{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/162026/das-bip-ist-kein-guter-indikator-fur-die-wirtschaftspolitik/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-f5l-pRBZQ0O51rxC1u_nuA-de","slug":"das-bip-ist-kein-guter-indikator-fur-die-wirtschaftspolitik","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-HLyZzwomRmKP5QMLdbOzWQ-de","slug":"florian-schaaf","name":"Florian Schaaf","description":"","shortDescription":"<p><strong>Florian Schaaf</strong> studierte den Master Sozio&ouml;konomie an der Universit&auml;t Duisburg-Essen. Seit 2025 ist er Redakteur bei MAKROSKOP und schreibt zu verschiedenen Themen pluraler &Ouml;konomie.</p>","picture":null,"books":[]}],"title":"Das BIP ist kein guter Indikator für die Wirtschaftspolitik","smallTitle":"Krach in der Redaktion","publishDate":"2026-05-08T00:00:00+02:00","editDate":null,"seo":{"image":{"fixed":{"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&fit=crop&h=627&w=1200"}}},"image":{"title":null,"fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoIEhAPEBMVDhgSDxgNDRYNDRANFxMZGiITIhUaHysjHR0oHSEWJTUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLDg0OHA0NHC8oFig7OzAvLy8vLy8vLzUvNTsvLy8vLy8vLy8vLy8vNS8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABUAGAMBIgACEQEDEQH/xAAaAAEAAgMBAAAAAAAAAAAAAAAABQcDBAYC/8QAHRAAAgICAwEAAAAAAAAAAAAAAAIBAwQFE2FxBv/EABcBAQEBAQAAAAAAAAAAAAAAAAQDBQL/xAAbEQABBQEBAAAAAAAAAAAAAAAAAQIRITFBEv/aAAwDAQACEQMRAD8Ash9ilWyiDW3WbDPE9GHJoidup43yKixHRbzZzUENOWr5AI6ut5ypkD2toKsSWHZjVztFkj/o6l5F8AAJqFeHPLUq3AA0WYEdp//Z","aspectRatio":1.1951020408163264,"width":2928,"height":2450,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.07&w=2928 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.14&w=2928 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.28&w=2928 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.41&w=2928 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.55&w=2928 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=0.82&w=2928 2400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1772106943-krach-in-der-redaktion.jpg?auto=format&dpr=1&w=2928 2928w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-D_qR2eE0QjWhlK6Fi6B8dg-de","text":"<h3 class=\"MsoNormal\">Seit Jahrzehnten dominiert ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt die Zielvorstellungen in der herrschenden Wirtschaftspolitik. Doch macht das unser aller Leben wirklich besser? Und was w&auml;re die Alternative?&nbsp;</h3>\n<p class=\"MsoNormal\"><i>In der MAKROSKOP-Redaktion gibt es bei verschiedenen Themen unterschiedliche Meinungen. In diesem Format tragen wir die Debatten &ouml;ffentlich aus. M&ouml;ge das bessere Argument gewinnen!<o:p></o:p></i></p>\n<p class=\"MsoNormal\">&bdquo;Ein starkes BIP ist der Motor unserer Gesellschaft&ldquo;, &bdquo;Wirtschaftswachstum ist der Weg zu mehr Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit&ldquo;, &bdquo;eine steigende Flut hebt alle Boote&ldquo;? In der allgemeinen wirtschaftspolitischen Debatte erf&auml;hrt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts oft eine regelrechte &Uuml;berh&ouml;hung als zentraler wirtschaftspolitischer Indikator. Ein steigendes BIP sichere den Wohlstand f&uuml;r alle, hei&szlig;t es.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diese und &auml;hnliche Perspektiven pr&auml;gen schon viele Jahrzehnte ma&szlig;geblich den Diskurs. Nach dem zweiten Weltkrieg beschlossen die herrschenden Industrienationen erstmals internationale Standards f&uuml;r volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Seither ist das BIP weltweit und auch in Deutschland die wichtigste Kennzahl zur Messung wirtschaftlicher Aktivit&auml;t, Grundlage internationaler Vergleiche und eine der zentralen Steuerungsgr&ouml;&szlig;en in der Wirtschafts- und Finanzpolitik.