{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/212026/privatisierter-sozialstaat-macht-nicht-die-gleichen-fehler-wie-schweden/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-IXIn4pCjS7SVtlvIGindkA-de","slug":"privatisierter-sozialstaat-macht-nicht-die-gleichen-fehler-wie-schweden","articleType":"Normal","visibility":"Immer offen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-CDsJKpRNT7qSfIY_Tn-cZg-de","slug":"gustaf-lantz","name":"Gustaf Lantz","description":"<p><strong>Gustaf Lantz</strong> ist Abgeordneter der Sozialdemokraten im schwedischen Reichstag. Dort ist er Mitglied des Sozialausschusses sowie des parlamentarischen Deutschland-Freundeskreises.</p>","shortDescription":"","picture":null,"books":[]}],"title":"Privatisierter Sozialstaat: Macht nicht die gleichen Fehler wie Schweden!","smallTitle":"Kommentar","publishDate":"2026-06-10T00:00:00+02:00","editDate":null,"seo":{"image":{"fixed":{"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&fit=crop&h=627&w=1200"}}},"image":{"title":"IMAGO / TT","fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoICAgLFRELDhgYDQ0ZDhcNFhUNFxUZGBYfFiEaHysjHR0oHRUiJDUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLAg0OEBAQHS8cFh0vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABAAGAMBIgACEQEDEQH/xAAZAAACAwEAAAAAAAAAAAAAAAADBgEEBQD/xAAeEAACAgICAwAAAAAAAAAAAAABBAADAgUhMgYREv/EABcBAAMBAAAAAAAAAAAAAAAAAAIDBAH/xAAbEQABBAMAAAAAAAAAAAAAAAAAAQIFBgMSE//aAAwDAQACEQMRAD8Ar+PV2009hDbR2xf0cjFrS37IV85GE25cYABMzE61oG9Io03ba30h9ZCTFd8OKIgjIzpT2tYnSKP/2Q==","aspectRatio":1.5001350256548744,"width":5555,"height":3703,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.04&w=5555 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.08&w=5555 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.15&w=5555 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.22&w=5555 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.29&w=5555 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=0.44&w=5555 2400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1781077712-imago779283942.jpg?auto=format&dpr=1&w=5555 5555w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-JTXInjD2TxS-1ff16oSu6Q-de","text":"<h3 class=\"MsoNormal\">Deutschland steht vor der Herausforderung, sich l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Reformen in der Sozial-, Gesundheits-, und Bildungspolitik zu widmen. Ein Blick nach Schweden kann dabei helfen &ndash; als abschreckendes Beispiel.</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Schweden, einst Vorbild eines sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaats, ist seit den 1990er-Jahren zu einem neoliberalen Experimentierfeld geworden. Als Abgeordneter des Sozialausschusses besch&auml;ftige ich mich t&auml;glich mit den Auswirkungen dieser Entwicklung. Durch massive Privatisierungen, Outsourcing und die Einf&uuml;hrung sogenannter Voucher &ndash; einem System &ouml;ffentlicher Finanzierung privater Dienstleister &ndash; wurden zentrale &ouml;ffentliche Leistungen in Bildung, Gesundheit und Arbeitsvermittlung st&auml;rker den Regeln des Marktes unterworfen als in keinem anderen europ&auml;ischen Land.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Ein neoliberaler Albtraum</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Die schwedischen Expertinnen&nbsp;Lisa Pelling und Mia Laur&eacute;n haben gerade in Zusammenarbeit mit dem B&uuml;ro f&uuml;r die Nordischen L&auml;nder der Friedrich-Ebert-Stiftung <a href=\"https://nordics.fes.de/publications\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine lesenswerte Studie</a> dar&uuml;ber ver&ouml;ffentlicht. In dieser malen sie ein gr&ouml;&szlig;eres Bild der verheerenden Folgen und beschreiben auch, weshalb schwedische Konzerne nun Deutschland ins Visier nehmen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie konnte es soweit kommen? Anfang der 1990er-Jahre &ouml;ffnete Schweden viele seiner Sozialstaatsleistungen f&uuml;r private Anbieter mit dem Ziel, durch Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern Effizienz zu steigern. In Wirklichkeit sank aber &ndash; wenig verwunderlich &ndash; die Qualit&auml;t der Angebote, um Profite zu maximieren. Private Anbieter sparten an Personal, besetzten mehr Stellen mit unqualifizierten Kr&auml;ften und trieben trotzdem die Kosten in die H&ouml;he. Ein erheblicher Teil &ouml;ffentlicher Mittel flie&szlig;t seitdem in die Taschen von Aktion&auml;ren und internationalen Investoren.