Makroskop
Frag‘ den MAKROnauten

Sparen über Sparen: Was ist der Unterschied zum Investieren?

| 28. Januar 2026

Warum der Kauf von Aktien in der Regel keine reale Investition ist, wie er der Wirtschaft Nachfrage entzieht und warum Bestandsvermögen nur Preise, aber keine Fabriken boomen lässt

In unserer Rubrik „Frag‘ den MAKROnauten“ können Leserinnen und Leser der Redaktion Löcher in den Bauch fragen.

Eine Leserin wollte wissen, ob der Erwerb von Aktien, Grundstücken oder Immobilien ein Akt der Investition wäre. Ähnlich fragte ein anderer Leser: ob Geld – in Form eines Aktienkaufs oder einer Geldanlage bei der Banknicht eben doch im Wirtschaftskreislauf bleibt und an anderer Stelle Nachfrage erzielt.

Liebe Leserinnen und Leser,

es kommt häufig vor, dass Fragen an den MAKRONAUTEN den Zusammenhang von individuellem Sparen und dessen makroökonomische Wirkung adressieren. Es besteht immer wieder Unklarheit darüber, ob der Kauf von bereits existierenden Sachwerten wie Aktien, Immobilien oder Grundstücken als Sparen oder als Investition zu bezeichnen ist. Und auch: ob Sparen der Wirtschaft tatsächlich Nachfrage entzieht, oder ob das Ersparte nicht einfach auf eine andere Person übertragen wird, die es ausgibt oder investiert.

Diese Fragen sind berechtigt, werden doch im Alltag beide Begriffe häufig nicht trennscharf verwendet. Betrachtet man die Konzepte jedoch makroökonomisch, sind Investitionen in der Regel nur Ausgaben reproduzierbare Realgüter (Maschinen, Gebäude), die die Produktionskapazität erhöhen. Unter Bedingungen unzureichender gesamtwirtschaftlicher Nachfrage würgt Sparen hingegen Investitionen ab, weil es Unternehmen Einnahmen entzieht. Das zeigt ein Beispiel:

Kaufe ich einen Neuwagen, regt dies unmittelbar die Produktion an: Der Autohersteller muss Produktionsmittel und Arbeitskraft kaufen, um meinen Neuwagenwunsch zu erfüllen. Dies schafft Arbeitsplätze und Nachfrage nach Rohstoffen und Zwischenprodukten, um diese reproduzierbare Ware herzustellen.

Kaufe ich hingegen Aktien, ist das erstmal nur ein Aktivtausch: Geldvermögen gegen Beteiligungstitel – ein Tausch innerhalb der Finanzaktiva, kein Kauf von realen Gütern. Dinge, die schon da sind, wechseln den Besitzer – sogenannte Bestandsvermögen. Steigen die Aktien im Kurs, nimmt das Bruttofinanzvermögen der Halter zu. Aber im Gegensatz zum Neuwagenkauf ist keine Investition in Arbeitskraft und Produktionsmittel erforderlich.

Zwar reagieren Unternehmer auf Auftragseingänge, Absatzprognosen und Lagerbestände, nicht auf die abstrakte Tatsache, dass jemand Aktien gekauft hat. Verdrängen Aktienkäufe jedoch aggregiert Konsum und reale Investitionen, kann sich dies in sinkenden Absatzperspektiven niederschlagen. Weniger Konsum bedeutet für den Autoproduzenten (oder andere Investoren) geringere Einnahmen.

Ein weiteres Problem: Wenn immer Menschen Bestandsvermögen kaufen, droht eine Vermögenswertinflation (Asset Price Inflation). Wenn die effektive Nachfrage nach Bestandsvermögen steigt, bedingt ihre natürliche Knappheit (zum Beispiel von Gold) oder künstliche Knappheit (zum Beispiel von Bitcoin), dass Verkäufer nicht mit der Ausweitung der Produktion reagieren, sondern ihre Preise erhöhen. Spekulanten machen sich Knappheit für Buchgewinne zu nutzen.

Das kann aber mitunter sozial verwerflich sein, etwa wenn sie trotz Wohnungsnot nicht bauen, sondern den Wohnraum knapphalten. Solange die Renditeerwartungen im Handel mit dem Bestand höher (steigende Immobilienpreise) sind als die Renditeerwartungen aus dem Neubau (mehr Mieteinnahmen), ist dies durchaus wahrscheinlich.

Im Gegensatz dazu reagieren Investoren auf eine steigende Nachfrage nach reproduzierbaren Gütern in der Regel eher mit einer Ausweitung der Produktion – und damit auch mit zusätzlichen Investitionen – als mit Preiserhöhungen. In dem Fall, dass die Wirtschaft unterausgelastet ist – also Güter- und Arbeitsmarkt nicht geräumt sind – und auf dem Markt Konkurrenz herrscht, mobilisieren sie vor allem ungenutzte Ressourcen.

Dem liegt eine konservative Annahme im Umgang der Unternehmen mit ihrer Preissetzungsmacht zugrunde: Solange unklar ist, wie sich die Konkurrenz verhält, bergen Preissteigerungen stets das Risiko von Absatzeinbußen. Erhöhen Wettbewerber ihre Preise nicht im gleichen Maße, besteht die Gefahr, Kunden an sie zu verlieren. Wird es jedoch zunehmend schwieriger, Investitionsgüter zu beschaffen und geeignet qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, stößt die Ausweitung der Produktion an Grenzen. In dieser Situation neigen auch Anbieter reproduzierbarer Güter – ähnlich wie Verkäufer von Bestandsvermögen – eher zu Preiserhöhungen.