{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/142026/gesetz-zur-privaten-altersvorsorge-fursorge-fur-die-finanzwirtschaft/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-Iz61NbZzSEGrgAFHCXw7BA-de","slug":"gesetz-zur-privaten-altersvorsorge-fursorge-fur-die-finanzwirtschaft","articleType":"Normal","visibility":"Offen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-VVLT_QFhQ12a8BH9n65NGg-de","slug":"frank-hoffer","name":"Frank Hoffer","description":"<p class=\"MsoNormal\"><strong>Frank Hoffer</strong> ist Wirtschaftswissenschaftler. Nach dem Studium und der Promotion in Bremen, London und Moskau war er an der Deutschen Botschaft in Moskau t&auml;tig. Ab 2001 arbeitete er viele Jahre zu Fragen der sozialen Sicherung bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf. Er ist Fellow der Global Labour University und freier Autor.&nbsp;<o:p></o:p></p>","shortDescription":"","picture":null,"books":[]}],"title":"Gesetz zur privaten Altersvorsorge: Fürsorge für die Finanzwirtschaft","smallTitle":"Altersvorsorgedepot ","publishDate":"2026-04-22T00:00:00+02:00","editDate":null,"seo":{"image":{"fixed":{"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&fit=crop&h=627&w=1200"}}},"image":{"title":"IMAGO / photothek","fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoICAgLEgoTDiMUGg0NFxUQFg0OFxMZGBYfFiEdHysjGh0oHRUWJDUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLDg0OFRAMFS8dFhwvLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABAAGAMBIgACEQEDEQH/xAAXAAADAQAAAAAAAAAAAAAAAAAAAwUG/8QAHRAAAQQCAwAAAAAAAAAAAAAAAQACAwQFERQhMf/EABUBAQEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAID/8QAGBEAAgMAAAAAAAAAAAAAAAAAAAIBEhP/2gAMAwEAAhEDEQA/AJkEleKD1Luvry1CdpgxB429pjMSx9QglUhAKpnDFUfGQShUnYJgB7QlmKp//9k=","aspectRatio":1.5001678415575697,"width":4469,"height":2979,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.05&w=4469 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.09&w=4469 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.18&w=4469 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.27&w=4469 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.36&w=4469 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=0.54&w=4469 2400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1776763567-imago848865006.jpg?auto=format&dpr=1&w=4469 4469w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-JGUCOxxTSfuGJv6zvhINOQ-de","text":"<h3 class=\"MsoNormal\">Die von der Bundesregierung beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge f&ouml;rdert vor allem Banken, Fonds und Gutverdienende. Der Staatsfonds w&auml;re die bessere Alternative.<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Es klingt nach Modernisierung, nach Flexibilit&auml;t, nach einem &uuml;berf&auml;lligen Neustart nach dem Scheitern der Riester-Rente. Der Deutsche Bundestag hat am 27. M&auml;rz 2026 eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen, die nach Darstellung der Bundesregierung &bdquo;renditest&auml;rker, kosteng&uuml;nstiger, einfacher und flexibler&ldquo; werden soll. Doch in Kraft ist das Gesetz noch nicht: Es braucht weiterhin die Zustimmung des Bundesrats. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Tats&auml;chlich handelt es sich um ein teures, unsoziales Projekt. Gewinner sind Besserverdienende, Aktienbesitzer und die Finanzwirtschaft. Die private Zusatzvorsorge erh&ouml;ht f&uuml;r die n&auml;chsten Jahrzehnte die Kosten der Alterssicherung, ohne das Rentenniveau zu erh&ouml;hen. Die Versicherten tragen das volle Investitionsrisiko. Der staatliche Zuschussbedarf betr&auml;gt j&auml;hrlich&nbsp;ca. 20 Milliarden Euro. Je mehr jemand privat einzahlt, desto h&ouml;her&nbsp;ist die staatliche F&ouml;rderung.&nbsp;<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Staat treibt mit den Subventionen der Finanzwirtschaft Millionen&nbsp;neuer Kunden zu und garantiert ihr zweistellige Milliardengewinne. Statt in die Zukunft zu investieren, werden allein in den n&auml;chsten zwanzig Jahren sch&auml;tzungsweise zwei Billionen Euro&nbsp;in die Finanzm&auml;rkte gelenkt. Die Geb&uuml;hrendeckelung ist &auml;u&szlig;erst gro&szlig;z&uuml;gig &ndash; sie erlaubt der privaten Finanzwirtschaft f&uuml;r ein Standardangebot zehnmal mehr Geb&uuml;hren zu nehmen als beispielsweise der schwedische Staatsfonds. