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Konjunktur | 11.12.2019 (editiert am 09.01.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2019 – 1

Der Rezessionskurs der deutschen Wirtschaft setzt sich weiter fort. Genauso wie das Phlegma der Bundespolitik – trotz eindeutiger Empfehlungen der Wirtschaftsinstitute.

Der Abschwung der deutschen Wirtschaft setzte sich auch im Oktober fort. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes war der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober 2019 saison- und kalenderbereinigt 0,4 % niedriger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (real und kalenderbereinigt) sind es ganze -5,5 %. Ohne Berücksichtigung der Großaufträge lag der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober saison- und kalenderbereinigt gar 1,4 % niedriger als im Vormonat.

Die Ursachen sind vor allem in einer schwachen Binnenkonjunktur zu suchen (Abbildung 1). Im Oktober fielen die Aufträge aus dem Inland im Vergleich zum Vormonat um 3,2 %, womit sich der klare Abwärtstrend, flankiert von wirtschaftspolitischer Untätigkeit, deutlich bestätigt.

Abbildung 1

Dass sich die Lage nicht noch prekärer darstellt, ist den Auslandsaufträgen (Abbildung 2) zu verdanken. Diese erhöhten sich im Vergleich zum Vormonat um 1,5 %.

Abbildung 2

Allein die Eurozone nimmt hier mit einem deutlichen Plus von 11,1% eine tragende Rolle ein. Das ist nach einem langen Abwärtstrend erstmals eine starke Verbesserung. Die temporäre Bedeutung der Eurozone wächst zudem mit dem Rückgang der Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland (Abbildung 3). Diese fielen um 4,1 % gegenüber September 2019. Eine Trendwende ist hier nicht in Sicht. Die Schwankungen im Stagnationsmodus setzen sich insgesamt fort.

Abbildung 3

Auftragseingang in der Industrie schwach

Auch bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Rückgang von 1,1 %. Im Bereich der Konsumgüter erhöhten sich die Aufträge um 0,3 % gegenüber September 2019.

Insgesamt leiden die verschiedenen Branchen unter Stagnation. Der Maschinenbau, im September noch mit einer deutlichen Zunahme, hatte im Oktober einen noch deutlicheren Rückgang zu verzeichnen (Abbildung 5). Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Oktober 2019 um 0,7 % höher als im Vormonat. Doch die Schwächephase des wichtigen Vorleistungsbereich der Metalle setzte sich auch im Oktober weiter fort. Das gleiche gilt für Kraftwagen sowie Chemie und Pharma.

Abbildung 4

Rückgang der Produktion

Nicht besser sieht es im Produzierenden Gewerbe aus, wo sich der Abwärtstrend zu beschleunigen scheint. Im Vergleich zum Vormonat ist die Produktion im Oktober erneut gesunken, diesmal um 1,7 % (Abbildung 6). Für September 2019 ergab sich ein Rückgang von 0,6 % gegenüber August 2019.

Ähnlich bergab geht es mit der Industrieproduktion. Diese ist im Oktober 2019 ebenfalls um 1,7 % gegenüber dem Vormonat gefallen und bewegt sich damit im synchronen Tiefflug mit dem produzierenden Gewerbe. Innerhalb der Industrie nahmen die Produktion von Vorleistungsgütern um 1,0 % und die Produktion von Konsumgütern um 0,3 % zu. Bei den Investitionsgütern ging die Produktion gegenüber dem Vormonat um 4,4 % zurück. Außerhalb der Industrie lag die Energieerzeugung im Oktober 2019 um 2,3 % höher als im Vormonat. Die Bauproduktion fiel um 2,8 %.

Abbildung 5

Umsatz +0,1 % saisonbereinigt zum Vormonat

Der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe lag nach vorläufigen Angaben im Oktober 2019 saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % höher als im Vormonat. Für September 2019 ergab sich nach Revision der vorläufigen Ergebnisse ein Rückgang von 1,2 % gegenüber August 2019 (vorläufiger Wert: -1,4 %).

Alles in allem deuten die Zeichen auf eine Verschärfung der Rezession. Die Zeit für fiskalische Gegenmaßnahmen ist längst überfällig. Zumal auch die großen Wirtschaftsinstitute längst eine Abkehr von der schwarzen Null fordern, um dem Abschwung nicht hinterher zu sparen. Doch über deren Sinnhaftigkeit wird in der GroKo noch gestritten – Ende nicht in Sicht.

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