{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/142026/bildung-die-stille-sparpolitik-trifft-ein-system-am-limit/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-WNZ082Y5QNCf_4FNChbAOw-de","slug":"bildung-die-stille-sparpolitik-trifft-ein-system-am-limit","articleType":"Normal","visibility":"Offen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-Slk3XpZfTr-WC18CeMvZoA-de","slug":"michael-schedelik","name":"Michael Schedelik","description":"<p><strong>Michael Schedelik</strong> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich &bdquo;Internationale Beziehungen und Internationale Politische &Ouml;konomie&ldquo; am Institut f&uuml;r Politikwissenschaft der Goethe-Universit&auml;t Frankfurt am Main.</p>","shortDescription":"<p><strong>Michael Schedelik</strong> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich &bdquo;Internationale Beziehungen und Internationale Politische &Ouml;konomie&ldquo; am Institut f&uuml;r Politikwissenschaft der Goethe-Universit&auml;t Frankfurt am Main..</p>","picture":null,"books":[]}],"title":"Bildung: Die stille Sparpolitik trifft ein System am Limit","smallTitle":"Bildungssystem","publishDate":"2026-04-22T00:00:00+02:00","editDate":null,"seo":{"image":{"fixed":{"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&fit=crop&h=627&w=1200"}}},"image":{"title":"IMAGO / Rolf Zöllner","fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoICAgLChELDhgQFg0NDh0VDQ4YFxMZGBYTFhUaHysjGikoHSEiJDUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLDg0OHA0KEC8cFhw7Oy8vLy8vLy8vLy8vNS8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABAAGAMBIgACEQEDEQH/xAAYAAEAAwEAAAAAAAAAAAAAAAAGAQUHAP/EACAQAAEEAgEFAAAAAAAAAAAAAAEAAgMFBBEyBhIUIjH/xAAVAQEBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAEBf/EABcRAAMBAAAAAAAAAAAAAAAAAAADIgL/2gAMAwEAAhEDEQA/AKKowcYOGnBM4a+B+MPYLK6aykbolxSuK9k8fQcfinNTQ7DJEzaHDl5PChCJ+oMuN57XlcnLTIDbKP/Z","aspectRatio":1.502824858757062,"width":4256,"height":2832,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.05&w=4256 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.1&w=4256 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.19&w=4256 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.29&w=4256 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.38&w=4256 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=0.57&w=4256 2400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776760635-imago60839877.jpg?auto=format&dpr=1&w=4256 4256w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-Q1Zw6LQ7Q9abctgM7IXDwQ-de","text":"<h3 class=\"MsoNormal\">Seit Jahrzehnten leidet das Bildungssystem an chronischer Unterfinanzierung. Mehr und mehr wird eine staatliche Kernaufgabe aufs Spiel gesetzt und zunehmend Privatschulen &uuml;berlassen. Doch die sind Teil des Problems.<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Das deutsche Bildungssystem steht vor immensen Herausforderungen. Genannt seien nur einige Schlagworte: Integration, Digitalisierung, Fachkr&auml;ftemangel, marode Infrastruktur, Ganztagsbetreuung, soziale Ungleichheit. Seit Jahrzehnten sind die Probleme bekannt &ndash; und doch geschieht wenig bis nichts. Deutschland ist immer noch weit von dem selbstgesetzten Anspruch einer &bdquo;Bildungsrepublik&ldquo; entfernt. Denn Bildung genie&szlig;t aller politischen Rhetorik zum Trotz hierzulande keine Priorit&auml;t. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das l&auml;sst sich auch an den Bildungsausgaben ablesen. Diese sind zwar in den vergangen zehn Jahren absolut um 46 Prozent gestiegen, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt waren das allerdings nur magere 0,2 Prozentpunkte. Nach wie vor liegen die Bildungsinvestitionen in Deutschland mit 4,4 Prozent des BIP unter dem <a href=\"https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2025/09/education-at-a-glance-2025_c58fc9ae/9783763979257.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OECD-Durchschnitt</a> und deutlich unter den Ausgaben von L&auml;ndern wie Israel, Norwegen und dem Vereinigten K&ouml;nigreich mit &uuml;ber 6 Prozent. Gemessen an den stetig steigenden Sch&uuml;lerzahlen und den vielf&auml;ltigen Problemen ist das vollkommen unzureichend. Nach Berechnungen der <a href=\"https://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_246_Vorausberechnung_Schueler_Abs_2024_2040.