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Allein die im Gesetz vorgesehene Option eines freiwilligen Staatsfonds als dritte S&auml;ule ist die verbleibende M&ouml;glichkeit, statt volatiler Aktiendepots einen Fond aufzulegen, der gleichzeitig sichere Renten, bezahlbaren Wohnraum und Besch&auml;ftigung schafft.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Private Vorsorge ist keine Staatsaufgabe<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Die gesetzliche Rentenversicherung existiert, weil viele Menschen nicht ausreichend f&uuml;r das Alter vorsorgen (k&ouml;nnen). Sie soll Altersarmut verhindern und ein verl&auml;ssliches Existenzniveau sichern. Niemand soll im Ruhestand auf Sozialhilfe angewiesen sein. Zudem hat eine Pflichtversicherung s&auml;mtliche Vorteile auf ihrer Seite: Sie erfasst alle, verursacht deutlich geringere Verwaltungskosten als konkurrierende Privatmodelle, kommt ohne Vertriebsapparate aus und ist nicht auf Gewinnerzielung angewiesen. Kurz: effizient, kosteng&uuml;nstig und systemisch &uuml;berlegen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wer auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank auf <a href=\"https://www.iwd.de/artikel/mit-dem-alter-waechst-das-vermoegen-489710/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Verm&ouml;gen &auml;lterer Haushalte</a> blickt, sieht: In Deutschland lag das Medianverm&ouml;gen der 55- bis 64-J&auml;hrigen 2023 bei 241.100 Euro &ndash; h&ouml;her als in jeder anderen Altersgruppe. Von einer generellen Vorsorgel&uuml;cke bei der verm&ouml;genderen H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung kann also kaum die Rede sein. H&ouml;here Einkommen bei der privaten Vorsorge staatlich zu unterst&uuml;tzen, ist sozialpolitisch kaum zu rechtfertigen.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Gef&ouml;rdert wird vor allem, wer es nicht braucht<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Kritiker der gesetzlichen Rentenversicherung betonen regelm&auml;&szlig;ig, dass die junge Genreration nicht mit immer h&ouml;heren Beitr&auml;gen belastet werden d&uuml;rfe. Jetzt soll sie neben den gesetzlichen Rentenbeitr&auml;gen in den n&auml;chsten Jahrzehnten bis zu 6,5 Prozent in eine kapitalgedeckte Zusatzrente einzahlen. Da Menschen mit niedrigem Einkommen solch hohe Beitr&auml;ge nicht werden zahlen k&ouml;nnen und daher kaum eine freiwillige Zusatzversicherung abschlie&szlig;en werden, wird ein Gro&szlig;teil der F&ouml;rderung an diejenigen gehen, die bereits &uuml;berdurchschnittlich oder sehr gut verdienen.&nbsp;<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Reform ist gegen&uuml;ber der Kabinettsfassung im Ausschuss zwar sozial etwas nachgebessert worden. F&uuml;r die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es nun 50 Cent Zulage pro eingezahltem Euro, f&uuml;r weitere 1.440 Euro noch 25 Cent. So steigt die maximale Grundzulage auf 540 Euro. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind, ein Berufseinsteigerbonus von 200 Euro f&uuml;r Unter-25-J&auml;hrige und ein Sonderausgabenabzug von bis zu 1.800 Euro zuz&uuml;glich Zulagen. K&uuml;nftig sind zudem nicht nur klassische Pflichtversicherte, sondern auch Selbst&auml;ndige, Freiberufler und weitere Erwerbst&auml;tige f&ouml;rderberechtigt. Das alles macht die Reform breiter &ndash; aber nicht automatisch gerechter. Denn auch in der beschlossenen Fassung gilt: Wer mehr einzahlen kann, kann mehr F&ouml;rderung abgreifen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gerade daran zeigt sich die soziale Schieflage. Wer 8.700 Euro brutto im Monat verdient, liegt 2026 bereits im Bereich des 42-Prozent-Grenzsteuersatzes. Nimmt man die maximale Grundzulage und den steuerlichen Zusatzeffekt zusammen, sinkt der effektive Eigenaufwand f&uuml;r die H&ouml;chstf&ouml;rderung rechnerisch auf weniger als ein Prozent des Jahreseinkommens. Ein Alleinstehender im B&uuml;rgergeld m&uuml;sste f&uuml;r denselben Eigenbeitrag von 1.800 Euro dagegen rund 27 Prozent seines Regelbedarfs aufbringen. Bei Arbeit zum gesetzlichen Mindestlohn entspr&auml;che der Betrag selbst bei einer 40-Stunden-Woche immer noch gut 6,5 Prozent des Bruttolohns; beim Medianverdienst von Vollzeitbesch&auml;ftigten 3,5 Prozent. Mit anderen Worten: Dieselbe staatliche Maximalf&ouml;rderung ist f&uuml;r hohe Einkommen beinahe Portokasse, f&uuml;r niedrige Einkommen ein echtes Opfer. