Produktivität und Löhne: Der Bruch der 1980er-Jahre
Die Grafik macht sichtbar, wie sich seit den frühen 1980er-Jahren zwei zentrale ökonomische Größen zunehmend auseinanderentwickeln: Während die Arbeitsproduktivität kontinuierlich steigt, folgen die realen Bruttolöhne und Gehälter diesem Trend nur noch abgeschwächt.
Bis in die 1970er-Jahre hinein verlaufen beide Kurven weitgehend parallel. Mit Beginn der 1980er-Jahre setzt jedoch eine anhaltende Entkopplung ein, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Der wachsende Abstand zwischen Produktivitätszuwächsen und Lohnentwicklung deutet darauf hin, dass ein zunehmender Teil der erwirtschafteten Wertschöpfung nicht mehr in den Arbeitseinkommen ankommt.
Diese Verschiebung hat unmittelbare verteilungspolitische Folgen. Da die gesetzliche Rentenversicherung im Wesentlichen lohnfinanziert ist, schwächt eine stagnierende oder nur moderat steigende Lohnbasis ihre Einnahmen, selbst bei weiter wachsender gesamtwirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Produktivitätsgewinne allein stabilisieren das System nicht, wenn sie sich nicht in entsprechend höheren beitragspflichtigen Einkommen niederschlagen.
Die Grafik verweist damit über die Lohnentwicklung hinaus auf grundsätzliche Fragen der Einkommensverteilung und auf die langfristige Tragfähigkeit eines Sozialstaats, dessen Finanzierung maßgeblich an die Entwicklung der Arbeitseinkommen gekoppelt ist.