäische Krise.

Abbildung 6

Im Baltikum laufen die Länder weiter auseinander, als man es bisher gewohnt war (Abbildung 7). Estland ist weit abgefallen, während die anderen sogar noch leicht expandieren.

Abbildung 7

In den kleineren mittel- und osteuropäischen Staaten sind bis auf Ungarn überall die Rezessionstendenzen unverkennbar (Abbildungen 8 und 9). Man sieht, dass diese Länder, wenn der Staat nicht massiv dagegenhält, keine Chance haben, sich einer solchen Abwärtsbewegung zu entziehen.

Abbildung 8
Abbildung 9

Lesen sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und was die Politik tun könnte und sollte.

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