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Theorie | 04.12.2019

Studierende protestieren gegen VWL-Lehrinhalte – 2

Wie auch immer man die Behandlung des Geldsystems in der herrschenden Lehre bewertet, eines ist sicher: Die Realität der Kreditschöpfung, d.h. die Tatsache, dass Geld von den Banken „aus dem Nichts“ erzeugt werden kann, ist unvereinbar mit der neoklassischen Behauptung einer Geldknappheit.

Folgen für die Geld- und Fiskalpolitik

Aus den vorangegangenen Ausführungen ergeben sich zwei wichtige Schlussfolgerungen: Erstens impliziert die neoklassische Auffassung, dass Geld zumindest langfristig neutral sei, eine Ablehnung diskretionärer Geldpolitik. Geldpolitik sei zur Beeinflussung von Produktion und Beschäftigung gänzlich ungeeignet, da sie langfristig allein das Preisniveau verändere, darüber hinaus jedoch nichts (Positives) bewirke. Sie sollte sich deshalb in neoklassischer Sicht darauf beschränken, die von der Zentralbank steuerbare Geldmenge unabhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklung jährlich mit einer konstanten Rate wachsen zu lassen oder „eine stetige Ausdehnung des Geldangebots mit mäßiger Rate“ (Mankiw/Taylor 2018, S. 1019) anzustreben. Da zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau ein stabiler Zusammenhang bestehe, könne die Zentralbank damit indirekt auch das Preisniveau kontrollieren. Denn „nach der Quantitätstheorie des Geldes bestimmt das Wachstum der Geldmenge die Inflationsrate“ (Mankiw/Taylor 2018, S. 846).

Aus dem behaupteten engen Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau folgt zweitens aber auch, dass Geld knapp genug sein muss, um Preisstabilität zu gewährleisten. Oder anders ausgedrückt: Jedes stabile Preisniveau zeige Geldknappheit an und setze diese voraus. Wiederum in den Worten von Mankiw/Taylor:

„Die primäre Ursache der Inflation besteht ganz einfach in einem Wachstum der Geldmenge. Eine Erhöhung der Geldmenge durch die EZB in erheblichem Ausmaß führt dazu, dass der Geldwert im Zeitablauf schnell sinkt. Für die Aufrechterhaltung stabiler Preise ist eine strenge Kontrolle der Geldmenge durch die EZB erforderlich“ (Mankiw/Taylor 2018, S. 855).

Akzeptiert man die Notwendigkeit hinreichender Geldknappheit zur Sicherstellung von Preisstabilität, ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zur Theorie der „loanable funds“ (leihbare Geldmittel), eines begrenzten Pools an Ersparnissen, um welche nach der neoklassischen Theorie die staatlichen und die privaten Kreditnehmer konkurrieren. Beanspruche der Staat einen höheren Anteil dieser knappen Ersparnisse für sich, bleibe für die Privaten weniger übrig. Es komme zu einem „Crowding-out-Effekt“, d.h. die Staatsausgaben verdrängten nur private Nachfrage (Investitionen und Konsum) in gleicher Höhe. Die Verdrängung privater durch öffentliche Nachfrage vollziehe sich dabei über eine Zinssatzerhöhung bei einem fixen Sparmittel-Aufkommen.

Damit hat die Neoklassik genau das gewünschte Ergebnis erhalten: Für die Geldpolitik (die langfristig nur das Preisniveau beeinflussen könne) gilt in dieser Logik: Die Wachstumsrate des Geldes muss entschlossen niedrig gehalten werden, um eine geringe, akzeptable Inflationsrate sicherzustellen. Was die Fiskalpolitik betrifft, gebe es keinen Handlungsbedarf, im Gegenteil: Da eine aktive Fiskalpolitik einen negativen Effekt auf die privaten Investitionen ausübe, bestehe die beste Fiskalpolitik darin, die staatlichen Ausgaben möglichst stark zu begrenzen, um so vor allem den privaten Unternehmen höhere Investitionen zu geringeren Finanzierungskosten zu ermöglichen. Ein ausgeglichener Staatshaushalt sei somit Ausweis einer soliden und nachhaltigen Finanzpolitik.

