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Konjunktur | 17.01.2020

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2019 – 2

Norwegen, Finnland und Polen sind Lichtblicke einer insgesamt stagnierenden europäischen Industrie. Auch Deutschlands Lage hat sich kaum geändert.

Zwar ist im November die Industrieproduktion in Deutschland um 1,0 % gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen, doch das dürfte nur ein Strohfeuer während des langfristig klaren Abstiegstrends sein (Abbildung 1). Damit löst sich die Entwicklung in Deutschland von den anderen großen Wirtschaftsnationen Frankreich und Italien, die – wie die gesamte EWU-19 – lediglich stagnieren.

Abbildung 1

Fast unverändert nach wie vor die Lage in Südeuropa. In Spanien und Griechenland setzt sich der Trend zur konjunkturellen Schwäche fort (Abbildung 2). Vor allem Griechenlands Industrieproduktion schrumpfte in den Monaten Oktober und November (-3,7 %) rapide. Portugal, hat seinen Schwung von 2017 längst verloren. Die kurze Erholung im Oktober kam im November zu einem jähen Ende. Spanien verharrt ähnlich wie sein großer Nachbar Frankreich im Stagnationsmodus.

Abbildung 2

In den kleineren Ländern ist der negative Konjunkturumschwung in Österreich im Oktober gestoppt worden. Das bestätigte sich nun auch im November, in der die Industrieproduktion der Alpenrepublik wieder leicht anziehen konnte. Es bleibt indes abzuwarten, ob diese Entwicklung Bestand hat (Abbildung 3). In Belgien bestätigt sich der jüngste Abschwung nach einem seit 2016 andauernden Weg nach oben. Der deutliche Rückgang im November bestätigt die Indizien, dass der Aufschwung auch hier vorüber ist. Die Entwicklung in den Niederlanden stagniert weiter. Im November gab es einen leichten Rückgang der Produktion, das Land kommt nun schon seit fast 2 Jahren nicht mehr von der Stelle.

Abbildung 3

In Nordeuropa spielen sich recht widersprüchliche Entwicklungen ab (Abbildung 4). Während Dänemarks Industrieproduktion im Oktober und November (-4,7 %) rapide abgestürzt ist, scheint sich in Norwegen exakt gegenteiliges abzuzeichnen. Das Land scheint sich aus der industriellen Krise befreien zu können. Auch Finnland und Schweden konnten im November leicht zulegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat konnte Finnland seine Zuwächse gar um 3,7% steigern. Insgesamt sieht die Lage in Nordeuropa weit freundlicher aus als im Rest der EU.

Abbildung 4

Wenig Neues gibt es im Baltikum (Abbildung 5). Estland, weit abgefallen, stagniert mit nur minimalen Zuwächsen im Oktober und November. Das gleiche gilt auf höherem Niveau für Lettland. Litauen kann seine leicht positive Entwicklung seit 2018 noch fortsetzen (+3,0 % im November).

Abbildung 5

Auch in den kleineren mittel- und osteuropäischen Staaten sind Stagnationstendenzen nach einer langen Aufschwungsphase unverkennbar (Abbildungen 6 und 7). In allen Ländern mit Ausnahme von Polen ging die Industrieproduktion im November zurück. Polen als Lichtblick konnte zum zweiten Mal in Folge einen Anstieg verzeichnen (+1,6%). Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Industrieproduktion um 5,6 % und befindet sich damit auf einem Rekordhoch.

Abbildung 6
Abbildung 7

Im Euroraum insgesamt (ER19) stieg laut Eurostat im November 2019 die saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber Oktober 2019 um 0,2 % und sank in der EU28 um 0,1 %. Noch im Oktober 2019 war die Industrieproduktion um 0,9 % im Euroraum und 0,6 % in der EU28 gesunken. Das ganze Ausmaß der Rezension wird deutlich, wenn man die Daten mit November 2018 vergleicht. Seitdem ging die Industrieproduktion im Euroraum um 1,5 % und in der EU28 um 1,3 % zurück.

Noch besorgniserregender ist die Entwicklung in Großbritannien. Im November gab es einen Rückgang von 1,2 %. Ob die Ursachen nun in den getrübten Erwartungen angesichts des bevorstehenden Brexits zu suchen sind oder nicht, die konjunkturelle Entwicklung der britischen Industrie entfernt sich seit 2017 immer mehr von der des Kontinents.

Abbildung 8

Interessant dürften die Investitionspläne der EU-Kommission im Zuge des für 2020 angesetzten Green Deal für die europäische Industrie sein. Ein großer Teil des EU-Haushalts – geplant sind 485 Milliarden Euro – soll dafür aufgebracht werden. Hinzu soll ein 100 Milliarden Euro schwerer Fonds für Braunkohleregionen kommen. In Stein gemeißelt ist, nicht zuletzt wegen der Blockadehaltung Deutschlands, allerdings noch nichts.

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