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kultusministerkonferenz</a> werden im Jahr 2032 insgesamt 11,8 Millionen Sch&uuml;ler beschult werden m&uuml;ssen, knapp 600.000 mehr als 2024.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bildungspolitik ist in Deutschland bekanntlich L&auml;ndersache und wird von L&auml;ndern und Kommunen gemeinsam getragen. Erstere sind vor allem f&uuml;r Hochschulen, schulische Inhalte und das Lehrpersonal zust&auml;ndig, letztere f&uuml;r den Bau und die Ausstattung der Schulgeb&auml;ude sowie die Bereitstellung von Kindertagesst&auml;tten und Hortpl&auml;tzen. Laut einer aktuellen <a href=\"https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Kommunalpanel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KfW-Befragung</a> der Kommunen bel&auml;uft sich der Investitionsr&uuml;ckstand allein bei Schulgeb&auml;uden auf 67,8 Milliarden Euro &ndash; ein Rekordwert. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch beim Lehrpersonal herrscht frappanter Mangel, der von den Verantwortlichen konsequent heruntergespielt wird. W&auml;hrend die Kultusministerkonferenz von 50.000 Lehrern im Jahr 2035 ausgeht, werden nach Berechnungen des Bildungsforschers <a href=\"https://www.fibs.eu/fileadmin/user_upload/images/Leistungen/FiBS-Forum_79_Lehrkraeftebedarf_240301_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieter Dohmen</a> zu diesem Zeitpunkt 115 bis 178.000 Personen im Schuldienst fehlen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Diskrepanz erkl&auml;rt sich zum Teil dadurch, dass Dohmen nicht nur die altersbedingt aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrkr&auml;fte einberechnet, sondern auch die rasant steigende Zahl derjenigen, die aus &Uuml;berforderung und anderen pers&ouml;nlichen Gr&uuml;nden vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheiden. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein wichtiger Grund daf&uuml;r ist das steigende Burn-Out-Risiko von Lehrern. In der j&uuml;ngsten Lehrkr&auml;ftebefragung im Rahmen des <a href=\"https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/documents/2025-06/Deutsches%20Schulbarometer_Lehrkr%C3%A4fte_2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Schulbarometers</a>, einer repr&auml;sentativen Studie im Auftrag der Robert Bosch Stiftung, gab fast ein Drittel der befragten Lehrkr&auml;fte an, sich mehrmals in der Woche ersch&ouml;pft zu f&uuml;hlen, jede Zehnte sogar t&auml;glich. 20 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit sie emotional verh&auml;rten w&uuml;rde. Steigende Sch&uuml;lerzahlen, steigende Anforderungen an Digitalisierung und Integration bei konstant hohem Personalmangel f&uuml;hren dazu, dass weniger Lehrkr&auml;fte immer mehr leisten m&uuml;ssen: ein Teufelskreis.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als Reaktion auf sinkende Steuereinnahmen setzen die L&auml;nder nun auch noch zus&auml;tzlich den Rotstift bei einem bereits unterfinanzierten und dauerhaft am Anschlag arbeitenden System an. J&uuml;ngst hat beispielsweise die hessische Landesregierung einen <a href=\"https://www.hessenschau.de/politik/koalitionszoff-um-gesamtschulen-cdu-bleibt-hart-spd-minister-mansoori-ausgebremst-v5,einsparungen-gesamtschulen-100.html\">Sparplan</a> vorgelegt, der unter anderem Personalk&uuml;rzungen an Integrierten Gesamtschulen vorsieht, also jenen Schulen, die sich durch besonders heterogene Lerngruppen und daher erh&ouml;hten Personalbedarf auszeichnen. Je nach Jahrgang verlieren Integrierte Gesamtschulen nach diesem Plan bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse. Das kann je nach Schule bis zu drei Lehrerstellen ausmachen.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Bildung und soziale Ungleichheit<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Dabei sind die Missst&auml;nde im Bildungswesen schon aus rein &ouml;konomischen Gr&uuml;nden ein Desaster. So ist der Anteil der jungen Erwachsenen ohne Abitur oder Berufsausbildung in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, auf aktuell 15 Prozent der 25- bis 34-J&auml;hrigen. 2019 lag dieser Wert noch bei 13 Prozent. Obwohl die Industrie h&auml;nderingend Fachkr&auml;fte sucht und sie vermehrt kostspielig aus dem Ausland anwerben muss, wird das hiesige Potenzial an jungen Menschen fahrl&auml;ssig verschwendet. