Bild: istock.com/G0d4ather
Konjunktur | 18.12.2019 (editiert am 09.01.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2019 – 2

Der Himmel über Europa verdüstert sich. Neben Deutschland werden auch andere EWU-Staaten von Stagnations- oder Rezessionstendenzen erfasst. Hilft der europäische Green Deal?

Nicht nur in Deutschland, auch in Europa stehen die Zeichen auf Abschwung. Im Oktober ist die Industrieproduktion in der EWU wieder leicht gefallen, nachdem im Vormonat ein leichter Anstieg zu verzeichnen war (Abbildung 1). Das deckt sich mit dem sich weiter verdüsternden Gesamtbild in den großen Wirtschaftsnationen Frankreich, Italien und Deutschland. Während sich in Italien und Deutschland der Rückgang weiter fortsetzt, konnte wenigstens Frankreich den allgemeinen Trend etwas entgegensetzen.

Abbildung 1

Nicht wesentlich anders sieht die Lage in Südeuropa aus. In Spanien und Griechenland setzt sich der Trend zur konjunkturellen Schwäche fort (Abbildung 2). Immerhin konnte die Industrieproduktion in Portugal, die ihren Schwung von 2017 ebenfalls längst verloren hat, zumindest im Oktober wieder anziehen.

Abbildung 2

In den nördlichen kleineren Ländern ist der negative Konjunkturumschwung in Österreich vorerst gestoppt worden (Abbildung 3). Noch in den Monaten zuvor ging es für die Alpenrepublik, die bis 2019 noch als Musterland galt, rapide bergab. Belgien hält sich weiter gut, doch der Aufschwung dürfte auch hier vorüber sein. Die Entwicklung in den Niederlanden stagniert hingegen schon seit 2017.

Abbildung 3

In Nordeuropa bestätigen sich die Stagnationstendenzen auch im Oktober (Abbildung 4). Finnland, Dänemark und Schweden hatten allesamt einen Produktionsrückgang zu verzeichnen und spüren nun die europäische Krise. Einzig Norwegen, bereits seit Monaten tief in der Rezession, konnte nun wieder einen leichten Anstieg vermelden.

Abbildung 4

Weitgehend unverändert ist die Lage im Baltikum (Abbildung 5). Estland, weit abgefallen, stagniert im Oktober. Lettland und Litauen die in den Vormonaten noch leicht expandierten, haben mit einem kleineren Rückschlag zu kämpfen. Ob damit sich damit der Aufschwung in den beiden baltischen Staaten dem Ende zuneigt, bleibt unter Berücksichtigung der internationalen Konjunktur abzuwarten.

Abbildung 5

In den kleineren mittel- und osteuropäischen Staaten sind bis auf Ungarn überall die Rezessionstendenzen unverkennbar (Abbildungen 6 und 7). In Polen und Slowenien zog die Produktion im Oktober dennoch leicht an.

Abbildung 6
Abbildung 7

Hoffnungen auf ein wirtschaftspolitisches Gegensteuern der EU bestanden lange nicht. Die geplante Reform des ESM mit verschärften Haushaltsregeln wird die Rezessionsgefahr in ganz Europa sogar weiter verschärfen. Ein Lichtblick ist allenfalls der von EU-Kommissarin Ursula von der Leyen im November angekündigte „European Green Deal“, der Investitionen von 1 Billionen Euro in den Umbau der Wirtschaft vorsieht und die langfristigen Erwartungen und Planungen relevanter Branchen schon im Vorfeld beeinflussen könnte.

Weitere Teile dieser Serie

Anmelden