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hinzu kommt ein zweites Problem: Wer im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist, darf private Zusatzrenten nicht vollst&auml;ndig behalten. Das Bundesarbeitsministerium verweist zwar auf einen Freibetrag von 100 Euro plus 30 Prozent des dar&uuml;ber hinausgehenden Betrags, gedeckelt bei 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1. Doch auch dieses Modell nimmt den unteren Einkommen viel von der versprochenen Rendite. Aus 400 Euro Zusatzrente blieben nach der geltenden Regel gerade einmal 190 Euro anrechnungsfrei. Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen in der Grundsicherung im Alter Ende 2025 auf einen neuen H&ouml;chststand von gut 764.000; insgesamt bezogen 1,28 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Wer wenig verdient, hat also oft weder die Luft zum Ansparen noch die Gewissheit, sp&auml;ter den vollen Ertrag zu behalten.&nbsp;<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Milliardensubvention in Zeiten knapper Kassen<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Rechnet man mit einer breiten Nutzung der privaten Altersvorsorge durch 70 Prozent der Berechtigten, die eine F&ouml;rderung in Anspruch nehmen&nbsp;und im Durchschnitt 1500 Euro einzahlen, ergibt sich ein Zuschussbedarf von 14,5 Milliarden Euro. Dazu kommen etwa drei Milliarden f&uuml;r die Kinderf&ouml;rderung und ca. 800 Millionen f&uuml;r die Einmalf&ouml;rderung junger Menschen, wenn man auch hier eine Wahrnehmungsquote von 70 Prozent der Anspruchsberechtigten unterstellt. Die F&ouml;rderung&nbsp;mittelbar Berechtigter&nbsp;kostet dann noch einmal eine knappe Milliarde. Daraus ergibt sich ein Gesamtbetrag von knapp 20 Milliarden Euro pro Jahr. 20 Milliarden sind mehr als <a href=\"https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/muetterrente-schwarz-rote-koalition-kosten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M&uuml;tterrente I, II und III</a> zusammen, mehr als doppelt so viel wie die abschlagsfreie Rente nach 45 Arbeitsjahren und das F&uuml;nffache&nbsp;der Riesterf&ouml;rderung.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diese Priorit&auml;t h&auml;tte Folgekosten. W&uuml;rde ein j&auml;hrlicher Zuschuss von 20 Milliarden Euro kreditfinanziert und w&uuml;rde man mit einem Anleihezins von 3,5 Prozent rechnen, entst&uuml;nden schon im ersten Jahr rund 700 Millionen Euro zus&auml;tzliche Zinslast. Nach zwanzig Jahren l&auml;ge der kumulierte Schuldeneffekt &ndash; bei fortlaufender neuer Kreditaufnahme &ndash; rechnerisch in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von rund 566 bis 586 Milliarden Euro; die j&auml;hrliche Zinslast n&auml;hme dann ann&auml;hernd die Dimension des urspr&uuml;nglichen Zuschusses an. Aus einem vermeintlichen Anreizprogramm w&uuml;rde so ein dauerhaft belastender Haushaltsposten. <span style=\"mso-spacerun: yes;\">&nbsp;</span><o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Das Risiko tragen die Versicherten<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Nahezu unisono wird begr&uuml;&szlig;t, dass die Versicherten mit dem neuen Modell von den hohen Renditen im Aktiengesch&auml;ft profitieren k&ouml;nnen. Dass sie daf&uuml;r das alleinige Investitionsrisiko &uuml;bernehmen und auf Mindestgarantien verzichten m&uuml;ssen, wird als Befreiung von unn&ouml;tigen Fesseln begr&uuml;&szlig;t. Die Finanzwirtschaft kann in ihrem Produktmarketing&nbsp;das Blaue vom Himmel versprechen. Wenn es schiefgeht, hat sie trotzdem gut verdient, und die Versicherten tragen die Verluste.