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Klar ist, Wachstum stabilisiert die Wirtschaft und erweitert die Verteilungsspielr&auml;ume in der Gesellschaft. W&auml;chst der Kuchen, k&ouml;nnen neue St&uuml;cke unter allen aufgeteilt werden, ohne einen Streit dar&uuml;ber zu f&uuml;hren, ob der bisher bestehende Bestand wirklich fair aufgeteilt ist. Ob die neuen St&uuml;cke &bdquo;gerecht&ldquo; verteilt werden, ist die n&auml;chste Frage. Die Vergangenheit l&auml;sst starke Zweifel entstehen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">So oder so und ganz allgemein: Das Bruttoinlandsprodukt erfasst die Summe der wirtschaftlichen Produktion einer Volkswirtschaft. Macht ein steigender Wert dieser Kennzahl unser aller Leben wirklich besser? Denn das ist es doch, was am Ende z&auml;hlt. Sollten wir unsere Wirtschaftspolitik weiterhin so zentral am Wachstum des BIPs ausrichten? <o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Hohe Produktion gleich gutes Leben?</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Jahr 2021 traf eine verheerende Flut das Ahrtal in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: 180 Menschen verloren ihr Leben, tausende Geb&auml;ude und Br&uuml;cken wurden zerst&ouml;rt, und unz&auml;hlige Haushalte sowie Unternehmen b&uuml;&szlig;ten einen Gro&szlig;teil ihres Eigentums ein. Die &ouml;konomischen Sch&auml;den waren enorm &ndash; zumindest kurzfristig.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Doch Zerst&ouml;rung zieht Wiederaufbau nach sich. Was verloren ging, wird ersetzt, repariert, neu errichtet. F&uuml;r viele Unternehmen bedeutet das zus&auml;tzliche Auftr&auml;ge und steigende Ums&auml;tze. In den Jahren nach der Katastrophe zeigte sich in der Region ein deutlich &uuml;berdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts &ndash; ein Effekt, der ma&szlig;geblich auf die Rekonstruktionsma&szlig;nahmen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt wird.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das verweist auf ein grundlegendes Problem: Das Bruttoinlandsprodukt erfasst jede Form wirtschaftlicher Aktivit&auml;t, ohne zwischen ihrem gesellschaftlichen Nutzen zu unterscheiden. Es w&auml;chst durch den Verkauf von Fast Food ebenso wie durch die Behandlung der daraus resultierenden Krankheiten. Es steigt bei Umweltzerst&ouml;rung, bei der Ausbeutung nat&uuml;rlicher Ressourcen und selbst dann, wenn Menschen durch Umsiedlungen oder Enteignungen ihre Lebensgrundlage verlieren. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hinzu kommt, dass das BIP ausschlie&szlig;lich bezahlte Arbeit ber&uuml;cksichtigt. Ein erheblicher Teil gesellschaftlich notwendiger T&auml;tigkeiten bleibt unsichtbar: Hausarbeit, Pflege, Kinderbetreuung und ehrenamtliches Engagement. Diese Formen der Arbeit sind zentral f&uuml;r das Funktionieren der Wirtschaft, werden jedoch weder entlohnt noch angemessen anerkannt. Besonders deutlich wird dabei eine strukturelle Schieflage: Der Gro&szlig;teil dieser unbezahlten Arbeit wird von Frauen geleistet.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch &uuml;ber die Verteilung des erwirtschafteten Wohlstands sagt das Bruttoinlandsprodukt nichts aus. Das BIP kann steigen, w&auml;hrend gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung kaum davon profitieren. Ungleichheit bleibt unsichtbar &ndash; ja, sie kann sogar mit wachsender Wirtschaftsleistung einhergehen. Solange Nachfrage vorhanden ist, kann selbst ein auf Ausbeutung beruhendes Produktionsmodell zu steigenden Kennzahlen f&uuml;hren.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein weiterer blinder Fleck spiegelt sich in der Finanzialisierung der Wirtschaft. Finanzm&auml;rkte gewinnen an Gewicht, w&auml;hrend sich produktive Unternehmen zunehmend an kurzfristigen Renditezielen orientieren. Gewinne entstehen verst&auml;rkt durch Finanzgesch&auml;fte statt durch produktive Investitionen. Der Finanzsektor kann das BIP erh&ouml;hen, ohne die realen Lebensbedingungen zu verbessern. Gleichzeitig versch&auml;rft diese Entwicklung h&auml;ufig Ungleichheiten und erh&ouml;ht die Anf&auml;lligkeit f&uuml;r Krisen.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Gibt es eine Alternative zum BIP?</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn Katastrophen, Zerst&ouml;rung und Ausbeutung das BIP steigern, stellen sich Fragen: Ist das wirklich gut f&uuml;r uns und verbessert das unser Leben? Ist das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Orientierungsindikator f&uuml;r unseren Lebensstandard? Und wenn nicht, was folgt daraus?