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Kontrollverlust statt Wahlfreiheit</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Paradoxerweise verst&auml;rkt Privatisierung die B&uuml;rokratie sogar noch, da nun komplexe staatliche Kontrollinstanzen gebraucht werden, um die Profitgier einigerma&szlig;en im Zaum zu halten. Von einer Entlastung des Staates kann also kaum die Rede sein. Kommt es zudem zu Unstimmigkeiten nach Vertragsabschluss, bleiben oft nur kostspielige Schlichtungsverfahren. Private Anbieter &uuml;bernehmen keine Verantwortung f&uuml;r das Gesamtsystem &ndash; sie suchen sich die lukrativsten Kunden aus und &uuml;berlassen die aufw&auml;ndigeren F&auml;lle dem Staat.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Besonders schmerzlich ist die Einsicht, dass Schweden durch diese Privatisierung staatlicher Aufgaben Einfallstore f&uuml;r organisierte Kriminalit&auml;t geschaffen hat. Bandenkriminelle haben beispielsweise Gesundheitszentren oder Jugendheime infiltriert, um diese als Einnahmequellen, Geldwaschmaschinen oder als Anwerbeplatz f&uuml;r weitere kriminelle Aktivit&auml;ten zu nutzen. Zwar sind der Polizei einschl&auml;gige Strukturen und Namen bekannt, doch hat es sich als schwierig erwiesen, solche Einrichtungen zu kontrollieren und Tatbest&auml;nde nachzuweisen.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Profit geht vor Gleichheit</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">&bdquo;Wo Profit im Vordergrund steht, wird soziale Gerechtigkeit zur Nebensache. Wer bereits &uuml;ber Ressourcen, Bildung oder gute Gesundheit verf&uuml;gt, kann die Wahlfreiheit besser f&uuml;r sich nutzen, w&auml;hrend alle anderen das Nachsehen haben&ldquo;, sagt Lisa Pelling.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Aktuell werden 16 Prozent aller Sch&uuml;ler in Schweden in privaten Grundschulen unterrichtet. Diese umfassen neun Schuljahre. Wobei drei Viertel davon von Aktiengesellschaften betrieben werden. Da es viele kleine Privatschulen gibt, werden die gro&szlig;en Schulkonzerne immer gr&ouml;&szlig;er: Fast die H&auml;lfte aller Sch&uuml;ler an privaten Grundschulen besucht eine Schule, die zu einem der acht gr&ouml;&szlig;ten Schulkonzerne geh&ouml;rt. Der gr&ouml;&szlig;te davon ist Internationalla Engelska Skolan AB mit mehr als 30.000 Sch&uuml;lern und 46 Schulen, gefolgt von AcadeMedia AB mit etwas mehr als 22.000 Sch&uuml;lern verteilt auf 83 Schulen.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Ein krankes Gesundheitssystem</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Das schwedische Schulsystem mit Bildungschecks, sogenannten Vouchern, sieht vor, dass Kommunen allen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern einen Bildungscheck in H&ouml;he der Beschulungskosten an einer &ouml;ffentlichen Schule ausstellen. Eltern und Sch&uuml;ler k&ouml;nnen dann selbst entscheiden, ob sie diesen bei einer &ouml;ffentlichen oder einer privaten Schule einl&ouml;sen. Letztere etablieren sich oft in wohlhabenderen Gegenden, erhalten damit doch die gleiche staatliche Finanzierung. Bewerben sich zum Beispiel Sch&uuml;ler mit gr&ouml;&szlig;erem F&ouml;rderbedarf, k&ouml;nnen diese willk&uuml;rlich aussortiert werden.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Eine &auml;hnliche Auswahl findet im Gesundheitswesen statt: Patienten mit schwereren Krankheiten werden abgelehnt, w&auml;hrend gesunden Patienten nicht notwendige Gesundheitsleistungen unterbreitet werden. Die zus&auml;tzlichen &ndash; oftmals digitalen &ndash; Angebote, die private Dienstleister schaffen, federn das normale Aufkommen also nicht ab, sondern belasten es zus&auml;tzlich.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Deutschland im Visier des falschen Bullerb&uuml;s</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Der massive Mangel an Kitapl&auml;tzen, Lehrkr&auml;ften und der Gesundheitsversorgung auf dem Land macht Deutschland anf&auml;llig f&uuml;r &auml;hnliche Entwicklungen. Schwedische Wohlfahrtskonzerne sind auf diese M&auml;ngel aufmerksam geworden und wittern in Deutschland einen neuen, lukrativen Markt. Dabei ist die gezielte Expansion dorthin schon im vollen Gange.