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die hohen Renditen der letzten Jahrzehnte und der Siegeszug von ETFs als kosteng&uuml;nstige Index-Fonds begr&uuml;nden einen weitverbreiteten Optimismus. Bei langfristigen Anlagen am Kapitalmarkt seien letztendlich die Risiken zu vernachl&auml;ssigen und langfristig&nbsp;zuverl&auml;ssig hohe Renditen zu erwarten. Dass die Wachstumsraten am Aktienmarkt weit &uuml;berdurchschnittlich durch wenige Technologieaktien bestimmt wurden&nbsp;und sich daher auch hinter den ETFs ein erhebliches Klumpenrisiko verbirgt, wird ignoriert. Der Aktienboom der letzten Jahrzehnte wird in die Zukunft projiziert, um hohe Renditeversprechen abgeben&nbsp;zu k&ouml;nnen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Allerdings sind auch Jahrzehnte bescheidener Kursentwicklungen m&ouml;glich. Die inflationsbereinigte reale Rendite des Dow Jones betrug beispielsweise zwischen 1929 und 1972 zwei bis drei Prozent. Gerade aufgrund der au&szlig;erordentlich hohen Kursgewinne seit der Jahrtausendwende ist eher mit substantiellen&nbsp;l&auml;ngerfristigen Kurskorrekturen als mit weiter rasant steigenden Kursen zu rechnen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein wesentlicher Grund f&uuml;r den Boom an den Aktienm&auml;rkten sind die Pensionsfonds selbst, die etwa 15 bis 20 Prozent des globalen Aktienmarkts halten. In den letzten Jahrzehnten waren die meisten Fonds &uuml;berwiegend in der Ansparphase und haben die Kursentwicklung mit befeuert. In dem Ma&szlig;e, wie die Rentenzahlungen allm&auml;hlich die Beitragseinnahmen bei den gro&szlig;en international agierenden Rentenfonds &uuml;bersteigen &ndash; weil aus demographischen Gr&uuml;nden immer mehr Beitragszahler in die Rentenphase eintreten und die Zahl der neuen Beitragszahler abnimmt &ndash;, werden die Pensionsfonds nicht l&auml;nger als K&auml;ufer, sondern als Verk&auml;ufer an den Aktienm&auml;rkten agieren und entsprechend eher zu sinkenden als zu steigenden Kursen beitragen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Anders gesagt: Der Einstieg in eine kapitalgedeckte Rentenversicherung ist f&uuml;r die Alterssicherung in Deutschland teuer, risikobehaftet und kommt zur Unzeit. Dass er trotzdem mit Vehemenz propagiert wird, hat mehr mit den Gewinninteressen der Finanzwirtschaft als mit der zukunftsfesten Alterssicherung f&uuml;r Rentnerinnen und Rentner zu tun. <o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Die Finanzbranche jubelt<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">F&uuml;r die Finanzwirtschaft ist die Umstellung auf eine privatwirtschaftlich organisierte Kapitaldeckung ein Riesengesch&auml;ft. Millionen neue Kunden garantieren Verwaltungsgeb&uuml;hren in Milliardenh&ouml;he und sprudelnde Gewinne. Auch Besitzer von Aktienverm&ouml;gen profitieren: Sie werden reicher, weil Pensionsfonds in der jahrzehntelangen Ansparphase j&auml;hrlich in dreistelliger Milliardenh&ouml;he Aktien und Anleihen kaufen und so zu steigenden Kursen beitragen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">&Uuml;ber die Fr&uuml;hstarterrente d&uuml;rfte sich die Versicherungswirtschaft besonders freuen. F&uuml;r Kinder, die in diesem Jahr 6 Jahre alt werden, soll ein Rentenfonds angelegt werden, in dem bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs monatlich 10 Euro eingezahlt werden. Dieser soll dann jeweils um den nachfolgenden j&uuml;ngeren Jahrgang erweitert werden, bis alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren Fondsmitglieder sind. Mit 18 soll eine einmalige Sonderzahlung von 200 Euro die jungen Erwachsenen zus&auml;tzlich motivieren, eine eigene&nbsp;Vorsorgeversicherung&nbsp;abzuschlie&szlig;en. Die Versicherungswirtschaft bekommt vom Staat&nbsp;ganze&nbsp;Alterskohorten als Kunden zugef&uuml;hrt.