Zur Kritik: Geld ist nicht neutral

An dieser Stelle können die einzelnen Bausteine der neoklassischen Argumentation keiner umfassenden Kritik unterzogen werden (vgl. dazu die oben angegebenen Links). Einige wichtige Punkte sollen dennoch angesprochen werden:

Erstens ist die Annahme einer Neutralität des Geldes unsinnig. Geld bestimmt wesentlich die Kalküle der Wirtschaftssubjekte und ihm kommt auch langfristig eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung von Produktion und Beschäftigung zu. Die Neoklassik beschreibt auch eine moderne Geldwirtschaft letztlich als ein System, in dem Individuen Güter produzieren, weil sie diese gegen die von anderen Individuen hergestellte Güter austauschen möchten – nicht aber, weil sie einen (monetären) Gewinn erzielen wollen.[4]

Entsprechend ermögliche bzw. erleichtere Geld lediglich den Austausch von Waren und Dienstleistungen und beeinflusse nicht die Produktionsentscheidungen. In diesem Sinne lässt sich dann (zumindest langfristig) eine Neutralität des Geldes behaupten, denn Geld ist ja einfach nur ein Tauschmedium, das sich als solches nicht auf die Realwirtschaft auswirken kann.

In der Realität ist Geld jedoch keineswegs „neutral“. Eine moderne Volkswirtschaft unterscheidet sich fundamental von einer reinen Tauschwirtschaft, in der kein Geld existiert und Produkte direkt gegen andere Produkte ausgetauscht werden. Bereits Keynes hatte die Vorstellung einer Neutralität des Geldes abgelehnt, da in einer modernen Volkswirtschaft die Produktion immer durch Geld finanziert wird: Sie beginnt mit Geld und endet mit Geld. Oder knapp ausgedrückt: Der Zweck der Produktion ist Geld oder genauer: die Erwartung von mehr Geld durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Keynes spricht deshalb auch von einer monetären Theorie der Produktion und vor ihm hatte schon Marx sein bekanntes G – W – G‘ – Schema entwickelt: Der Unternehmer startet mit Geld, stellt Waren her und hofft auf mehr Geld am Ende.[5]

Eine Kontrolle der Geldmenge ist nicht möglich

Nicht haltbar ist ebenso die auf der Annahme neutralen Geldes basierende Quantitätstheorie des Geldes. Die Vorstellung, dass es eine direkte Verbindung zwischen der Geldbasis und der Geldmenge gebe und die Zentralbank die Geldmenge über eine Veränderung der Geldbasis steuern könne (wobei die Geldmenge ein Mehrfaches der Geldbasis bilde), ist unzutreffend.

Tatsächlich ist die Zentralbank nicht in der Lage, die Geldmenge zu kontrollieren. In der realen Welt setzt die Zentralbank den kurzfristigen Zins (und bestimmt den langfristigen Zins entscheidend mit), während die Kreditnachfrage von privaten Haushalten und Unternehmen bei ihren Banken die Geldmenge determiniert. Die Zentralbank besitzt das Monopol auf die Schaffung von Zentralbankgeld – Bargeld und Einlagen bei der Zentralbank –, während die Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe Giralgeld „aus dem Nichts“ schaffen – durch eine Bilanzverlängerung.[6] Die vergebenen Kredite manifestieren sich als Bankeinlagen, was dazu führt, dass die Geldmenge expandiert. Umgekehrt schrumpft die Geldmenge, wenn Kredite zurückgezahlt werden. Allein über den Preis der Reserven, die sie auf Nachfrage den Geschäftsbanken zur Verfügung stellt, kann die Zentralbank Einfluss auf die Kreditschöpfung nehmen.

Es ist also genau umgekehrt, wie im Modell des Geldschöpfungsmultiplikators behauptet: Endogene Veränderungen in der Geldmenge (hervorgerufen durch die Kreditschöpfung der Banken) führen zu Veränderungen in der Geldbasis (da die Zentralbank Reserven zufügt oder abzieht, um den Preis der Reserven auf dem von ihr gewünschten Niveau zu halten). Kurzum: Kredite schaffen Einlagen, die wiederum Reserven erzeugen.