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wiegt dieser Umstand umso schwerer.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gleichzeitig gehen die schulischen Leistungen kontinuierlich zur&uuml;ck. Grundlegende F&auml;higkeiten in Rechnen und Schreiben erreichen laut der j&uuml;ngsten <a href=\"https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2023/12/pisa-2022-results-volume-i_76772a36/6004956w.pdf\">PISA-Erhebung</a> der OECD nur noch 70 beziehungsweise 75 Prozent der Sch&uuml;ler. Diese Jugendlichen k&ouml;nnen zum Beispiel ohne Anweisungen die Gesamtl&auml;nge zweier alternativer Routen vergleichen; 30 Prozent scheitern an solchen einfachen Aufgabenstellungen. 2012 lag dieser Wert noch bei 18 Prozent.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bei den Lesef&auml;higkeiten sind 25 Prozent der Sch&uuml;ler nicht in der Lage, die Kernaussage eines einfachen Textes zu erfassen; an nichtgymnasialen Schularten bel&auml;uft sich dieser Anteil sogar auf &uuml;ber ein Drittel. Nach wie vor haben der sozio&ouml;konomische Hintergrund und eine Migrationsgeschichte einen erheblichen Einfluss auf schulische Leistungen und Bildungserfolg &ndash; deutlich mehr als in anderen OECD-L&auml;ndern.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diese fatalen Defizite des Bildungssystems schreiben sich sukzessive in die Arbeits- und Erwachsenenwelt fort. So weist Deutschland in der <a href=\"https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/12/do-adults-have-the-skills-they-need-to-thrive-in-a-changing-world_4396f1f1/b263dc5d-en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OECD-Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener</a> im Vergleich aller teilnehmenden L&auml;nder die gr&ouml;&szlig;ten Kompetenzunterschiede zwischen 25- bis 34-J&auml;hrigen mit einem (Fach-)Hochschulabschluss und gleichaltrigen Personen ohne Abitur oder Berufsausbildung auf. Im Bereich der Lesekompetenz betr&auml;gt der Abstand zwischen diesen beiden Gruppen in Deutschland 100 Punkte, in der alltagsmathematischen Kompetenz 108 Punkte. Im Durchschnitt der teilnehmenden OECD-L&auml;nder fallen die Differenzen mit 73 beziehungsweise 78 Punkten deutlich geringer aus.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die unterschiedlichen F&auml;higkeiten schlagen sich auch in Erwerbschancen und Einkommen nieder. Das durchschnittliche Lohngef&auml;lle zwischen Erwerbspersonen mit und ohne Abitur oder abgeschlossener Berufsausbildung bel&auml;uft sich mittlerweile auf 27 Prozent.&nbsp;<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Privatschulen als Alternative?<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Vor dem Hintergrund der wachsenden Probleme des &ouml;ffentlichen Schulsystems entscheiden sich immer mehr Eltern f&uuml;r eine Privatschule. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Privatschulen auf derzeit &uuml;ber <a href=\"https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/Publikationen/Downloads-Schulen/statistischer-bericht-allgemeinbildende-schulen-2110100257005.html\">3.800</a> beinahe verdoppelt. Auch die Zahl der Privatsch&uuml;ler ist in den vergangenen 30 Jahren &auml;hnlich stark gestiegen: Lag die Quote der Privatsch&uuml;ler 1992 noch bei knapp 5 Prozent, so besucht inzwischen beinahe jeder zehnte Sch&uuml;ler eine Privatschule, insgesamt etwa 8,9 Millionen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Aber sind Privatschulen tats&auml;chlich eine gute Alternative zum &ouml;ffentlichen Schulsystem? Es gibt viele gute Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass &ouml;ffentliche Schulen trotz der anhaltenden Misere immer noch die besseren Schulen sind und auf absehbare Zeit auch sein werden. Obwohl die Datenlage sp&auml;rlich ist, unterscheiden sich die beiden Schultypen insgesamt nur moderat bis gar nicht voneinander. <a href=\"https://collections.fes.de/publikationen/ident/fes/14440\">Privatschulen</a> sind im Schnitt etwas kleiner als &ouml;ffentliche Schulen und k&ouml;nnen auch mit geringf&uuml;gig kleineren Klassen aufwarten. Die Differenz betr&auml;gt allerdings durchschnittlich nur einen Sch&uuml;ler pro Klasse. Auch hinsichtlich der erworbenen Kompetenzen unterscheiden sich private nur geringf&uuml;gig oder gar nicht von &ouml;ffentlichen