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Marktwirtschaft und Demokratie | 17.12.2019 (editiert am 18.12.2019)

Ideologie der Konsumentensouveränität – 2

Die Kritik an der Konsumgesellschaft wird zwar immer lauter, stärkt aber das Narrativ von der Konsumentensouveränität. Denn die Aufforderung nach politisch korrektem Konsum richtet sich nicht an die Poltik, sondern die Verbraucher. Haben die Konsumenten aber wirklich die Macht, für eine intakte Umwelt, artgerechte Tierhaltung, weltweite soziale Gerechtigkeit u.v.a. mehr zu sorgen?

Die DDR-Schriftstellerin Gabriele Eckhard reiste 1986 in die Bonner Bundesrepublik und berichtete, dass sie „nach der Euphorie der ersten Tage“ Nervosität verspürte. Sie erklärte sich dieses Gefühl wie folgt:

„Es schien mir zuviel des Guten. Zu viele Taxis, Bananen, Käsesorten. Im Gegensatz zur DDR stehen hier die Dinge Schlange nach den Kunden, beiderseits ein Schlangestehen.“

Die Marktwirtschaft ist nach Meinung Wirtschaftsliberaler die effiziente institutionelle Lösung des immerwährenden Problems der Knappheit. Knapp aber sind für sie Ressourcen mit Bezug auf die unendlich entwicklungsfähigen Wünsche von Menschen. Nun waren die Schlangen in der DDR zweifellos ein Zeichen von Ressourcenknappheit. Allerdings würden Marktapologeten die Wirtschaft der DDR wohl eher nicht als eine Marktwirtschaft charakterisieren wollen. Da Schlangestehen aber sicherlich ein sichtbarer Ausdruck von Knappheit ist, stellt sich die Frage, ob die für die Marktwirtschaften charakteristische Knappheit nicht etwa die von Ressourcen, sondern die von Konsumenten ist. [...]

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