Auch die Vorstellung, dass ein stabiler Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau existiere, so dass die Zentralbank mit der Geldmenge indirekt auch die Inflationsrate bestimme, ist nicht haltbar. Denn dies setzt voraus, dass sowohl das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) als auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes konstant sind[7], was mit der Empirie überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist (vgl. dazu ausführlicher hier).

Keine „loanable funds“ und kein „Crowding out“

Ebenso hat die Theorie der „loanable funds“ und die in ihr unterstellte Konkurrenz zwischen staatlichen und privaten Kreditnehmern um begrenzte leihbare Geldmittel mit der Realität nichts zu tun (vgl. Mitchell/Wray/Watts 2019, S. 126).  Denn erstens erhöht ein steigendes Staatsdefizit nicht nur das Volkseinkommen (weil der Output höher ist), sondern es steigen damit auch die privaten Ersparnisse.

Zweitens stammen die Geldmittel, die es dem nichtstaatlichen Sektor ermöglichen, die neu emittierten Staatsanleihen zu erwerben – und die vom Staat eingesammelt werden, wenn er die Anleihen an den nichtstaatlichen Sektor verkauft – , letztendlich von dem Netto-Geldvermögen, das durch die vorangegangenen Staatsdefizite geschaffen wurde.[8]

Drittens ist die Kreditvergabe der Banken nicht durch ihren Reservebestand eingeschränkt. Banken vergeben Kredite an alle kreditwürdigen Kunden, die sie finden können. Sie wissen, dass sie sich, sofern sie knapp an Reserven sind, diese auf dem Interbankenmarkt von anderen Banken oder – wenn dies nicht möglich ist – immer von der Zentralbank leihen können. Deshalb verringert auch der Verkauf von Staatsanleihen an die Banken in keiner Weise die Fähigkeit der Banken, ihren Kunden Darlehen zu gewähren.

Und falsch ist viertens die Vorstellung, dass der (langfristige) Zins aus Angebot und Nachfrage am Kapitalmarkt gebildet wird. Tatsächlich werden in der realen Welt die Zinssätze von der Zentralbank und nicht vom Markt bestimmt. Dies gilt nicht allein für den kurzfristigen, sondern letztlich auch für den langfristigen Zinssatz (vgl. hier).

Es kann also keine Rede davon sein, dass staatliche Budgetdefizite die Zinssätze in die Höhe treiben und private durch öffentliche Nachfrage verdrängen (Crowding out), weil sie um knappe private Ersparnisse konkurrierten.

Warum keine Korrektur erfolgt

Wie auch immer man die Behandlung des Geldsystems in der herrschenden Lehre bewertet, eines ist sicher: Die Realität der Kreditschöpfung, d.h. die Tatsache, dass Geld von den Banken „aus dem Nichts“ erzeugt werden kann, ist unvereinbar mit der neoklassischen Behauptung einer Geldknappheit (welche die Zentralbank über ihre Geldmengensteuerung sicherstellt). Sobald man anerkennt, dass Geschäftsbanken nicht einfach Intermediäre bereits existierender Geldmittel sind, sondern bei der Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte in actu (Giral-) Geld selbst schaffen, und diese Banken nicht dasitzen und auf Reserven warten, bevor sie Darlehen gewähren – dass vielmehr in der realen Welt umgekehrt Kredite zu Bankeinlagen und Bankeinlagen zu Reserven führen[9] –, brechen die Theorien der Neutralität des Geldes, des exogenen Geldangebots bzw. der Steuerbarkeit der Geldmenge durch die Zentralbank, der „loanable funds“ etc. – inklusive der darauf basierenden Schlussfolgerungen hinsichtlich der Geld- und Fiskalpolitik – in sich zusammen.

