Die gegenwärtige Berechnung des Bruttoinlandsprodukt ist äußerst problematisch und eine Fixierung darauf im Zusammenhang wirtschaftspolitischer Entscheidungen unangemessen. Doch müssen deswegen ökologische und soziale Indikatoren in das BIP einbezogen werden?

Auf ihrem Parteitag im November haben die Grünen beschlossen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als vorherrschendes Maß für Wachstum und Wohlstand ablösen zu wollen. „Das BIP ist blind für die sozialen Folgen und die ökologischen Schäden unseres Wirtschaftens“, heißt es im Leitantrag. Vorgeschlagen wird „ein neues Wohlstandsmaß, um neben den ökonomischen auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen zu messen“. Das klingt danach, als solle das BIP durch ein verbessertes BIP abgelöst werden, das auch ökologische und soziale Entwicklungen mit einbezieht. Das wäre ein Fehler.

Blair Fix von der York University stellt in dem Aufsatz „The Aggregation Problem: Implications for Ecological and Biophysical Economics“ fest, dass das BIP weder als das Wohlstandsmaß taugt, als das es allzu gern präsentiert wird, noch jemals als solches konzipiert war. (Ein kürzerer, aktuellerer und frei zugänglicher Aufsstz von Fix zusammen mit Nitzan und Bichler „Real GDP: The Flawed Metric at the Heart of Marcoeconomics” im Real World Economics Review Nr. 88 argumentiert ähnlich.)

Bei den Statistikern rennt er damit offene Türen ein.

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