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Aktiengesellschaft AcadeMedia AB betreibt bereits fast 100 Kitas und Schulen in der Bundesrepublik. Das Perfide daran: Viele dieser Unternehmen nutzen das alte B&uuml;llerb&uuml;-Image Schwedens und werben gezielt f&uuml;r &bdquo;skandinavische Bildung&ldquo; &ndash; mit Bildern von Gleichheit, Naturverbundenheit und Kinderrechten. Gemeinn&uuml;tzige Tr&auml;ger wie Elterninitiativen oder Wohlfahrtsverb&auml;nde k&ouml;nnen mit dieser Marketingkraft kaum mithalten.<o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Macht nicht denselben Fehler wie wir!</h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Privatisierung wird oft als Antwort auf einen &uuml;berlasteten &ouml;ffentlichen Sektor pr&auml;sentiert, wenn in Wahrheit Unterfinanzierung das Problem ist. Ich m&ouml;chte daher einen Appell an Verantwortungstragende und Genossen der deutschen Sozialdemokratie richten: Macht nicht denselben Fehler wie wir! Was w&uuml;rden wir daf&uuml;r geben, die Uhr um 20 Jahre zur&uuml;ckdrehen zu k&ouml;nnen. Ihr habt jetzt noch die Wahl, diesem Irrweg zu widerstehen, wenn der n&auml;chste Hochglanzflyer in euren Kommunen und Beh&ouml;rden einflattert.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es liegt auf der Hand, dass sich der Sozialstaat f&uuml;r uns als Sozialdemokraten an den Bed&uuml;rfnissen der Menschen ausrichten muss und nicht an den Renditeerwartungen von Investoren &ndash; auch wenn schnelle L&ouml;sungen von N&ouml;ten sind. Auch die Mehrheit der schwedischen Bev&ouml;lkerung, &uuml;ber die politischen Lager hinweg, lehnt eine Privatisierung des Sozialstaats ab. Ist die Privatisierungsb&uuml;chse der Pandora jedoch einmal ge&ouml;ffnet, so ist es sehr schwierig und teuer, sie wieder zu schlie&szlig;en.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><i>Dieser Artikel wurde zuerst auf </i><a href=\"https://www.vorwaerts.de/meinung/privatisierter-sozialstaat-macht-nicht-die-gleichen-fehler-wie-schweden\">Vorw&auml;rts</a><i> ver&ouml;ffentlicht.<o:p></o:p></i></p>"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[{"node":{"label":"21/2026","slug":"212026","sections":[{"category":{"name":"Wirtschaft","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-E9Khq1FoQhe2VwZhp_nQMg-de","title":"Zinserhöhung in der Rezession – die Europäer sind verrückt","slug":"zinserhohung-in-der-rezession-die-europaer-sind-verruckt","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Heiner Flassbeck","slug":"heiner-flassbeck"}]},{"id":"DatoCmsArticle-KcVqRY8rRtOZ-_nuDUn3UQ-de","title":"Amerikas Finanzpolitik außer Rand und Band – 2","slug":"amerikas-finanzpolitik-ausser-rand-und-band-2","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Jörg Bibow","slug":"joerg-bibow"}]}]},{"category":{"name":"Geld","color":"Burgundy"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Dx1sihGSR0ylgMcbykCLZg-de","title":"Nicht die Märkte bestimmen den Zins","slug":"nicht-die-markte-bestimmen-den-zins","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Dirk Bezemer","slug":"dirk-bezemer"}]}]},{"category":{"name":"Demokratie & Staat","color":"Purple"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-BC8i6rADQQmki6UigaaVcg-de","title":"Baerbock: Arroganz ersetzt keine Diplomatie","slug":"baerbock-arroganz-ersetzt-keine-diplomatie","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Markus Knauff","slug":"markus-knauff"}]},{"id":"DatoCmsArticle-IXIn4pCjS7SVtlvIGindkA-de","title":"Privatisierter Sozialstaat: Macht nicht die gleichen Fehler wie Schweden!","slug":"privatisierter-sozialstaat-macht-nicht-die-gleichen-fehler-wie-schweden","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Gustaf Lantz","slug":"gustaf-lantz"}]}]},{"category":{"name":"Hauspost","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Otrp21j6T-WXSulsv4eGpg-de","title":"Unser Rentenpaket: Paketboten gesucht!","slug":"rentenpaket-paketboten-gesucht","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"der Redaktion","slug":"redaktion"}]},{"id":"DatoCmsArticle-FqJvMAyiTTCju-5_Kb-FvQ-de","title":"Für eine Neue Ökonomik – Steve Keen rechnet ab","slug":"fur-eine-neue-okonomik-steve-keen-rechnet-ab","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"der Redaktion","slug":"redaktion"}]}]}]}}]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-IXIn4pCjS7SVtlvIGindkA-de","edition":"DatoCmsEdition-VtpT3zz3TQqTwsCDDhB2dQ-de","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}