EU

DGB: Deutscher Götter Bote? Aufgelesen bei ... Reiner Hoffmann

| 14. Januar 2015

Stellen Sie sich vor, Sie wären der Vorsitzende des DGB, des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Nun machen Sie ein Interview mit Spiegel-Online und der Journalist stellt zu den Ursachen der Eurokrise die deutscheste aller Fragen: „Ist der Absturz nicht auch die Schuld Ihrer Kollegen? Südeuropäische Gewerkschaften haben lange Lohnabschlüsse und Privilegien ausgehandelt, die nicht der wirtschaftlichen Entwicklung entsprachen.“ Was würden Sie antworten?

Nun, wissend, dass schon die Frage vollkommen neben der Sache liegt, würden Sie vielleicht ausweichen und sagen: „So einfach ist es nicht, es gab Fehler auf allen Seiten, aber die Südeuropäer haben inzwischen schon viel getan, um ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder zu gewinnen.“ Vielleicht würden Sie auch folgendes entgegnen: „ Na ja, die Südeuropäer haben zum Teil schon über ihre Verhältnisse gelebt, aber es gab andere, die unter ihren Verhältnissen gelebt haben.“ Sie könnten auch dagegenhalten, ohne die Sache vollkommen zu entstellen, indem Sie einwenden: „Meine Kollegen in Südeuropa haben nicht allein entschieden, Ergebnisse von Tarifverhandlungen werden immer von beiden Seiten getragen.“ Ganz mutig wäre es anzumerken: „Die Inflationsrate war in Euroland aber all die Jahre nie zu hoch, und wenn es jetzt allgemeine Deflation in Europa gibt, ist es nicht sehr überzeugend, davon zu sprechen, die Gewerkschaften hätten vorher bei den Löhnen überzogen.“

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