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„Lifestyle-Teilzeit“: CDU-Wirtschaftsflügel stößt auf scharfe Kritik

| 10. Februar 2026
IMAGO / Sven Simon

Der CDU-Wirtschaftsflügel fordert eine Abschaffung der „Lifestyle-Teilzeit“. Die Kritik daran ist umfassend. Über Kinderbetreuung, Arbeitsproduktivität und einen Generationenkonflikt, der keiner ist.

Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit – mit dieser Forderung sorgte der Wirtschaftsflügel der CDU jüngst für großes mediales Aufsehen. Das grundsätzliche Recht auf Teilzeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer solle abgeschafft werden. Ein Anspruch auf Teilzeitarbeit bestünde demnach nur noch bei Vorliegen einer besonderen Begründung bestehen.

"Besondere Gründe“ für Teilzeit könnten beispielsweise die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder eine berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung sein, hieß es in dem zugehörigen Antrag. Alles andere müsse zwischen den Arbeitsvertragsparteien ausgehandelt werden.

Derzeit ist ein grundsätzlicher Anspruch auf Teilzeitarbeit gesetzlich verankert. Berechtigt sind alle, deren Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate besteht und deren Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt. Der Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit muss drei Monate vorher angekündigt werden.

Die Forderung zur Reform des Anspruchs ziele dabei auf Menschen, die Teilzeit als Teil ihrer Work-Life-Balance wählten. Begründet wird dies mit einer Rekordquote von 40,1 Prozent Teilzeitjobs. Der Vorstoß innerhalb der CDU reiht sich in eine breite Kritik ein, die den Deutschen eine mangelnde Arbeitsmoral unterstellt, was dem Wirtschaftswachstum entgegenstehe.

Zwar sind die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person zuletzt gesunken. Die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden in der Bundesrepublik dagegen sind auf einem Höchststand angelangt. Ein Grund dafür ist etwa eine zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen, die dabei überproportional in Teilzeit arbeiten.

Die Forderung, den allgemeinen Teilzeitanspruch abzuschaffen, sorgte für viel Kritik – innerhalb wie außerhalb der Partei.

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt warf den Verantwortlichen laut verschiedenen Medienberichten vor, mit dem Antrag dem Zusammenhalt in Deutschland zu schaden. Es sei "außerordentlich widersprüchlich", einerseits den Beschäftigten im Land Faulheit zu unterstellen und sie zur Mehrarbeit zwingen zu wollen und andererseits Menschen abzuschieben, die integriert und in Ausbildung und Arbeit sind.

Auch bei den Wahlberechtigten in Deutschland kommt der Teilzeitvorstoß überwiegend nicht gut an, wie der neue ARD-DeutschlandTrend zeigt. 66 Prozent der Befragten sind dagegen. 30 Prozent zeigen sich offen für weniger Teilzeit-Möglichkeiten. 94 Prozent der Befragten zufolge könne die Beschäftigung eher über einen Ausbau der Angebote für Kinderbetreuung und Pflege gesteigert werden. Zwei Drittel der Befragten sind zudem dafür, ausländischen Fachkräften das Einwandern nach Deutschland zu erleichtern.

Darüber hinaus äußerte sich zuletzt die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer gegenüber der Funke Mediengruppe zu den Forderungen. Wachstum sei keine Frage der Wochenarbeitszeit, sondern der Arbeitsproduktivität. Die Produktivität wachse, wenn die Arbeitskräfte mit immer besseren Maschinen und immer besserer KI arbeiten können. Dafür brauche es mehr Investitionen in diesen Bereichen.

Auch Schnitzer verwies zudem auf die steigende Erwerbsquote, insbesondere von Frauen, die jedoch von einer mangelnden Kinderbetreuung ausgebremst würde. Hinzu kämen steuerliche Anreize wie das Ehegattensplitting, das Vollzeitbeschäftigung für Zweitverdiener unattraktiver machten.

In Bezug auf die Vorwürfe gegenüber der Arbeitsmoral der jungen Generation sagte sie: "Die Gen Z arbeitet mehr als die Generationen vor ihr." Sie seien schneller im Arbeitsmarkt und würden auch mehr Stunden arbeiten als früher. Dementgegen seien es auch oft die Älteren, die meinten, genug gearbeitet zu haben und sich daher für die Rente mit 63 oder 64 entschieden, so die Wirtschaftsweise.

Infolge der zahlreichen Kritik an dem Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels hat dieser nun die Formulierung geändert. Der Antrag enthält nun nicht mehr den Begriff der „Lifestyle-Teilzeit“, sondern spricht davon, Teilzeitansprüche zu „ordnen“. Die grundlegende Forderung bleibt jedoch bestehen.