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Politische Folklore | 14.01.2020

Das Lied vom viel zu großen Staat

Eine erstaunliche Allianz von Ökonomen trommelt für erhöhte öffentliche Investitionen. Für überzeugte Wirtschaftsliberale ein Grund zur Sorge – für Demokraten leider aber auch.

Unsere Jahreszählung orientiert sich an der behaupteten Geburt des Jesus von Nazareth. Freilich muss man zugeben, dass die Feststellung des Zeitpunkts der Geburt eines Wesens, das vom heiligen Geist gezeugt und von einer Jungfrau zur Welt gebracht wurde, nicht ganz so einfach sein dürfte. Daher ist es auch verzeihlich, dass von den Medien ein neues Jahrzehnt herbeigeschrieben wird, obwohl wir uns kalendarisch noch im alten Jahrzehnt befinden.

Wie dem auch immer sei, als ich im „Morgen Briefing“ des Handelsblatts lese, dass es „zur politischen Folklore der 1990er-Jahre gehörte, das Lied vom viel zu großen Staat, den man kleinsparen müsste“ anzustimmen, war ich spontan geneigt, 2020 als den Anbruch einer wirklich ganz neuen Zeitrechnung zu feiern.

Nicht nur, weil ich noch im Schlafanzug war, ließ ich dann jedoch nicht sofort die Sektkorken knallen. Aufgrund des Absenders der frohen Botschaft beschlichen mich, trotz meines Neujahresvorsatzes, mich weniger von Vorurteilen leiten zu lassen, mehr als nur leise Zweifel: Sollte tatsächlich in einem journalistischen Flaggschiff des Wirtschaftsliberalismus die Einsicht sich breit machen, [...]

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