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Konjunktur | 17.04.2020 (editiert am 29.04.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätwinter 2019/2020 – 1

Die Corona-Krise lässt den Ifo-Index um über 18 Prozent einbrechen. Damit wirft der Index den Schatten der kommenden Depression. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die schwache Nachfrage dem Geschäftsklima folgt.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe blieben auch im Februar durchwachsen. Die Nachfrage ging insgesamt um 5 % zurück. Die Inlandsnachfrage bewegt sich seit März vergangenen Jahres unter dem Index und liegt bei -4,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat (Abbildung 1).

Abbildung 1

Die Auslandnachfrage, die die deutsche Wirtschaft im besonderen Maße trägt, hat ihr kleines Zwischenhoch vom Januar wieder beendet. Sie sank im Februar um 7,9 % und befindet sich damit seit 2018 im Abwärtstrend (Abbildung 2).

Abbildung 2

Effekte der Corona-Pandemie

Dabei waren es beide Komponenten (Eurozone und Nicht-Eurozone), die sich wieder abschwächten (Abbildung 3). Der Auftragseingang aus der Eurozone war schon seit Anfang 2018 rückläufig. Und auch die Nachfrage aus dem Rest der Welt pendelt sich Richtung Index. Dieser Rückgang wird sich im März und April vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der konjunkturellen Schwäche in China noch weiter verstärken. Erste Effekte der Corona-Pandemie zeigten sich im Warenverkehr mit der im Februar besonders vom Coronavirus betroffenen Volksrepublik: Die Exporte nach China nahmen gegenüber Februar 2019 um 8,9 % auf 6,8 Milliarden Euro ab, die Importe aus China sanken um 12 % auf 7,4 Milliarden Euro. Bereits im Januar waren die Exporte nach China (-6,5 %) und die Importe aus China (-0,5 %) rückläufig gewesen.

Abbildung 3

Klimakrise beim Ifo-Index

Stellt man den ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe neben den Auftragseingang, zeigt sich, dass sich der Index von der Nachfrage völlig entkoppelt hat und im März angesichts der Corona-Krise mit satten -18,2 % noch einmal stark eingebrochen ist (Abbildung 4). Damit wirft der Index bereits den Schatten der kommenden Depression und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Nachfrage dem Geschäftsklima folgt. Der ifo-Index hat nun das Niveau von September 2009 erreicht.

Abbildung 4

Maschinbau steht vor Stellenabbau

In den einzelnen Branchen ist es vor allem Chemie und Pharma, die gegen die Rezession ankämpft und noch einmal an Boden gewonnen hat (2,6 %). Auch in der Automobilbranche ging es zuletzt mit dem gleichen Wert wieder aufwärts. Die Metalle, ein reiner Vorleistungszweig, stagnieren nah am Index (Abbildung 5). Mit -5,2 % stark eingebrochen ist hingegen der Maschinenbau, der Mitten in der Vor-Corona-Krise steckt. Entsprechend sank die Beschäftigtenzahl im Maschinenbau bereits im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat mit -1,2 %.

Abbildung 5

Schere zwischen Bau und Industrie wächst weiter

Der Boom der Bauwirtschaft setzte sich entgegen den Erwartungen der Redaktion in den vergangenen Monaten, vor allem aufgrund eines starken Anstiegs im Januar (7,2%) fort, auch wenn es im Februar wieder einen kleinen Rückgang gab (Abbildung 6). Immer deutlicher tritt dabei die Diskrepanz zur Entwicklung in der Industrie zu Tage, die in Rezension steckt und sich erst im Januar und Februar kurzzeitig erholen konnte.

Abbildung 6

Größere Auswirkungen der Corona-Krise sind ab dem Berichtsmonat März 2020 zu erwarten. Doch schon jetzt gibt es neben den gesamtwirtschaftlichen Prognosen von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker im Bereich des Personen- und Güterverkehrs einschneidende Zahlen, die auf Covid-19 zurückzuführen sind.

So sind schon im Februar 2020 3,6 % weniger Fluggäste als im Vorjahresmonat an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen gestartet oder gelandet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sank auch auf innerdeutschen Verbindungen die Zahl der startenden Fluggäste im Vergleich zum Februar 2019 um 15,1 % auf 1,5 Millionen Personen. Der Rückgang war damit noch einmal stärker als im Januar 2020 (-9,0 % gegenüber Januar 2019).

Die insgesamt beförderte Luftfrachtmenge ging im Februar 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 % auf 346 000 Tonnen zurück. Auch hier war der China-Verkehr stark betroffen: Nach China wurden 15 000 Tonnen Luftfracht versendet (-26,5 %) und 14 000 Tonnen aus China empfangen (-24,4 %).

Einen deutlichen Rückgang hat auch die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastkraftwagen auf den Bundesautobahnen zu verzeichnen. Im März 2020 ist sie saisonbereinigt um 5,9 % gegenüber Februar 2020 gesunken. Das war der stärkste je gemessene Rückgang gegenüber einem Vormonat seit Einführung der Lkw-Maut im Jahr 2005. Einen ähnlich deutlichen Rückgang der Lkw-Fahrleistung hatte es zuletzt während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gegeben: Im Januar 2009 war der saisonbereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex um 4,3 % gegenüber dem Vormonat gesunken.

Doch all das sind noch vorläufige Zahlen. Die richtigen Rechnungen werden uns erst für März, April und wohl auch Mai präsentiert.

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