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Konjunktur | 24.04.2020 (editiert am 29.04.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätwinter 2019/2020 – 2

Seit zwei Jahren schleppt sich die Industrieproduktion in Europa nun schon schwächelnd vorwärts, immer näher an den Corona-Abgrund. Auch der Februar stand im Zeichen der Stagnation.

Schon im Februar 2019 prognostizierten wir, dass sich die Schwächephase der europäischen Konjunktur ohne neue Impulse fortsetzen werde. Seitdem ist – im Vergleich zum Vorjahresmonat – die Produktion im Euroraum um -1,7 % gesunken. (Abbildung 1). Italien erlebt nach einem kräftigen Anstieg im Januar wieder einen Rückgang und liegt damit -2,7 % unter Vorjahresniveau. Frankreich befindet sich – trotz eines erneuten Anstiegs im Februar – bei -1,6% im Vergleich zum Februar 2019. Das verdeutlicht den Abwärtstrend, der im Frühjahr 2018 in den wichtigsten Industrienationen einsetzte. Deutschland, seit Beginn der europäischen Abwärtsbewegung einer der größten Verlierer, konnte im Februar ebenfalls einen leichten Anstieg verzeichnen (0,5 %) und liegt nun wieder knapp und kurz über den Index.

 

Abbildung 1

Die EWU insgesamt und ohne Deutschland macht eine ähnlich rezessive Entwicklung durch. Auch hier gab es nach einem deutlichen Anstieg im Januar wieder einen leichten Rückgang im Februar – Tendenz weiter nach unten (Abbildung 2). Noch deutlicher abwärts geht es mit der Industrieproduktion im Vereinigten Königreich. Die leichten Geländegewinne im Februar (0,1%) können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Land in einer ähnlich rezessiven Entwicklung wie Deutschland befindet.

Abbildung 2

In Südeuropa fand die langsame, aber stetige Erholungsphase der griechischen Industrieproduktion im November 2018 ihr Ende, seitdem geht es wieder Bergab: -4,1 % im Februar, nachdem es im Januar noch einmal ein Zwischenhoch gab. (Abbildung 3). Ein ähnliches Zwischenhoch gab es in den Vormonaten auch in Portugal, doch der eigentliche Aufschwung ging hier bereits im August 2017 zu Ende. Auch in Spanien, lange in einer Stagnationsphase, geht es tendenziell abwärts. Insgesamt befindet sich Südeuropa nun schon seit über 2 Jahren in einer Schwächephase, die in den Folgemonaten endgültig in einer neuen Rezession seit Ende der Finanzkrise münden dürfte.

Abbildung 3

In den kleineren nördlichen Ländern ist die Entwicklung gemischt (Abbildung 4). Während sich die Niederlande nicht vom Index lösen können, und Österreich dem industriellen Abschwung seit Februar 2019 doch noch einmal einen kräftigen Anstieg entgegensetzen konnte (im Januar 6%, Daten für Februar noch nicht vorhanden), hatte Belgien bis zuletzt noch Monate des Aufschwungs erleben können. Hier gab es im Januar einen Einbruch (-4,5 %), das Land befindet sich allerdings noch über dem Niveau des Vorjahresmonats (0,6 %).

Abbildung 4

Auch die lange sehr gute konjunkturelle Entwicklung in Skandinavien ist nun endgültig in Stagnation übergegangen (Abbildung 5). Doch hier gibt es einen sonderbaren Ausreißer: Norwegen, dass zu den restlichen skandinavischen Ländern eine gegenläufige Entwicklung hatte, befreite sich in den letzten Monaten aus einer Rezession – plus 2,6 % im Februar.

Anders Schweden und Finnland, die sich kaum noch von der Stelle bewegen. Dänemark ist weiterhin enormen Schwankungen ausgesetzt, plus 4 % im Februar, allerdings mit klarer Tendenz nach unten.

Abbildung 5
Abbildung 5

Im Baltikum hat sich am Niveau der Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat nicht viel geändert. Es bleibt im Großen und Ganzen bei einer Stagnation auf dem vor 2 Jahren erreichten Niveau (Abbildung 6). Hier hat Estland die Sonderrolle inne. Nach einem Einbruch Anfang 2019 und einer Abkopplung von den übrigen baltischen Ländern gab es im Februar wieder einen deutlichen Anstieg von 9 %.

Abbildung 6
Abbildung 6

In einigen anderen mittel- und osteuropäischen Ländern ist – abgesehen von Tschechien und der Slowakei – die Aufwärtsbewegung weiter intakt, wenn auch abgeschwächt. Polen, Slowenien und Ungarn verzeichneten im Februar Produktionszuwächse und befinden sich auf hohem Niveau. Die Industrieproduktion bleibt dort ein Treiber des Wachstums (Abbildung 7).

Abbildung 7

Unverändert ist die Lage in Bulgarien und Kroatien, wo es nach wie vor nicht nach einer konjunkturellen Belebung aussieht (Abbildung 8). In Rumänien ist die Konjunktur mittlerweile eingebrochen. Trotz eines leichten Anstiegs im Januar und Februar befindet sich das Land weit unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

In diesen Ländern, wir haben oft darauf hingewiesen, ist die industrielle Basis aber meist sehr klein. Sie sind angewiesen auf westliche Firmen, die dort produzieren. Daraus ergeben sich oft Schwankungen, die gesamtwirtschaftlich kaum zu interpretieren sind.

Abbildung 8

 

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