Globale Krisen und der Ölpreis
Im Nahen Osten spitzt sich eine neue Krise mit weltweiten wirtschaftlichen Folgen zu: Die iranische Revolutionsgarde behindert den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Rund ein Fünftel des global gehandelten Rohöls passiert diese Meerenge. Jede Störung wirkt sich daher unmittelbar auf die Energiemärkte aus und treibt die Preise nach oben.
Dass geopolitische Krisen den Ölpreis stark beeinflussen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.
Bereits die erste große Ölkrise der Nachkriegszeit hatte ihren Ursprung im Nahen Osten. Während des Jom-Kippur-Krieges 1973 unterstützten mehrere westliche Staaten Israel militärisch und politisch. Als Reaktion verhängten arabische Ölförderländer ein Embargo gegen ihre Gegner und drosselten die Förderung. Innerhalb kurzer Zeit vervielfachte sich der Ölpreis und löste weltweit wirtschaftliche Turbulenzen aus.
Nur wenige Jahre später folgte die zweite Ölkrise. Auslöser war die iranische Revolution von 1979. Massive Streiks in der Ölindustrie führten dazu, dass die Förderung im Iran, damals einer der größten Ölexporteure der Welt, zeitweise fast zum Erliegen kam. Die Lage verschärfte sich weiter, als 1980 der Krieg zwischen Iran und Irak ausbrach, der wichtige Förder- und Transportstrukturen in der Region bedrohte.
In den 2000er-Jahren stiegen die Ölpreise erneut stark an. Neben geopolitischen Spannungen spielte dabei auch die rasant wachsende Nachfrage aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien eine wichtige Rolle. Gleichzeitig entdeckten Finanzinvestoren Rohstoffe zunehmend als Anlageklasse, was zusätzliche Dynamik in die Märkte brachte. Der Ölpreis erreichte 2008 historische Höchststände, bevor er im Zuge der globalen Finanzkrise wieder stark einbrach.
Ein weiterer Preisschub folgte 2011 während des Arabischen Frühlings. Der Bürgerkrieg in Libyen führte zu erheblichen Ausfällen bei der Ölförderung. Gleichzeitig wuchs an den Märkten die Sorge, dass sich die politischen Unruhen auf weitere wichtige Förderländer ausweiten könnten.
Im Jahr 2020 erlebte der Ölmarkt dann einen historischen Einbruch. Die Corona-Pandemie führte weltweit zu Lockdowns und ließ die Nachfrage nach Energie abrupt sinken. Zeitweise fiel der Preis für amerikanisches Rohöl sogar unter null, weil Lagerkapazitäten erschöpft waren und Händler ihre Lieferverpflichtungen loswerden wollten.
Die nächste große Energiekrise folgte 2022 mit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Sanktionen, Lieferunsicherheiten und geopolitische Spannungen ließen die Preise für Öl und Gas erneut deutlich steigen.
Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten zeigen einmal mehr, wie eng geopolitische Konflikte und die Entwicklung der Energiepreise miteinander verbunden sind. Solange ein erheblicher Teil der weltweiten Ölversorgung aus politisch instabilen Regionen stammt, bleiben die Märkte anfällig für Krisen.