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Staatsfonds als sozialere Alternative</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Weniger begr&uuml;&szlig;t wird von der Finanzwirtschaft, dass die Koalition mit der Reform auch ein Standarddepot plant, das von einem &ouml;ffentlichen Tr&auml;ger angeboten und durch das Bundesfinanzministerium ausgestaltet wird. Ein staatlicher Vorsorgefonds wird als unliebsame Konkurrenz gesehen, weil er Druck auf die Geb&uuml;hren aus&uuml;ben und statt Aktienhandel eine soziale Investmentstrategie verfolgen k&ouml;nnte. Der <em>Gesamtverband der Versicherer</em> bef&uuml;rchtet <a href=\"https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/reform-der-privaten-altersvorsorge-staatlicher-fonds-in-der-dritten-saeule-ist-der-falsche-ansatz-198076\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einen Zielkonflikt</a>, der \"das Vertrauen in die private Vorsorge schw&auml;chen und den Wettbewerb verzerren\" k&ouml;nne.&nbsp;<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">F&uuml;r die SPD hingegen w&auml;re es eine politische Chance, den Staatsfonds offensiv und strategisch voranzutreiben. Ein staatlicher Rentenfonds k&ouml;nnte Kapital in gemeinwohlorientierte Projekte lenken, etwa in sozialen Wohnungsbau, kommunale Infrastruktur oder genossenschaftliche Best&auml;nde. Eine solche Konstruktion w&uuml;rde nicht nur Altersvorsorge organisieren, sondern zugleich das reale Leben der Beitragszahler verbessern: durch bezahlbarere Mieten, mehr Wohnraum und zus&auml;tzliche Besch&auml;ftigung.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">W&uuml;rden die Investitionen des Rentenfonds mit der F&ouml;rderung des sozialen Wohnungsbaus kombiniert, k&ouml;nnte eine&nbsp;zuverl&auml;ssige&nbsp;und stabile Rendite quasi garantiert werden. Kommunen h&auml;tten einen Hebel, die Renditem&ouml;glichkeiten weiter zu steigern,&nbsp;indem&nbsp;sie Baugrundst&uuml;cke in Erbpacht an den sozialen Wohnungsbau vergeben. Und auch der deutsche Binnenmarkt k&auml;me in Schwung, wenn &uuml;ber ein langfristiges Wohnungsbau-Programm die inl&auml;ndische Nachfrage gest&auml;rkt wird.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">F&uuml;r die Sozialdemokraten w&auml;re das die eigentliche Richtungsentscheidung: Vorsorge f&uuml;r die Menschen &ndash; statt F&uuml;rsorge f&uuml;r den Finanzsektor.<o:p></o:p></p>"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[{"node":{"label":"14/2026","slug":"142026","sections":[{"category":{"name":"Wirtschaft","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-ZR6lbn7QTZOVugeEBi1c1g-de","title":"Konjunkturkrise: Ist Rüstung die Zukunft für die zivile Industrie?","slug":"konjunkturkrise-ist-rustung-die-zukunft-fur-die-zivile-industrie","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Florian Schaaf","slug":"florian-schaaf"}]},{"id":"DatoCmsArticle-48899997-de","title":"Freihandel als Fluch","slug":"freihandel-als-fluch","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Armin Groh","slug":"armin-groh"}]}]},{"category":{"name":"Energie & Ökologie","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Ak1T4-3HRmO6UM9NY7eH7g-de","title":"Iran-Krieg: Wie Russland und China Asiens Gasmärkte neu ordnen","slug":"iran-krieg-wie-russland-und-china-asiens-gasmarkte-neu-ordnen","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Kevin Walmsley","slug":"kevin-walmsley"}]},{"id":"DatoCmsArticle-fpEIicK8Rgemo0BOOfY70w-de","title":"„Hormuz“ als Weckruf","slug":"hormuz-als-weckruf","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Dirk Bezemer","slug":"dirk-bezemer"}]}]},{"category":{"name":"Kapital & Arbeit","color":"Pesto"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Iz61NbZzSEGrgAFHCXw7BA-de","title":"Gesetz zur privaten Altersvorsorge: Fürsorge für die Finanzwirtschaft","slug":"gesetz-zur-privaten-altersvorsorge-fursorge-fur-die-finanzwirtschaft","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Frank Hoffer","slug":"frank-hoffer"}]}]},{"category":{"name":"Demokratie & Staat","color":"Purple"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-WNZ082Y5QNCf_4FNChbAOw-de","title":"Bildung: Die stille Sparpolitik trifft ein System am Limit","slug":"bildung-die-stille-sparpolitik-trifft-ein-system-am-limit","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Michael Schedelik","slug":"michael-schedelik"}]}]},{"category":{"name":"Hauspost","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-OezxsGWtTVWVXqWLLTYnvA-de","title":"Ist die Rente sexy? 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