<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">In der &bdquo;Beyond GDP&ldquo;-Literatur wurden in der Vergangenheit verschiedenste Ans&auml;tze diskutiert. Ein Konzept, das in j&uuml;ngster Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit erfahren durfte, ist die Doughnut-&Ouml;konomie der &Ouml;konomin Kate Raworth. Grunds&auml;tzlich beschreibt dies einen Handlungsraum zwischen zwei Grenzen: einem sozialen Fundament und einer &ouml;kologischen Decke. Ziel ist nicht maximales Wachstum, sondern ein Gleichgewicht &ndash; ein &bdquo;sicherer und gerechter Raum&ldquo; f&uuml;r wirtschaftliches Handeln.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das soziale Fundament umfasst dabei Mindeststandards, die f&uuml;r ein gutes Leben notwendig sind. Dazu z&auml;hlen unter anderem Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Bildung, aber auch Aspekte wie Wohnen, soziale Gleichheit, politische Teilhabe oder Geschlechtergerechtigkeit. Die &ouml;kologische Decke markiert hingegen die planetaren Belastungsgrenzen. &Uuml;berschreitungen zeigen sich etwa im Klimawandel, im Verlust der Biodiversit&auml;t, in der &Uuml;bernutzung von S&uuml;&szlig;wasser oder in der Belastung von B&ouml;den und Luft. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Solange die sozialen Mindeststandards erf&uuml;llt und die Wirtschaft sich innerhalb der planetaren Grenzen bewegt, ist nach Raworth die Basis f&uuml;r ein gutes Leben gesetzt. Ob das Bruttoinlandsprodukt dabei w&auml;chst oder nicht, ist erstmal nicht der wirtschaftspolitische Fokus. Das w&auml;re ein bedeutsamer politischer Richtungswechsel, der mutma&szlig;lich eine harte demokratische Debatte mit erheblichem Widerstand organisierter Interessen mit sich ziehen d&uuml;rfte.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch wenn das BIP dabei nicht im Zentrum steht, bleibt makro&ouml;konomische Stabilit&auml;t entscheidend. Schon kleine Einbr&uuml;che der gesamtwirtschaftlichen Produktion ohne Aussicht auf eine stabile Entwicklung in der Zukunft k&ouml;nnen das wirtschaftliche Klima sp&uuml;rbar eintr&uuml;ben und zu unangenehmen privatwirtschaftlichen Einsparungen f&uuml;hren. Das kann in niemandes Interesse sein.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wichtig f&uuml;r einen wirtschaftspolitischen Richtungswechsel im Sinne des skizierten guten Lebens ist daher eine klare wirtschaftspolitische Perspektive, die Vertrauen schafft. Teil davon muss eine durchdachte und mutige industriepolitische Strategie des Staates sein, die Projekte anst&ouml;&szlig;t und Risiken glaubhaft absichert. Eine Wirtschaftspolitik jenseits des BIP ist m&ouml;glich, verlangt jedoch klare Priorit&auml;ten und politischen Willen.<o:p></o:p></p>"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[{"node":{"label":"16/2026","slug":"162026","sections":[{"category":{"name":"Wirtschaft","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-LbHffnvoQqCspgpu-8_Mgg-de","title":"Wer hat Spirit Airlines ruiniert?","slug":"wer-hat-spirit-airlines-ruiniert","visibility":"Geschlossen","authors":[{"name":"Matt Stoller","slug":"matt-stoller"}]},{"id":"DatoCmsArticle-Sd-kugz8TO23NWJXMIEvTw-de","title":"Warum Wachstum erst auf der Schiene entsteht","slug":"warum-wachstum-erst-auf-der-schiene-entsteht","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Julien Niemann","slug":"julien-niemann"}]},{"id":"DatoCmsArticle-IA3JEr_PRl6IpTSYVRJGSw-de","title":"Kapital und Zinsen, Sparen und Investieren","slug":"kapital-und-zinsen-sparen-und-investieren","visibility":"Geschlossen","authors":[{"name":"Heiner Flassbeck","slug":"heiner-flassbeck"}]}]},{"category":{"name":"Kapital & Arbeit","color":"Pesto"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-TSmW9A0DQK6z2b_pFjvH7g-de","title":"Die vermessene Ungleichheit: Warum Deutschland seine Reichen nicht findet","slug":"die-vermessene-ungleichheit-warum-deutschland-seine-reichen-nicht-findet","visibility":"Offen","authors":[{"name":"Marc Dreiser","slug":"marc-dreiser"}]},{"id":"DatoCmsArticle-122579716-de","title":"Übergewinnsteuer? 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