Schulen. Dieser Befund zeigt sich auch im <a href=\"https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2020/09/pisa-2018-results-volume-v_9748ee31/ca768d40-en.pdf\">internationalen Vergleich</a>: Wird der sozio&ouml;konomische Hintergrund ber&uuml;cksichtigt, erzielen Sch&uuml;ler an &ouml;ffentlichen Schulen durchschnittlich h&ouml;here Lesekompetenzen als jene an Privatschulen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dass Privatschulen &ndash; entgegen ihrem zunehmend positiven Image &ndash; nicht zu leistungsorientierten Eliteschmieden geworden sind, kann mit Blick auf den hierzulande grassierenden Lehrkr&auml;ftemangel nicht verwundern. Denn nach wie vor gilt, dass die wichtigste Ressource in Schulen die dort t&auml;tigen P&auml;dagogen sind &ndash; deren Qualit&auml;t und Quantit&auml;t ist am Ende ausschlaggebend f&uuml;r guten Unterricht und nachhaltige Lernerfolge. Staatliche Schulen aber sind beim Wettbewerb um die besten Lehrkr&auml;fte klar im Vorteil: Deutlich h&ouml;here Geh&auml;lter und der Beamtenstatus machen hier den Unterschied. Mittel- und langfristig werden die Privatschulen daher besonders hart von dem Mangel an qualifiziertem Personal betroffen sein und noch h&auml;ufiger als ohnehin schon auf Quereinsteiger zur&uuml;ckgreifen m&uuml;ssen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dar&uuml;ber hinaus hat die zunehmende Privatisierung des Bildungssystems erhebliche negative Auswirkungen und versch&auml;rft die ohnehin bestehenden Ungleichheiten. Denn sozio&ouml;konomisch schw&auml;chere Kinder und solche mit Migrationsgeschichte besuchen weitaus seltener eine Privatschule. Das ist ein klarer Versto&szlig; gegen das <a href=\"https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_7.html\">Grundgesetz</a>: Dieses sieht unzweideutig vor, dass Privatschulen nur gestattet sind, wenn die &bdquo;Sonderung der Sch&uuml;ler nach den Besitzverh&auml;ltnissen der Eltern nicht gef&ouml;rdert wird&ldquo;. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Jedoch geschieht genau das. Kinder aus einkommensschw&auml;cheren Haushalten werden durch die erhobenen Schulgelder <a href=\"https://link.springer.com/article/10.1007/s11618-021-01059-8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">effektiv</a> vom Besuch einer Privatschule abgehalten. Selbst diejenigen &auml;rmeren Familien also, die ihre Kinder gerne auf eine Privatschule schicken w&uuml;rden, scheitern daran aufgrund ihres zu geringen Einkommens. Denn das Sonderungsverbot wird in den Bundesl&auml;ndern unterschiedlich und insgesamt wenig transparent umgesetzt, in manchen durch sozial gestaffelte Schulgeb&uuml;hren, in anderen durch monatliche H&ouml;chstbetr&auml;ge. In der Mehrzahl der L&auml;nder bleibt die Umsetzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben jedoch den Privatschulen selbst &uuml;berlassen und die Schulaufsicht beschr&auml;nkt sich auf Einzelfallpr&uuml;fungen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch im internationalen Vergleich zeigt sich, dass mit der zunehmenden Privatisierung von Bildungseinrichtungen die soziale Ungleichheit zunimmt und sich damit gesellschaftliche Spannungen versch&auml;rfen. <a href=\"https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14494035.2019.1636603\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">L&auml;nder</a> mit einem ausgebauten Privatschulwesen, also einem h&ouml;heren Anteil privater Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, weisen eine deutlich h&ouml;here soziale Ungleichheit auf als jene mit prim&auml;r &ouml;ffentlichen Schulsystemen. &Ouml;ffentliche Schulbildung wirkt dabei insofern als Garant f&uuml;r eine relative Gleichverteilung des gesellschaftlichen Wohlstands, als sie Kindern unabh&auml;ngig vom sozio&ouml;konomischen Status des Elternhauses den Zugang zu vielversprechenden Karrierewegen &ouml;ffnet.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Bildung als &ouml;ffentliches Gut<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Denn eines ist klar: Schulen sind weit mehr als Anstalten der Kompetenzvermittlung. Sie sind zentrale Sozialisationsr&auml;ume und zugleich einem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag verpflichtet, auch im Hinblick auf Demokratiebildung. Gerade in Zeiten zunehmender Demokratieverdrossenheit ist es dringend geboten, diese Kernfunktion von Schulen wieder st&auml;rker in den Blick zu nehmen. Individuelle Wahlfreiheit und quasi personalisierte Bildungsangebote mittels Privatschulen m&ouml;gen aus pers&ouml;nlicher Perspektive vielversprechend klingen. Aus gesellschaftlicher Perspektive indes sind sie fatal.