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Konjunktur | 11.02.2020

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühwinter 2019 – 1

Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr, meldet das Ifo-Institut zum Jahresende. Doch auf welcher Grundlage? Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Dezember satte 3,5 Prozent weniger her als im Vormonat.

Der Auftragseingang beim verarbeitenden Gewerbe in Deutschland fällt – und fällt. Im Dezember ist er um 2,1 % zum Vormonat gesunken. Das sind ganze 8,7 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. (Abbildung 1). Damit verschärft sich das seit Beginn 2018 klar erkennbare Rezessionsszenario weiter.

Abbildung 1

Vor allem der deutliche Auftragseinbruch aus dem Ausland macht dem deutschen verarbeitenden Gewerbe zu schaffen. Der Auftragseingang aus dem Inland stieg im Dezember – freilich unterhalb des Stagnationsniveaus – leicht an (Abbildung 2).

Abbildung 2

Dabei war es vor allem das Geschäft in der Eurozone, das mit 15,8 % stark eingebrochen ist (Abbildung 3). Abwechselnd sinkt entweder die Nachfrage aus Europa und aus dem Rest der Welt. Doch beide Zyklen haben seit 2018 eine klare Abwärtstendenz.

Abbildung 3

Umso erstaunlicher ist, dass sich der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe trotz der desolaten Zahlen etwas erholen konnte (Abbildung 4). Warum die Erwartungen der Unternehmer im Dezember weitaus weniger pessimistisch waren, wie das Ifo-Institut berichtet, obwohl die Produktionspläne weiter auf Kürzungen ausgerichtet sind, lässt sich kaum nachvollziehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Nachfrage in der Industrie und die Produktion diesem Indikator folgen.

Abbildung 4

Doch auch die Auftragslage bei den verschiedenen Zweigen der Industrie gibt keinen Anlass zur Zuversicht (Abbildung 5). Die Aufträge für die Automobilindustrie stagnierten seit Anfang 2019 auf niedrigem Niveau. Es hat sich gezeigt, dass die durch die europäischen Zulassungsregeln verzögerten Automobilkäufe vom Herbst 2018 zwar zu einer starken Erholung im Vorjahresmonat führten, die aber nicht das wirkliche Nachfrageverhalten widerspiegelte.

Die Bereiche Metalle, Maschinenbau sowie Chemie und Pharma befinden sich allesamt unter dem Stagnationslevel. Allein die Datenverarbeitung konnte sich im Dezember einer deutlich steigenden Auftragslage erfreuen.

Abbildung 5

Die Industrieproduktion insgesamt befindet sich im freien Fall und erreichte im Dezember einen neuen Tiefpunkt seit 2014 (Abbildung 6). Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Produktion um 6,8 % – und damit so stark wie seit Ende 2009 nicht mehr. Am dramatischsten aber ist die Entwicklung bei der Bauwirtschaft. Hier gab es im Dezember einen Einbruch um 10 %. Das liegt vor allem am Ausbaugewerbe, das massiv an Boden verliert. Der sogenannte „Bauboom“ in Deutschland hat ein jähes Ende gefunden.

Abbildung 6

Das zeigt, eine Rezession ist nicht so einfach wegzurechnen. Was man in Deutschland über Monate nicht wahrhaben wollte, tritt nun doch ein. Hatte das Statistische Bundesamt zuletzt und wohl mit Taschenspielertricks noch ein „Wachstum“ der deutschen Wirtschaft im vergangenen Sommer um 0,1 Prozent ausgerechnet, gab es mit der schwachen Dezember-Produktion einen herben Dämpfer. Analysten gehen davon aus, dass die Wirtschaft zum Jahresende trotz anders lautender Hinweise des Statistischen Bundesamtes nur stagniert oder gar leicht gefallen sein könnte.

Lesen sie im zweiten Teil, wie sich die Industrieproduktion in Europa entwickelt hat.

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