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Arbeit | 08.06.2020

Das Virus in den Gewerkschaften

Wann, wenn nicht jetzt? Eigentlich müssten die Gewerkschaften die Corona-Krise nutzen, um aus ihrer gesamtwirtschaftlichen Konfusion auszubrechen und verlorenes Terrain zurückerobern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist seit Jahrzehnten von einem Virus befallen. Dieses Virus heißt IG Chemie (heute IG BCE – Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie – was die Sache nicht besser macht). Dieses Virus hat einen wirkungsmächtigen Trägerorganismus. Die IG Chemie ist die wohl am stärksten von Konzernbetriebsräten und Aufsichtsräten gesteuerte Gewerkschaft Europas.

Und es ist die von diesen Konzernstrategen transportierte Erkenntnis über die globalen Zusammenhänge in der Ökonomie, welche die gesamte deutsche Gewerkschaftswelt infiziert hat. Das Virus fand neue Wirte in der Automobilindustrie, hatte bereits vorher Wirte im Energiesektor und breitete sich mit hoher Geschwindigkeit vor allem auch in der Nord-SPD aus.

Es muss daher auch niemanden überraschen, dass es die IG Chemie und ihre Funktionäre waren, die als wichtigster gewerkschaftlicher Ansprechpartner der Regierung Schröder den DGB bei Seite schoben und aktiv an der Konzipierung des Niedriglohnsektors mitwirkten. Das war Karriere fördernd – bis in die DGB Spitze und die Bundesregierung hinein. Franz Müntefering, Hubertus Heil und Olaf Scholz waren gemeinsam mit Peter Hartz, Reiner Hoffmann, Michael Vassiliadis und anderen Strippenziehern bei der Durchsetzung der Agenda-Reformen und der brachialen Exportüberschussstrategie auf Kosten der Beschäftigten im eigenen Land sowie der europäischen Handelspartner geradezu hyperaktiv. [...]

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