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Konjunktur | 10.03.2020

Die deutsche und europäische Konjunktur im Winter 2019/2020 – 1

Der Januar beschert der rezessiven deutschen Wirtschaft ein kurzes Zwischenhoch – der Auslandsnachfrage sei Dank. Doch Corona wird den taumelnden Riesen nun endgültig zu Fall bringen.

Corona hin oder her: dass der Abschwung der deutschen Wirtschaft schon lange da ist, zeigen sämtliche Konjunkturberichte. Daran ändert ein Anstieg im Januar (5,4 %), der vor allem einem Schub aus dem Ausland (10,5 %) zu verdanken ist, wenig (Abbildung 1). Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe bewegen sich weiter unter dem Index und sind schwächer als im Vorjahresmonat (-1,5 %).

Abbildung 1

Ähnlich wie die Auftragseingänge befand sich auch der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe seit Dezember 2017 klar auf Rezessionskurs, der sich erst im Herbst 2019 verlangsamte, beziehungsweise wieder umkehrte. Diese Tendenz dürfte aber wegen Corona nicht mehr von langer Dauer sein.

Abbildung 2

Bei der Auslandsnachfrage ist es sowohl die Nachfrage aus dem Euroraum als auch die globale Nachfrage, die kurzzeitig stark gestiegen sind (Abbildung 3). Allerdings ist die Auslandsnachfrage starken Schwankungen unterworfen, die darauf hinweisen, dass die grundlegende Abschwungtendenz nicht beendet ist. Corona wird in den Folgemonaten für einen starken Einbruch sorgen, so dass die Nachfrage bei ausbleibenden wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen mittelfristig unter den Index fallen wird.

Abbildung 3

Von dem Januar-Hoch der Auslandsnachfrage profitierten auch sämtliche Zweige der Industrie. Selbst der zuletzt arg gebeutelte Maschinenbau konnte im Vergleich zum Dezember ein Plus von 5,4 % verzeichnen (Abbildung 4). Stark legte zuletzt auch die Datenverarbeitung zu (3,3 %). Hätte man nur diese Abbildung zur Verfügung, könnte man auf eine konjunkturelle Trendwende hoffen.

Abbildung 4

Ein zweischneidiges Bild zeigen Bau und das Produzierende Gewerbe insgesamt. Während letzteres zusammen mit der Industrie im Januar leicht zulegen konnte (3 %), sich langfristig aber auf die Rezession zubewegt, konnte sich das Baugewerbe zumindest statistisch nach dem starken Rückgang im Dezember wieder deutlich steigern (5,3%). Damit koppelt sich der Bau immer stärker von den übrigen Sektoren ab. (Abbildung 5).

Abbildung 5

Allerdings sind die Zahlen zum Baugewerbe mit Vorsicht zu genießen. Bereits im Januar 2019 wies die Deutsche Bundesbank entgegen den Verlautbarungen des Statistischen Bundesamtes nach, dass die gesamte Produktion in der Bauwirtschaft keinerlei konjunkturelle Bewegung zeigte, sondern seit der statistischen Korrektur des Niveaus nach oben zu Beginn des Jahres 2017 flach wie ein Brett war.

Angesichts des Corona-Virus, das nun voll auf die globalen Lieferketten durchschlägt, dürfte es sich auch bei Produktion und Auftragseingängen nur um eine kurze Belebung handeln. Das dortige Plus ändert also nichts an der Richtung der Konjunktur, die insgesamt nach unten zeigt. Vor allem die Schwäche der Auftragseingänge aus dem Inland und die deutsche Exportabhängigkeit werden jetzt zu einem sehr großen Problem. Nachdem an den asiatischen und europäischen Börsen die Kurse stark gefallen sind, hat die Wallstreet den Aktienhandel am Montag zeitweilig ausgesetzt.

Umso dringender müsste die deutsche Politik jetzt mit einem massiven Investitionspaket antworten, um wenigstens die Binnenwirtschaft zu beleben. Doch das ist weit und breit nicht in Sicht. Wirtschaftsminister Peter Altmeier rät, „ruhig und besonnen zu bleiben“ und Finanzminister Olaf Scholz will solange abwarten, bis „die Lage es erfordert.“

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