Mathias Binswanger argumentiert in seinem bereits erwähnten, lesenswerten Buch (Binswanger 2015) in ähnlicher Weise. Danach hätte es für die herrschende Lehre fatale Konsequenzen, wenn sie die Betrachtung von Banken als reine Geldvermittler aufgäbe und stattdessen die Rolle der einzelnen Banken als Geldschöpfer akzeptierte. Denn damit wäre der Idee eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells einer Tauschwirtschaft der Boden entzogen:

„Die ökonomische Theorie hat sich […] in die Idee verrannt, der gesamte wirtschaftliche Prozess müsse als Tauschprozess erklärbar sein, da er sich nur so als geordnete Welt eines allgemeinen Gleichgewichts darstellen lässt. Und in einer solchen Tauschökonomie gibt es zwar Sparen, aber keine Geldschöpfung“ (S. 155).

Ein derartiges Modell des allgemeinen Gleichgewichts lasse sich nur aufrechterhalten, wenn Geld neutral und ohne Einfluss auf die reale Wirtschaft sei (wenn Geld nicht neutral wäre, könnte die Wirtschaft nicht länger als ein System von Tauschprozessen geschildert werden, bei dem es zu einer gleichzeitigen Optimierung aller Konsum- und Produktionsentscheidungen komme). In einer Volkswirtschaft, in der Geld keine Rolle spiele (im genannten Sinne), ließen sich aber Investitionen allein durch Ersparnisse finanzieren.

Es ist aus den genannten Gründen nicht verwunderlich, dass die Mainstream-Ökonomik sich hartnäckig einer realistischen Analyse der Funktionsweise von Banken und der Wirkung des Geldes in einer modernen Volkswirtschaft verweigert.

Hoffnung auf Veränderung?

Natürlich stellt sich abschließend die Frage, wie die Chancen für das Netzwerk Plurale Ökonomik stehen, mit ihren Forderungen Gehör zu finden. Allzu großer Optimismus ist hier nicht angebracht. Am wahrscheinlichsten erscheinen zwei mögliche Reaktionen: Entweder die herrschende Lehre ignoriert die Kritik an ihrer Erklärung des Geldsystems weiterhin hartnäckig. Oder aber sie akzeptiert die Realität der Funktionsweise von Banken und nimmt entsprechende Änderungen in ihrer Darstellung vor, ohne allerdings die daraus resultierenden weitreichenden Folgen zu problematisieren. Das heißt, dass bei der isolierten Beschreibung der Tätigkeit von Banken zwar deren Fähigkeit zur Schaffung von Geld „aus dem Nichts“ anerkannt wird, aber in der Analyse des gesamten Wirtschaftsprozesses die Banken weiterhin als bloße Geldvermittler behandelt werden.

Hier entstünde dann die neue Aufgabe (nicht nur für das Netzwerk Plurale Ökonomik), die daraus resultierenden Widersprüche und Unvereinbarkeiten herauszuarbeiten.

 


Literatur & Anmerkungen

[4] In dieser Sichtweise erscheint dann auch die neoklassische Dichotomie (Zweiteilung) in eine Realsphäre und eine Geldsphäre gerechtfertigt. In der Realsphäre würden alle entscheidenden ökonomischen Fragen mit Ausnahme der Erklärung des Preisniveaus entschieden; die Geldsphäre liege wie ein Schleier über der Realsphäre, der erst gelüftet werden müsse, um die Geheimnisse der Ökonomie offenzulegen (Heine/Herr 2013, S. 203).

[5] In den Worten von Marx: „Die Formel selbst drückt aus, daß das Geld hier nicht als Geld verausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des Kapitals, Geldkapital ist. Sie drückt ferner aus, daß der Tauschwert, nicht der Gebrauchswert, der bestimmende Selbstzweck der Bewegung ist. […] Der Produktionsprozeß erscheint nur als unvermeidliches Mittelglied, als notwendiges Übel zum Behuf des Geldmachens“ (Marx, Das Kapital Bd. 2, MEW Bd. 24, Berlin 1977, S. 62). Interessanterweise nutzte Keynes offenbar in einer frühen Fassung seiner „General Theory“ Marx‘ Darstellung des Zirkulationsprozesses des Kapitals (MEW Bd. 24), um zu erklären, warum Geld eine wichtige Rolle spielt. In der Endversion der „General Theory“ verzichtete er dann aber auf die Übernahme der entsprechenden Ausführungen von Marx. Vgl. King 2015, S. 6.

