www.istock.com/freie-kreation
Soziales | 10.12.2019 (editiert am 13.12.2019)

Armut als individuelles Problem?

Massenarbeitslosigkeit wird vom ökonomischen Mainstream als Folge subjektiver Entscheidungen interpretiert. Soziologen dagegen erkennen, dass Arbeitslosigkeit ein systemisches Problem darstellt und daher ihre Beseitigung der Wirtschaftspolitik bedarf.

Armut ist ein individuelles Problem: wer sich nur genügend anstrengt, seinen / ihren Schulabschluss macht und vollen Einsatz zeigt, findet Arbeit und behält sie auch. Wer sein Geld für Zigaretten und Alkohol ausgibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn für gesundes Essen nichts mehr übrig ist. Viele Hartz IV Empfänger sind aus Sicht von Politikern und Mitbürgern Sozialschmarotzer, wie das Beispiel Florida Rolf, der im Zuge der Agenda 2010 Opfer einer Bild-Kampagne wurde, eindrücklich  zeigt.

Solche und ähnliche Ansichten scheinen heutzutage immer noch die öffentliche Debatte zu dominieren und sind fester Bestandteil des Alltagsbewusstseins.

Und auch die staatlichen Maßnahmen gegen Armut erstrecken sich weitgehend auf die Themen „Fordern und Fördern“. Strukturelle Probleme, wie Altersarmut als Folge des Abbaus der gesetzlichen Rente oder prekärer Arbeitsverhältnisse, werden von unseren Politiker*innen wenn, dann nur halbherzig angegangen (siehe Grundrente). Im Gegenteil: die Umstellung der Rentenversicherung auf das 3-Säulenmodell, der Niedriglohnsektor und die Deregulierung des Arbeitsmarkts wurden ja als Mittel zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit angesehen und sollten unsere Wirtschaft ankurbeln. [...]

Nichts schreibt sich von allein!

Nur für Abonnenten

MAKROSKOP analysiert wirtschaftspolitisch relevante Themen aus einer postkeynesianischen Perspektive und ist damit in Deutschland einzigartig. MAKROSKOP steht für das große Ganze. Wir haben einen Blick auf Geld, Wirtschaft und Politik, den Sie so woanders nicht finden.

Dabei leben wir von unseren Autoren – Quer- und Weitdenkern –, ihren Recherchen, ihrem Wissen und ihrem Enthusiasmus. Gemeinsam scheren wir aus den schmaler werdenden Leitplanken des Denkbaren aus. Wir verlassen die journalistische Filterblase, in der sich viele eingerichtet haben. Wir öffnen Fenster und bringen frische Luft in die engen und verstaubten Debattenräume.

Das verschafft uns nicht nur Freunde.

Wenn Sie uns gerade deswegen unterstützen möchten, dann folgen Sie einfach dem Button. Alle Abonnements beginnen ganz unverbindlich und sofort kündbar mit einer zweiwöchigen Testphase.

Testen Sie Makroskop

Anmelden