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Konjunktur | 15.05.2020 (editiert am 22.05.2020)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühjahr 2020 – 1

März ist der Corona-Monat für die Konjunktur. Jetzt zeigt sich, wie gewaltig der Einbruch durch die Pandemie in Deutschland wirklich ist. Dabei handelt es sich allerdings nur um den ersten Krisenmonat.

Klar, die deutsche Wirtschaft befand sich – lange von der deutschen Wirtschaftspolitik ignoriert – schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in der Rezession. Mit den Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe war es bereits in den Vormonaten nicht zum Besten bestellt.

Im März aber sind die Auftragseinbrüche im Zuge der Pandemie mit einer Wucht durchgeschlagen, die mit Fug und Recht historisch zu nennen ist (Abbildung 1). Insgesamt und saisonbereinigt sind die Auftragseingänge um sage und schreibe -16 % eingestürzt. Willkommen in der Depression.

Abbildung 1
Abbildung 1

Der Einsturz betrifft die schon zuvor schwachen Auftragseingänge aus dem Inland (-14,5 %) und – wie aufgrund der deutschen Exportlastigkeit nicht anders zu erwarten – noch stärker das Ausland (-17,1 %) (Abbildung 2).

Besonders drastisch eingestürzt ist die hier nicht angezeigte Nachfrage bei den Investitionsgüterherstellern aus dem Inland (-23 %) und Ausland (-22,9 %). Das ist auch insoweit dramatisch, als dass die Investitionsnachfrage der deutschen Unternehmen der wichtigste Indikator für die gesamtwirtschaftliche Investitionstätigkeit und auch den für die Volkswirtschaft wichtigsten Bereich insgesamt darstellt.

Insgesamt kaum betroffen war hingegen die Nachfrage nach Konsumgütern (-1,4 %), wobei die Inlandsnachfrage sogar um 1,3 % im Vergleich zum Vormonat zulegen konnte. Für den Rückgang war also allein der Einbruch der Auslandsnachfrage (-3,5 %) und dort wiederum speziell die Eurozone (-8,3 %) verantwortlich.

Abbildung 2

Bei der Auslandsnachfrage stürzte der Euro-Raum mit insgesamt -18,9 % ab, die Nicht-Eurozone mit -16 %, was die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes unterstreicht.

Abbildung 3

Kein Grund zur Zuversicht

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Mit der Euphorie der deutschen Unternehmen war es schon lange vor Corona nicht sehr weit her. Seit Februar hat sich das Geschäftsklima nun noch weiter verschlechtert und das – kaum verwunderlich – sehr deutlich. Von Februar bis April, also mit einiger Verspätung seit den Vorfällen in Wuhan, ging es um insgesamt 20 Punkte herunter. Damit hat sich das Geschäftsllima der Nachfrage weitgehend angepasst. So deutlich unter dem Index lag das Geschäftsklima zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-10. Nein, Deutschland hat derzeit keinen Grund zur Zuversicht.

Abbildung 4

Maschinenbau und Autoindustrie sind die großen Verlierer

Blickt man auf die einzelnen Industriesektoren, sind insbesondere der schon zuvor in der Krise steckende Maschinenbau (-16 %) und noch schlimmer die Autoindustrie (-30,2 %) von der Corona-Pandemie in Mitleidenschaft gezogen worden (Abbildung 5). Firmen wie Volkswagen haben sich den Shutdown selbst auferlegt und die Produktion in den deutschen Werken bis Ende April eingestellt. Doch auch jetzt muss VW aufgrund des Nachfrageeinbruchs die Arbeit nach dem jüngsten Wiederanlauf stellenweise schon wieder herunterfahren.

Einzig und allein schadlos hielt sich im März die Chemie und Pharma-Branche (-0,8 %), die – naheliegend – teilweise von der Pandemie profitieren konnte.

Abbildung 5

Auch die Produktion stürzt tief

Erwartungsgemäß ist mit den Auftragseingängen auch die Produktion im März tief gestürzt. Im verarbeitenden Gewerbe insgesamt waren es -9,4 %, in der Industrie sogar -11,7 %. Doch der Boden des Abgrunds, das zeigt das Beispiel VW deutlich, ist noch lange nicht erreicht. Das Niveau der Produktion wird sich in den kommenden Monaten gemäß der Auftragslage nach unten anpassen und damit den Einbruch von 2008-10 in den Schatten stellen.

Die Bauwirtschaft ist vorerst die große Krisengewinnerin unter den Wirtschaftssektoren. Trotz Corona-Krise ging es im März um satte 2,1 % im Vergleich zum Vormonat nach oben. Die sich nun schon über 2 Jahre erstreckende Konjunktur hält also weiter an und ist somit der einzig verbliebene Lichtblick in Zeiten der Corona-Pandemie.

Abbildung 6

 

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