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie die neoliberalen Bildungsexperimente in den <a href=\"https://www.nybooks.com/articles/2025/03/13/selling-out-our-public-schools-the-privateers-cowen/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA</a>, <a href=\"https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0047272705001672\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chile</a> oder <a href=\"https://www.socialeurope.eu/swedens-schools-milton-friedmans-wet-dream\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schweden</a> zeigen, f&uuml;hren Privatisierungen des Schulsystems keineswegs zu besseren Bildungsergebnissen, sondern vor allem zu einer Trennung der Sch&uuml;lerschaft nach Einkommen und famili&auml;rer Herkunft. Die Privatisierungen einst ausk&ouml;mmlich finanzierter und qualitativ hochwertiger &ouml;ffentlicher Schulsysteme f&uuml;hrte nachweislich zu sozial gespaltenen Gesellschaften, in denen sich nicht nur soziale Ungleichheiten verbreiten und verfestigen, sondern zugleich das Bildungsniveau generell absinkt. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Erfahrungen in diesen L&auml;ndern zeigen zudem, dass immer dann, wenn sich die Mittelschicht in das Privatschulsystem verabschiedet hat, keine gesellschaftliche Kraft mehr bleibt, die die notwendigen Reformen des &ouml;ffentlichen Schulsystems politisch wirksam einfordert. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Man sollte sich daher von der Illusion befreien, dass Privatschulen ein Ausweg aus der aktuellen Bildungsmisere darstellen. Statt die Exitoption zu w&auml;hlen, muss der &ouml;ffentliche Druck auf die politischen Verantwortlichen erh&ouml;ht werden, den suizidalen Kahlschlag zu stoppen und das staatliche Bildungssystem endlich ausk&ouml;mmlich und nachhaltig zu finanzieren.<o:p></o:p></p>"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[{"node":{"label":"14/2026","slug":"142026","sections":[{"category":{"name":"Wirtschaft","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-ZR6lbn7QTZOVugeEBi1c1g-de","title":"Konjunkturkrise: Ist Rüstung die Zukunft für die zivile Industrie?","slug":"konjunkturkrise-ist-rustung-die-zukunft-fur-die-zivile-industrie","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Florian Schaaf","slug":"florian-schaaf"}]},{"id":"DatoCmsArticle-48899997-de","title":"Freihandel als Fluch","slug":"freihandel-als-fluch","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Armin Groh","slug":"armin-groh"}]}]},{"category":{"name":"Energie & Ökologie","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Ak1T4-3HRmO6UM9NY7eH7g-de","title":"Iran-Krieg: Wie Russland und China Asiens Gasmärkte neu ordnen","slug":"iran-krieg-wie-russland-und-china-asiens-gasmarkte-neu-ordnen","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Kevin Walmsley","slug":"kevin-walmsley"}]},{"id":"DatoCmsArticle-fpEIicK8Rgemo0BOOfY70w-de","title":"„Hormuz“ als Weckruf","slug":"hormuz-als-weckruf","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Dirk Bezemer","slug":"dirk-bezemer"}]}]},{"category":{"name":"Kapital & Arbeit","color":"Pesto"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Iz61NbZzSEGrgAFHCXw7BA-de","title":"Gesetz zur privaten Altersvorsorge: Fürsorge für die Finanzwirtschaft","slug":"gesetz-zur-privaten-altersvorsorge-fursorge-fur-die-finanzwirtschaft","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Frank Hoffer","slug":"frank-hoffer"}]}]},{"category":{"name":"Demokratie & Staat","color":"Purple"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-WNZ082Y5QNCf_4FNChbAOw-de","title":"Bildung: Die stille Sparpolitik trifft ein System am Limit","slug":"bildung-die-stille-sparpolitik-trifft-ein-system-am-limit","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Michael Schedelik","slug":"michael-schedelik"}]}]},{"category":{"name":"Hauspost","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-OezxsGWtTVWVXqWLLTYnvA-de","title":"Ist die Rente sexy? 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