[6] Der Ausdruck Geld „aus dem Nichts“ (von mir bewusst immer in Anführungszeichen gesetzt), der übrigens keineswegs nur von MMT-Anhängern benutzt wird, ist natürlich in dem Sinne gemeint, dass die betreffende Bank für dieses in actu geschaffene Geld nicht über vorherige Bankeinlagen, vorherige Guthaben bei der Zentralbank oder Bargeld im Tresor verfügen muss. Eric Jochem hat kürzlich die Verwendung dieses Ausdrucks als den tatsächlichen Sachverhalt teilweise verfälschend problematisiert (hier). Dies mag aus juristischer Sicht gerechtfertigt sein, aber der Begriff vereinfacht nicht nur eine ansonsten immer wieder notwendige umständliche Erklärung, sondern er trägt darüber hinaus auch zur Vermeidung von Missverständnissen bei. Dazu nur ein Beispiel: Vor einigen Jahren äußerte sich Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger 2008, in der New York Times wie folgt: „Lassen wir die weiterhin bestehende Verwirrung über das Argument, dass Banken Innengeld [ = Giralgeld] schaffen können – was niemand bestreitet – einmal beiseite […]“ (Übersetzung G.G.). Das wurde vielfach dahingehend interpretiert, dass sich Krugman nunmehr auch (vorübergehend?) der Kreditschöpfungstheorie angeschlossen habe (vgl. z.B. Binswanger 2015, S. 27). Jedoch hatte Krugman nicht geschrieben, dass „Banken Giralgeld aus dem Nichts schaffen können“. Liest man seinen Beitrag aufmerksam, so wird deutlich, dass er etwas anderes meinte, nämlich dass die Banken zusammen aufgrund ihrer Beziehungen untereinander die Geldmenge vervielfachen (in diesem Sinne „Geld schaffen“) könnten. Das aber ist die klassische „Theorie der partiellen Reservehaltung“ (mit dem Wirken des Geldschöpfungsmultiplikators). Dass Krugman keineswegs zur Kreditschöpfungstheorie gewechselt ist, wird deutlich, wenn man sich anschaut, wie er sich drei Jahre später – wiederum in der New York Times – äußerte: „Denn Banken erzielen ihre Gewinne, indem sie Einlagen hereinnehmen und die Geldmittel zu einem höheren Zinssatz ausleihen“ (Übersetzung G.G.).

[7] Das BIP deshalb, weil die Quantitätstheorie – zumindest in ihrer ursprünglichen Form – davon ausgeht, dass stets Vollbeschäftigung herrscht, somit das reale BIP dem Vollbeschäftigungsoutput entspricht und in unmittelbarer Zukunft nicht weiter erhöht werden kann.

[8] Das heißt: Das Geld, das zum Kauf von Staatsanleihen verwendet wird, ist „buchhalterisch“ gesehen das gleiche Geld (insgesamt betrachtet), das der Staat bereits ausgegeben hat: „In this way, the sale of debt by the government is really „borrowing“ funds that the government has already spent into existence when it ran the deficit“ (Mitchell 2015, S. 381).

[9] Wie oben dargestellt, vergeben Banken Kredite unabhängig von ihren jeweiligen Reservepositionen und leihen sich anschließend zusätzliche Reserven, wenn dies erforderlich ist (auf dem Interbankenmarkt oder bei der Zentralbank). Unter normalen Bedingungen brauchen sich solvente Banken niemals zu sorgen, dass sie benötigte Reserven eventuell nicht erhalten können. Die Zentralbank muss die Banken und mithin die Volkswirtschaft insgesamt stets mit den erforderlichen Reserven versorgen. Täte sie dies nicht, würde sie nicht nur die Banken in Zahlungsschwierigkeiten stürzen, sondern letztlich das gesamte Finanzsystem destabilisieren. Dies wiederum wäre nicht vereinbar mit ihrem Mandat der Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs.

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