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Debatte Kapitalexporte | 11.02.2020

Es gibt keinen Kapitalexport, es gibt keinen Kapitalexport, es gibt keinen Kapitalexport

Die rationale Diskussion des deutschen Leistungsbilanzüberschusses in Deutschland – an dieser Erkenntnis führt kein Weg vorbei – scheitert am wörtlichen Verständnis des Begriffs „Kapitalexport“ in der Öffentlichkeit und unter Ökonomen.

Die EU – so erfahren wir in der ZEIT – sieht Leistungsbilanzdefizite (und die ihnen gegenüberstehenden -überschüsse) kritisch, weil sie zu „Schulden der Defizitstaaten“ führten. Ins gleiche Horn stößt Christian Grimme vom Ifo-Institut, wenn er erklärt, Deutschland liefere mit dem Nettokapitalexport (Überschuss der Zahlungseingänge über Zahlungsausgänge im Rahmen der Kapitalbilanz  = Kapitalbilanzdefizit) die Kredite für die eigenen Lieferungen ans Ausland gleich mit.

Wie aber muss man sich das mit der Kreditgewährung an das Ausland praktisch vorstellen? Von der ersten Währungseinheit an,  für die mehr exportiert als importiert wird (und für die insoweit ein Kapitalbilanzdefizit entsteht), schließen die ausländischen Kunden deutscher Unternehmen plötzlich Kreditverträge mit Deutschland, ihren deutschen Lieferanten oder deutschen Banken ab?

Nichts von alledem. Ob die ausländischen  Kunden ihre Käufe bei deutschen Unternehmen aus eigenen Mitteln bestreiten oder durch Kredite finanzieren, hat mit dem deutschen Kapitalbilanzdefizit nicht das Geringste zu tun.

Hinsichtlich der deutschen Exporte (gebucht auf der linken Seite der Handelsbilanz) gibt die Position „Kapitalexport“ (gebucht auf der rechten Seite der Kapitalbilanz) vielmehr  lediglich die deutschen Exporteinnahmen wieder. [...]

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