Board of Trump: Wenn Diplomatie zur Privatsache wird
Das „Board of Peace“ soll Frieden im Nahen Osten schaffen. Nebenbei entsteht eine neue Machtarchitektur: eine internationale Organisation mit Donald Trump im Statut und engen Verflechtungen zur Privatwirtschaft.
Während Donald Trump militärisch gegen den Iran vorgeht – ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats und ohne Zustimmung des US-Kongresses –, entsteht parallel ein weniger beachtetes Projekt seiner Außenpolitik: das sogenannte „Board of Peace“.
Das Gremium soll einen Friedensplan für Gaza entwickeln. Doch hinter der technokratischen Fassade zeichnet sich ein ungewöhnliches Modell internationaler Politik ab: eine Organisation mit Trump im Statut, enger Verzahnung mit privaten Investoren – und einem Ansatz, der Diplomatie zunehmend aus staatlichen Strukturen herauslöst.
Am 17. November 2025 ermächtigte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Resolution 2803 (2025) die Vereinigten Staaten, einen Friedensplan für Gaza zu organisieren und umzusetzen. Teil dieses Plans ist die Einrichtung eines „Board of Peace“, das einen Dialog zwischen Israel und den Palästinensern ermöglichen sollte, um „einen politischen Horizont für ein friedliches und prosperierendes Zusammenleben“ zu schaffen.
Ein Mandat der Vereinten Nationen – und seine Transformation
Die Dringlichkeit ist unbestritten. Nach Schätzungen der Forscherin Ana C. Gómez vom Max-Planck-Institut und ihrer Kollegen handelt es sich um einen Konflikt mit beispiellosen Verlusten an Menschenleben und Lebenszeit. In dem nur 41 Kilometer langen und 365 Quadratkilometer großen Gazastreifen seien bereits über 100.000 Menschen ums Leben gekommen, überwiegend Zivilisten, während die Infrastruktur großflächig zerstört wurde.
Die Satzung des Boards erweitert den Auftrag weit über den Gaza-Konflikt hinaus. Ziel sei nun, „Stabilität zu fördern, verlässliche und rechtmäßige Regierungsführung wiederherzustellen und dauerhaften Frieden in konfliktgefährdeten Regionen zu sichern“ (Artikel 1).
Noch ungewöhnlicher ist jedoch eine andere Bestimmung: Die Satzung des Boards nennt Donald J. Trump ausdrücklich als Vorsitzenden – unabhängig davon, ob er Präsident der Vereinigten Staaten ist oder nicht.
In der modernen Völkerrechtsordnung sind internationale Institutionen normalerweise bewusst unpersönlich organisiert. Einzelpersonen tauchen in Satzungen praktisch nie namentlich auf. Im Fall des Board of Peace ist das anders. Trumps Mandat endet erst, wenn er selbst zurücktritt oder die Organisation auflöst. Zudem kann er seinen Nachfolger bestimmen (Artikel 3.3).
Mitgliedstaaten müssen nach einstimmenden US-Medienberichten eine Eintrittsgebühr von einer Milliarde Dollar entrichten. Sollte das Board aufgelöst werden, entscheidet das Team des Vorsitzenden nach Artikel 10.2. über die Verwendung der Mittel.
Gegründet wurde das Board offiziell im Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Zu den ersten Mitgliedern zählten Staaten aus dem Nahen Osten, dem Kaukasus und Südostasien ebenso wie mehrere Länder Südosteuropas und Lateinamerikas – darunter etwa Armenien, Aserbaidschan, Indonesien, Pakistan, Katar, Saudi-Arabien, die Türkei sowie Argentinien und El Salvador. Unter ihnen befinden sich mehrere enge politische Verbündete Donald Trumps, etwa Viktor Orbán in Ungarn, Nayib Bukele in El Salvador oder Javier Milei in Argentinien.
Zugleich beteiligen sich zahlreiche Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, die in dem Gremium offenbar auch eine Möglichkeit sehen, Einfluss auf mögliche Lösungen im Israel-Palästina-Konflikt zu nehmen.
Am 12. Februar trat Israel dem Board bei – obwohl dieses eigentlich den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern vermitteln sollte. Die Einladung kam laut israelischen Medien von Trump selbst. Palästinensische Vertreter hingegen sind bislang nicht Teil des Gremiums.
Frieden – oder Immobilienentwicklung?
Bei der ersten Sitzung des Boards am 19. Februar stellte Donald Trump zehn Milliarden Dollar aus US-Mitteln in Aussicht. Zusammen mit den Beiträgen weiterer Mitglieder summiert sich das verfügbare Budget damit auf rund 17 Milliarden Dollar. Diskutiert wurden unter anderem der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe von etwa 20.000 Soldaten, der umfassende Wiederaufbau der Infrastruktur sowie der Bau von rund 400.000 neuen Wohnungen im Gazastreifen.
Auffällig ist jedoch, wie stark sich diese Planungen mit einer Vision überschneiden, die Trump schon früher formuliert hatte: Gaza als groß angelegtes Immobilien- und Tourismusprojekt.
Im Gründungsgremium sitzen mehrere Personen aus Trumps engem politischen und wirtschaftlichen Umfeld. Dazu gehören sein Schwiegersohn Jared Kushner, der damalige Außenminister Marco Rubio und sein Berater Steve Witkoff. Auch der Investmentmanager Marc Rowan sowie der frühere britische Premierminister Tony Blair sind beteiligt.
Die in diesem Kreis entworfene Zukunftskarte für Gaza zeichnet ein entsprechend ambitioniertes Bild: Entlang der Mittelmeerküste sollen rund 180 multifunktionale Hochhäuser entstehen, ergänzt durch Hafenanlagen, einen Flughafen und eine touristisch geprägte Uferzone.
Kushner hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass die Küstenlage des Gazastreifens „sehr wertvoll“ sein könne. Das Mandat des United Nations Security Council zielte jedoch ursprünglich darauf ab, Frieden zu sichern – nicht darauf, ein Immobilienprojekt zu entwickeln.
Viele europäische Staaten verweigerten zunächst die Teilnahme. EU-Ratspräsident António Costa äußerte erhebliche Zweifel an der Vereinbarkeit der Board-Satzung mit dem Völkerrecht und der UN-Charta. Dennoch nahm die EU-Mittelmeerkommissarin Dubravka Šuica an der ersten Sitzung als Beobachterin teil.
Paradigmenwechsel in der internationalen Ordnung
Das Board of Peace stellt einen möglichen Paradigmenwechsel in der internationalen Ordnung dar: Weg von multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen – hin zu einer personalisierten, politisch-ökonomischen Diplomatie, die von Einzelpersonen und privatwirtschaftlichen Netzwerken organisiert wird. Dass ein ehemaliger oder amtierender US-Präsident namentlich in der Satzung einer internationalen Organisation mit quasi-völkerrechtlichem Mandat auftaucht, ist ein historisches Novum.
Für Europa bedeutet das eine strategische Herausforderung. Denn sollte Washington tatsächlich beginnen, parallele Institutionen zur UNO aufzubauen, wäre das nicht nur ein diplomatisches Experiment, sondern ein Umbau der globalen Ordnung – und damit auch ein Test für die Handlungsfähigkeit der europäischen Außenpolitik.