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Konjunktur | 10.01.2020 (editiert am 14.01.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2019 – 1

Im Westen nichts neues. Der Rezessionskurs der deutschen Wirtschaft verschärft sich auch im November. Vor allem der Rückgang der Auslandsaufträge und die Abkühlung der Weltkonjunktur machen sich immer deutlicher bemerkbar.

Der Abschwung der deutschen Wirtschaft geht weiter. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes war der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im November 2019 saison- und kalenderbereinigt 1,3 % niedriger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (real und kalenderbereinigt) sind es ganze -6,5 %.

Zwar legte die schon seit Monaten schwache Binnenkonjunktur im November wieder leicht zu (Abbildung 1). So stiegen die Aufträge aus dem Inland um 1,6 %, das gleicht den Rückgang vom Vormonat um 3,2 % jedoch nicht aus.

Abbildung 1

Dass der insgesamt klare Abwärtstrend nicht gestoppt ist, zeigt die Entwicklung der Auslandsaufträge, die mit -3,1 % wieder deutlich im Sinkflug sind.

Abbildung 2

Vor allem die Auftragseingänge aus der Eurozone, die zuletzt noch eine Stütze der Konjunktur war, nahmen um 3,3 % ab (Abbildung 3). Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland fielen um 2,8 % gegenüber Oktober 2019. Ein Rückgang, der sowohl den Abwärtstrend der Vormonate als auch die abnehmende Weltkonjunktur bestätigt.

Abbildung 3

Auftragseingang in der Industrie weiter schwach

Insgesamt setzt sich die Stagnation in den verschiedenen Industriebranchen fort. Der Maschinenbau, der im Oktober einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen hatte, stürzt immer tiefer in die Krise (Abbildung 4). Auch die Schwächephase des wichtigen Vorleistungsbereich der Metallindustrie setzte sich im November weiter fort. Das gleiche gilt für die Sparte der Kraftwagen sowie von Chemie und Pharma, deren Auftragseingänge im November stagnierten.

Abbildung 4

Leichte Erholung, aber keine Trendwende in der Produktion

Der Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe ist weiter zu beobachten, wenngleich die reale Produktion im Produzierenden Gewerbe nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im November 2019 saison- und kalenderbereinigt 1,1 % leicht höher als im Vormonat ausfiel (Abbildung 5). Im Oktober ist sie nach Korrektur noch um 1,0 % gesunken.

Ähnliches gilt für die Industrieproduktion, die im November 2019 um 1,0 % gegenüber dem Vormonat gestiegen ist. Innerhalb der Industrie nahmen die Produktion von Investitionsgütern um 2,4 % und die Produktion von Konsumgütern um 0,5 % zu. Bei den Vorleistungsgütern ging die Produktion um 0,5 % zurück. Außerhalb der Industrie lag die Energieerzeugung um 0,8 % niedriger als im Vormonat. Das einzig wirkliche Zugpferd aber bleibt die Bauproduktion, die sich seit 2018 von der insgesamt negativen Entwicklung der Industrie und des Gewerbes abkoppeln konnte. Sie stieg im November um 2,6 %.

Abbildung 5

Krise hat Höhepunkt noch nicht erreicht

Die Zeichen der Zeit deuten nicht mehr nur auf eine Verschärfung der Rezession, sie hat sich bereits verschärft. Der November zeigte, dass die Krise wohl noch lange nicht ihren Höhenpunkt erreicht hat. Die EZB hat sämtliche geldpolitischen Möglichkeiten längst ausgereizt. Durch die institutionell bedingten fiskalischen Daumenschrauben in der Währungsunion ist eine Stabilisierung der Konjunktur derzeit nicht zu erwarten. Der verhaltene Optimismus der europäischen Wirtschaftsforscher, die in den ersten beiden Quartalen 2020 ein Wachstum von 0,3 Prozent erwarten, ist daher mit Vorsicht zu genießen.

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